Donnerstag, 9. Juli 2020
Editor's ChoiceAufholprozess nach tiefer Rezession

OeNB: Gesamtwirtschaftliche Prognose für Österreich 2020 bis 2022

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 05.06.2020 | |  
(Bild: Andreas Morlok/ pixelio.de) (Bild: Andreas Morlok/ pixelio.de) „Die zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in vielen Ländern beschlossenen Maßnahmen führen 2020 weltweit und auch in Österreich zu einer tiefen Rezession“, sagt die Österreichische Nationalbank (OeNB), die für 2020 einen Rückgang des realen BIP der heimischen Wirtschaft erwartet. Die Jahre 2021 und 2022 sollen dann von einem Aufholprozess gekennzeichnet sein.

Von einer „tiefen Rezession“, weltweit, spricht die Österreichische Nationalbank in ihrer Gesamtwirtschaftlichen Prognose für Österreich 2020 bis 2022. Man erwarte für 2020 einen Rückgang des realen BIP der heimischen Wirtschaft um –7,2%. Die Jahre 2021 und 2022 werden mit einem Wachstum von +4,9% beziehungsweise +2,7% von einem Aufholprozess gekennzeichnet sein.

Die Arbeitslosenquote laut Eurostat-Definition steigt 2020 auf 6,8% und wird im Jahr 2022 immer noch bei 5,3% liegen. Die am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Inflation geht im Jahr 2020 auf 0,8% zurück, wird 2021 auf diesem Niveau verbleiben und sich 2022 wieder auf 1,5% beschleunigen. Die COVID-19-bedingte Rezession stelle die größte wirtschaftspolitische Herausforderung in der Zweiten Republik, nach dem Kriegsende und den ersten Wiederaufbaujahren, dar, sagt die OeNB. Das gesamtstaatliche Defizit (Maastricht-Defizit) steige aufgrund der umfangreichen fiskalischen Maßnahmen und der Wirkung der automatischen Stabilisatoren im Jahr 2020 auf 8,9% des BIP, wird aber bis 2022 wieder sinken und 1,5% des BIP betragen.

„Containment-Maßnahmen führen zu „Wirtschaftseinbruch

Die Bekämpfung der COVID-19-Pandemie hat in der ersten Jahreshälfte 2020 die Wirtschaftsentwicklung weltweit stark beeinträchtigt. In Österreich ist die Wirtschaftsleistung in diesem Zeitraum um rund 13,5% eingebrochen, wie die OeNB berichtet. Bereits für das zweite Halbjahr 2020 wird aber – ausgehend von diesem sehr niedrigen Aktivitätsniveau – ein deutlicher Aufholeffekt erwartet.

Einbruch des Welthandels und der Exporte

Während die Welt ohne den Euroraum in der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 noch ein geringfügiges Wachstum verzeichnet hatte, schrumpft das BIP dieser Region im Jahr 2020 um 4%. „2021 kommt es aufgrund von Aufholprozessen aber zu einer deutlichen Erholung“, so die OeNB und: „Für die österreichischen Exportmärkte wird für das Jahr 2020 ein Einbruch von 12,7% erwartet, der zu einem Rückgang der österreichischen Exporte um 11,6% führt. Für 2021 und 2022 wird ein Exportwachstum von 6,9% beziehungsweise von 4,7% prognostiziert.“

Einbruch der Inlandsnachfrage

Die OeNB berichtet: „Für die Bruttoanlageinvestitionen, die sehr konjunkturreagibel sind, wird ein Rückgang um 6,7% erwartet. Der private Konsum wird in diesem Jahr um -5,8% sinken. In historischer Betrachtung wirkte der Konsum in Krisenperioden über das Entsparen der Haushalte konjunkturstabilisierend. Aufgrund der Lockdown-Maßnahmen, die die Konsummöglichkeiten der Konsumenten stark einschränkten bzw. teilweise unterbanden, kam es trotz des gleichzeitigen Rückgangs der Einkommen aber zu einem deutlichen Anstieg der Sparquote. Für die Jahre 2021 und 2022 werden sowohl für die Bruttoanlageinvestitionen als auch für den privaten Konsum infolge von Nachholeffekten sowie des verbesserten Wirtschaftsvertrauens überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten erwartet.“

Deutlicher Anstieg der Arbeitslosenquote

Durch die umfassenden Containment-Maßnahmen zwischen Mitte März bis Mitte April 2020 ist die Anzahl der registrierten Arbeitslosen von rund 310.000 auf über 530.000 Personen angestiegen. „Aufgrund der Neuausrichtung der Kurzarbeitsregelung konnte aber ein noch viel stärkerer Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert werden“, sagt die OeNB und: „Die Arbeitslosenquote wird im Gesamtjahr 2020 bei im historischen Vergleich sehr hohen 6,8% liegen (laut Eurostat-Definition). Trotz der deutlichen Verbesserung der Konjunktur im Jahr 2021 wird die Arbeitslosenquote auf nur knapp unter 6% sinken.“

Inflation unter einem Prozent

Im Gesamtjahr 2020 wird die HVPI-Inflationsrate auf 0,8% zurückgehen. Ein wichtiger Grund hierfür sei der weltweite Einbruch der Nachfrage nach Rohöl, der 2020 zu einer Halbierung des Ölpreises führt. „Die HVPI-Inflation ohne Nahrungsmittel und Energie wird durch den Nachfrageschock gedämpft, wodurch die Inflation im Jahr 2020 auf 0,8% sinkt. 2021 wird die HVPI-Inflationsrate bei 0,8% verweilen. Erst 2022 wird es zu einem Anstieg auf 1,5% kommen“, so die OeNB.

Prognose stark annahmegetrieben

Der Prognose werden zwei wesentliche Annahmen zugrunde gelegt: Es kommt zu keiner zweiten Infektionswelle im Herbst 2020 und Mitte 2021 steht eine medizinische Lösung (Medikament oder Impfung) zur Verfügung. Die Annahme des Auftretens einer zweiten Infektionswelle im Herbst dieses Jahres, die schwächer ausfällt als jene im Frühjahr, würde laut einer Szenarienrechnung der OeNB im Jahr 2020 zu einem zusätzlichen Wirtschaftseinbruch um rund zwei Prozentpunkte beziehungsweise einer noch tieferen Rezession von –9,2% führen. Im Jahr 2021 würde das Wirtschaftswachstum in diesem Szenario nur 3,5% betragen.

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