Donnerstag, 16. Juli 2020
Jeder Zweite befürchtet wirtschaftliche Nachteile

Konsumverhalten: Corona-Krise ordnet Prioritäten neu

Hintergrund | Dominik Schebach | 12.06.2020 | |  
Nach Ansicht der Geschäftsführerin des Österreichischen Gallup Instituts, Andrea Fronaschütz, ordnen die Österreicher ihre PRioritäten neu: „Ausgelöst durch die Corona-Krise, zeichnet sich ein Wandel im Privatleben, in der Gesundheitsvorsorge, im Beruf, in der Ausbildung und natürlich auch beim Konsum ab. Nach Ansicht der Geschäftsführerin des Österreichischen Gallup Instituts, Andrea Fronaschütz, ordnen die Österreicher ihre PRioritäten neu: „Ausgelöst durch die Corona-Krise, zeichnet sich ein Wandel im Privatleben, in der Gesundheitsvorsorge, im Beruf, in der Ausbildung und natürlich auch beim Konsum ab." (© Gallup/www.beahasler.at) Mit der Corona-Krise haben sich auch die Prioritäten der österreichischen Bevölkerung verschoben. Wie aus einer Umfrage des österreichischen Gallup Instituts hervorgeht, befürchtet jeder Zweite langfristige wirtschaftliche Nachteile. Arbeitslosigkeit, Preisentwicklung, leistbares Wohnen und Gesundheit haben deswegen mit der Krise an Bedeutung gewonnen. Nachhaltigkeit und Regionalität sind die neuen Hauptthemen für Österreichs Bevölkerung. Luxus, Verschwendung und Shopping gelten dagegen als Begriffe der Vergangenheit.

„Ausgelöst durch die Corona-Krise, zeichnet sich ein Wandel im Privatleben, in der Gesundheitsvorsorge, im Beruf, in der Ausbildung und natürlich auch beim Konsum ab“, sagt dazu die Geschäftsführerin des Österreichischen Gallup Instituts, Andrea Fronaschütz, bei der Vorstellung der jüngsten bevölkerungsrepräsentativen Umfrage des Instituts unter 1000 Österreichern im Alter von über 16 Jahren. Wesentlicher Auslöser dieser Entwicklung sei die veränderte wirtschaftliche Situation: Jeder zweite Österreicher (49%) befürchtet laut der Umfrage infolge der Krise langfristige wirtschaftliche Nachteile für sich. Die Angst wirkt umso stärker, je geringer oder unsicherer das Einkommen ist.

Neuordnung

Damit verändere die Corona-Krise aber auch grundlegend das Wertsystem der Gesellschaft. Die Prioritäten verschieben sich. Mehr als 70% der Österreicher benennen nun laut Fronaschütz Arbeitslosigkeit und Gesundheit als die Themen, die in der Krise am stärksten an Bedeutung gewonnen hätten. Mehr als 50% sehen demnach Regionalität im Aufwind und wollen dies auch in ihrem Einkaufsverhalten umsetzen. Fast ebenso viele stellen sich die Frage nach leistbarem Wohnen und machen sich Sorgen wegen ausufernder Staatsschulden. Die Digitalisierung erkennen quer durch die Generationen fast 40% der Österreicher als bestimmenden Trend unserer Gesellschaft.

Im Mittelfeld liegen mit mehr als 30% die Themen Grenzschutz, Energieversorgung, Steuer– und Bildungsreform sowie Klimaschutz, Pensionsreform und Kriminalitätsbekämpfung. Ganz am Ende der persönlichen Prioritätenskala stehen derzeit Themen aus Zeiten der Hochkonjunktur: 22% sehen Konsumentenrechte als zeitgeistig im Aufwind,16% die Förderung von Kunst und Kultur. Ganz am Ende der Werteskala stehen für die Bevölkerung Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung, denen lediglich zehn Prozent der Befragten wachsende Bedeutung zumessen.

Die Österreicher und Österreicherinnen setzen ihre neuen Wertvorstellungen auch beim Reisen und vor allem beim Einkauf um, wie Fronaschütz betont: „Bewußter, maßvoller und nachhaltiger Konsum heißt das neue Leitbild. Acht von zehn Konsumenten beabsichtigen, stärker auf regionale Herkunft der gekauften Produkte zu achten. Für zwei Drittel spielen Nachhaltigkeit und Qualität eine größere Rolle, neun von zehn wollen hingegen auf den Kauf von Prestige- und Luxusmarken verzichten“.

Trend Preisbewusst

Aus den Umfrageergebnissen lesen die Meinungsforscher von Gallup Österreich zudem einen starken Trend zum preisbewussten Einkauf heraus. Denn die Krise treffe vor allem Niedrigverdiener und Personen, die von Gehaltseinbußen oder gar Arbeitslosigkeit betroffen sind, am stärksten. Für diese Bevölkerungsgruppe wird nach Einschätzung von Fronaschütz jetzt beim Einkauf der Preis zum Hauptargument. Bei Gallup zieht in dieser Hinsicht man Parallelen zur Finanzkrise 2008. „Die Corona – Krise hat die größere Zäsur im Konsumentenverhalten ausgelöst als die Finanzkrise. Jetzt wird nämlich die Globalisierung als Wirtschaftsmodell in Frage gestellt, die Mobilität rückt in den Hintergrund. In unseren Umfragen im Jahr 2009 zählten sowohl Globalisierung als auch Mobilität noch zu den Zukunftsthemen“, so Fronaschütz.

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