Donnerstag, 16. Juli 2020
Wege aus der Krise aufgezeigt

OVE fordert Bekenntnis zu Energiewende und Innovation

Energiezukunft | Wolfgang Schalko | 28.05.2020 | |  
Der OVE gab heute bei einem Pressegespräch die Richtung zur Energiewende vor – nun sollte die Politik dem Weg folgen. Der OVE gab heute bei einem Pressegespräch die Richtung zur Energiewende vor – nun sollte die Politik dem Weg folgen. (© OVE / Fotolia) Der Corona-Lockdown war und ist eine enorme Herausforderung für die österreichische Wirtschaft. Daher gilt es, Konjunkturprogramme nicht nur zu diskutieren, sondern tatsächlich rasch auf den Weg zu bringen, wobei besonders die Umsetzung der Energiewende eine Vielzahl an Investitionsmöglichkeiten bietet, um die heimische Wirtschaft aus der Krise zu führen. Welche das sind, hat der Österreichische Verband für Elektrotechnik (OVE) heute in einem Pressegespräch aufgezeigt.

Kluge Konjunkturprogramme können Österreichs Wirtschaft aus der Krise führen. Die Umsetzung der Energiewende, aber auch die Stärkung des Innovationsstandortes Österreich bieten zahlreiche Möglichkeiten für zukunftweisende Investitionen. Starke Impulse für die Ökologisierung von Unternehmen und Privathaushalten sowie für Forschung und Innovation im Bereich der Elektrotechnik, Energietechnik und Informationstechnik können gerade jetzt den Standort Österreich zukunfts- und krisensicher machen. Im Rahmen des heutigen Pressegesprächs spannte der OVE einen breiten thematischen Bogen, was konkrete Maßnahmen und Forderungen angeht.

Investitionen in Energiewende fördern

Für die Kommunen liegt bereits ein erstes Hilfspaket vor, jetzt müssen Mittel für Industrie und Gewerbe sowie für Privathaushalte folgen. Die Maßnahmen für die Bewältigung der Krise können dabei gleichzeitig die Initialzündung für die Energiewende sein. Mit Investitionsanreizen, etwa der Wiedereinführung eines Investitionsfreibetrags oder Förderpaketen für die Ökologisierung von Unternehmen und privaten Haushalten, kann die Politik zahlreichen Projekten schnell zur Umsetzung verhelfen und damit die österreichische Wirtschaft nachhaltig stärken. „Seien es Förderungen für eine dezentrale Stromversorgung, für den Ausbau der Elektromobilität oder für Digitalisierungsprojekte – es gibt viele Investitionsanreize, die nicht nur die Wirtschaft ankurbeln, sondern auch die Klimaziele unterstützen“, betonte OVE-Präsident Kari Kapsch.

Erneuerbaren Ausbau Gesetz: Zeitplan einhalten

Viele Energieunternehmen haben bereits fertige Projekte in der Schublade, die nur auf ihre Umsetzung warten. Mit den entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen sowie deutlich kürzeren Genehmigungsverfahren kann die Politik hier innerhalb kürzester Zeit Investitionsprojekte absichern. Vor allem das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG), das 2021 in Kraft treten soll, ist ein wesentlicher Schritt in Richtung Investitions- und Planungssicherheit für die Energiebranche. Es gilt daher, den Zeitplan trotz Krise unbedingt einzuhalten. „Die Energiewirtschaft verfolgt ein ehrgeiziges Investitionsprogramm für eine sichere und erneuerbare Stromversorgung. Doch nur wenn die Genehmigungen für unsere Strominfrastrukturprojekte rasch über die Bühne gehen, können wir unsere Aus- und Umbauprojekte auch zeitnah durchziehen. Alleine die APG wird heuer 350 Millionen Euro und in den nächsten zehn Jahren insgesamt 2,9 Milliarden Euro in die Strominfrastruktur investieren und somit auch einen wesentlichen Impuls für Österreichs Wirtschaft setzen. Deswegen benötigen wir von der Politik ein klares Bekenntnis und stabile Rahmenbedingungen zum raschen Umbau des gesamten Energiesystems hin zu einer erneuerbaren Energie- und Stromwelt“, bestätigte OVE-Vizepräsident Gerhard Christiner.

Die Corona-Krise habe die Schwächen des Systems aufgezeigt und vor allem die Energieerzeuger vor enorme Herausforderungen gestellt, denn einerseits sei der Stromverbrauch in Österreich deutlich zurückgegangen (im Mai um 14%), andererseits hätten damit einhergehend die Stromhandelspreise auf Talfahrt begeben – von üblichen 50 Euro pro MWh auf aktuell 20-25 Euro pro MWh. In Hinblick auf das Gelingen der Energiewende werde es daher neben dem beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien und dem dafür wesentlichen Hebel EAG vor allem auch einen weiteren Digitalisierungsschub hin zu intelligenteren Netzen (Smart Grids) brauchen, denn mit dem bloßen Netzausbau alleine seien die zukünftigen Anforderungen nicht zu stemmen.

Rechtliche Rahmenbedingungen nachbessern

Einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende leistet auch das Gewerbe mit seinen vielen regionalen Fachbetrieben – die somit zugleich eine hohe regionale Wertschöpfung garantieren. „Dafür braucht es neben innovativen Betrieben mit gut ausgebildeten Fachkräften auch die entsprechenden Rahmenbedingungen“, so Andreas Wirth, Bundesinnungsmeister für Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechnik. Der OVE fordert daher von der Landeshauptleutekonferenz dringend notwendige Nachbesserungen in der OIB Richtlinie 6, um den Einsatz neuer Technologien beim Bau und bei der Sanierung von Gebäuden zu erleichtern sowie den Ausbau der Photovoltaik-Kapazitäten im Rahmen der Klima- und Energiestrategie voranzutreiben. Die aktuelle Fassung der Richtlinie erschwert das durch eine klare Benachteiligung der Energieform Strom. So findet etwa selbst produzierter Ökostrom aus Photovoltaik-Anlagen keine ausreichende Anerkennung im Energieausweis eines Gebäudes bzw wird der Einbau von Infrarotheizungen praktisch verunmöglicht. Außerdem forderte Wirth, den KLIEN-Fördertopf schnell auszuschütten, um private PV-Investitionen zu forcieren, und appellierte an die Politik, die aktuell undurchsichtige rechtliche Situation aufgrund der neun verschiedenen Bauordnungen in Österreich zu vereinfachen. Denn: „Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen erfüllt werden können, sonst bringen alle Förderungen nichts.”

Innovationsstandort stärken

Eine Grundlage für die globale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft ist die langfristige Absicherung der Innovations- und Forschungsförderung. In der Corona-Krise gab es schon früh Einschränkungen bei den Lieferketten aus Asien. Ziel sollte daher sein, die Entwicklung und Produktion strategisch wichtiger Produkte wieder nach Europa zu verlagern. „Um den Forschungs- und Produktionsstandort Österreich zu stärken, braucht es Electronic Based Systems, Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik. Möglich sind diese neuen Technologien nur, wenn Forschung, Entwicklung und Innovation auch bei der Vergabe von Förderungen den Stellenwert haben, den sie verdienen“, so Wolfgang Bösch von der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU Graz. Auch die Bedeutung der Digitalisierung an Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstitutionen hat die Corona-Krise deutlich aufgezeigt. Beim schnellen Umstieg auf die digitale Lehre und auch im Bereich des Forschungsdatenmanagements und in der Verwaltung haben sich die Investitionen der vergangenen Jahre bezahlt gemacht.

Digitalisierung vorantreiben

Von E-Learning und interaktiven Laborübungen bis hin zu Smart Factory (Production) oder Live-Video-Inspektionen – die Corona-Krise hat in vielen Bereichen einen Digitalisierungsschub ausgelöst, allerdings auch notwendige Verbesserungen in der Infrastruktur aufzeigt. „Es liegt jetzt an der Politik, mit entsprechenden Förderungen und Investitionen IT-Infrastruktur für flächendeckende Gigabit-Übertragungsnetze vor allem im ländlichen Raum zu etablieren. Auch die zukunftsorientierte Ausstattung von Bildungseinrichtungen, etwa mit an den Lehrplan gekoppelten E-Learning-Plattformen, muss auf der politischen Agenda weit oben stehen. Nur so bekommt der Einsatz digitaler Lehr- und Lernmethoden auch über die Krise hinaus einen starken Impuls“, zeigte OVE-Generalsekretär Peter Reichel eine weitere notwendige Investition in die Zukunft auf.

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