Donnerstag, 16. Juli 2020
„Corona hat Q1/2020 in außerordentlicher Weise geprägt“

KMU Forschung: Konjunkturentwicklung im stationären Einzelhandel

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 17.06.2020 | |  
Der Elektrohandel verzeichnete im März 2020 ein Minus von 27,2%. Das 1. Quartal schloss er mit Minus 6,7% ab. (Grafik: KMU Forschung) Der Elektrohandel verzeichnete im März 2020 ein Minus von 27,2%. Das 1. Quartal schloss er mit Minus 6,7% ab. (Grafik: KMU Forschung) Der Konjunkturbericht der KMU Forschung Austria für das 1. Quartal 2020 zeigt: Im ersten Quartal 2020 kam es im stationären Einzelhandel im Jahresvergleich zu einem Umsatzrückgang von -2,5%. Während im Jänner und Februar noch eine positive Geschäftsentwicklung zu beobachten war, sind die Umsätze im März in Folge der coronabedingten Geschäftsschließungen um mehr als 16% zurückgegangen.

Im März 2020 sind die Umsätze im stationären Einzelhandel in Österreich in Folge der coronabedingten Geschäftsschließungen um mehr als 16% zurückgegangen, was zu einem Umsatzentgang von rd. 800 Mio Euro (netto, exkl. Ust.) gegenüber März 2019 geführt hat. Das zeigt der aktuelle Konjunkturbericht der KMU Forschung Austria für das 1. Quartal 2020. „Während der umsatzstarke Lebensmittelhandel die Entwicklung im März 2020 mit einem Plus von etwa 17% positiv beeinflusst hat, ist es in den modischen Branchen (Bekleidungseinzelhandel, Schuh-und Lederwareneinzelhandel) zu Umsatzrückgängen von mehr als 60% gekommen. Im Jänner und Februar war es zunächst zu deutlichen Zuwächsen gekommen. Für das I. Quartal 2020 bedeutet dies insgesamt ein nominelles Umsatzminus von 2,5% gegenüber dem I. Quartal 2019“, so die KMU Forschung. Insgesamt die Hälfte der Einzelhandelsgeschäfte verzeichnete von Jänner bis März 2020 nominelle Umsatzrückgänge, 16% meldeten Umsätze auf Vorjahresniveau und 34% steigende Erlöse. Der absolute Umsatz im stationären Einzelhandel in Österreich lag im I. Quartal 2020 laut KMU Forschung bei rd. 14,6 Mrd Euro (netto, exkl. Ust.) bzw. rd. 17,1 Mrd Euro (brutto, inkl. Ust.)

Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im gesamten Einzelhandel ist im März 2020 zurückgegangen. Ende des Monats waren im Einzelhandel rd. 322.900 Mitarbeiter beschäftigt – um 12.200 Personen weniger als am 31.3.2019. Am stärksten ist der Rückgang wie der Konjunkturbericht zeigt im Sportartikeleinzelhandel (rd.-15%) sowie im Uhren-und Schmuckhandel (rd.-14%) ausgefallen. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln verzeichnete auch hier ein Wachstum (rd.+3%). Im Jänner und Februar war die Anzahl der Mitarbeiter leicht gestiegen. Im Durchschnitt der Monate Jänner bis März 2020 ist es damit zu einem Rückgang der Einzelhandelsbeschäftigten um 0,7% gekommen.

Preissteigerungen unter der Inflation

Die Verkaufspreise im Einzelhandel sind im I. Quartal 2020 um durchschnittlich +1,6% gestiegen. Der Preisanstieg ist damit wieder stärker ausgefallen als im Gesamtjahr 2019, liegt aber weiterhin unter der allgemeinen Inflationsrate (VPI; 1,9%). Die KMU Forschung erklärt: Die höhere Inflation ist vor allem auf den Bereich Wohnung, Wasser, Energie (Strompreise, Instandhaltung von Wohnungen, Mieten) sowie auf Restaurants zurückzuführen. Da die Verkaufspreise in die allgemeine Inflationsrate (VPI) einfließen, zeigt sich im Langzeitvergleich der Jahre 2011 bis zum I. Quartal 2020 eine nahezu parallele Entwicklung. Die durchschnittlichen Preissteigerungen im Einzelhandel sind im gesamten Beobachtungszeitraum niedriger als die allgemeine Inflationsrate.“

Blick auf den März

Wie die KMU Forschung erläutert, hat das Jahr 2020 mit deutlichen nominellen Zuwächsen im Jänner (+2,6%) und Februar (+7,7%) begonnen. Im März sind die Umsätze in Folge der Corona-Krise massiv eingebrochen (-16,3%). „Eine große Anzahl an Einzelhandelsgeschäften, die nicht der Grundversorgung der Bevölkerung dienen, musste im März 2020 an mehr als der Hälfte der Einkaufstage geschlossen halten (-14 Verkaufstage gegenüber März 2019). Insgesamt 23.000 Geschäfte (Outlets) mit einer Verkaufsfläche von fast 10 Mio m² blieben somit zu. Das entspricht 61% aller österreichischen Einzelhandelsgeschäfte oder 69% der Verkaufsfläche im Einzelhandel“, so die KMU Forschung.

Der österreichische Internet-Einzelhandel

Demgegenüber hat der österreichische Internet-Einzelhandel im März 2020 von der Situation profitieren können und – ausgehend von einem vergleichsweise geringen Niveau –ein Umsatzplus von rd. 50% erzielt. „Es bleibt jedoch abzuwarten ob und wie sich die Entwicklung fortsetzen wird, wenn alle Einzelhandelsgeschäfte wieder geöffnet haben“, sagt die KMU Forschung und: „Rd. 10% der Einzelhandelsunternehmen ohne bisherigen Internet-Verkauf haben (auch in Folge der Coronakrise) entweder bereits im März 2020 damit begonnen ihre Waren über einen eigenen Online-Shop oder Online-Marktplätze zu verkaufen oder haben vor, dies in Zukunft zu tun. Deutlich höher ist der Anteil der Einzelhandelsunternehmen, die abseits des Internets zusätzliche Verkaufswege anbieten. Bei etwa der Hälfte war/ist es möglich, Waren telefonisch bzw. per E-Mail vorzubestellen. Großteils werden diese dann zugestellt, oftmals besteht auch die Möglichkeit der Selbstabholung.“

Blick auf die Branchen

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln hat im März 2020 ein zweistelliges nominelles Umsatzwachstum von fast 17% gegenüber März 2019 erzielt. „Dieses hohe Plus ist auf Vorratseinkäufe der Österreicher in Folge der Coronakrise sowie auf ein niedriges Ausgangsniveau zurückzuführen“, sagt die KMU Forschung. Alle anderen Branchen haben das Vorjahresniveau nicht übertreffen können. Am geringsten ist das Minus im Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen (-7,9%) ausgefallen, wobei nicht zuletzt in Folge der Geschäftsöffnungsregelungen unterschiedliche Entwicklungen bei den Drogerien (leichtes Plus) und Fachparfümerien (deutliches Minus) zu beobachten waren. Im sonstigen Einzelhandel sind die Umsätze im März 2020 um weniger als 20% gesunken, weil einzelne Branchen wie Trafiken sowie der Einzelhandel mit medizinischen und orthopädischen Artikeln durchgehend öffnen durften. Im Einzelhandel mit Bau-und Heimwerkbedarf und im Elektroeinzelhandel (inkl. Computer und Foto) machte das Minus weniger als 30% aus. „Diese zählen zu den Branchen mit dem höchsten Anteil von Unternehmen, bei denen eine Bestellung per Telefon bzw. E-Mail mit darauffolgender Zustellung/Abholung möglich war bzw. ist. Im Elektroeinzelhandel war zudem die Nachfrage nach „Home-Office-Zubehör“ außerordentlich stark“, so die KMU Forschung. Die höchsten nominellen Umsatzrückgänge verzeichneten im März 2020 wie gesagt die modischen Branchen. Im Einzelhandel mit Schuhen und Lederwaren sowie im Einzelhandel mit Bekleidung sind die Umsätze um mehr als 60% gesunken. Darauf folgen der Einzelhandel mit Uhren und Schmuck sowie der Sportartikeleinzelhandel, die ein Minus von mehr als 50% aufwiesen.

Ausblick 2020

Die KMU Forschung fasst zusammen: „Nicht nur in Österreich ist es im März 2020 in Folge der Corona-Pandemie bzw. der Maßnahmen zu deren Eindämmung zu einem deutlichen Abschwung gekommen. Durch umfangreiche fiskalische Maßnahmen wird versucht die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Erwerbsbevölkerung und die Unternehmen zu mildern. Das WIFO erwartet für das Gesamtjahr2020 für Österreich – unter den derzeitigen Rahmenbedingungen der stufenweisen Lockerungen – einen Rückgang des BIP um 4,1% (nominell) bzw. um 5,2% (real). Die Verbrauchsausgaben dürften um 2,0% (nominell) bzw. 2,9% (real) sinken. Die Inflation (VPI) wird im Gesamtjahr 2020 mit 0,9% deutlich schwächer als im Vorjahr ausfallen. Auf dem Arbeitsmarkt rechnet das WIFO für 2020 mit einem Rückgang der aktiv unselbstständig Beschäftigten um 1,7% und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 8,7% (von 7,4% im Jahr 2019).“

Die KMU Forschung sprach die Händler auf ihre Erwartungen an. Demnach erwartet mehr als die Hälfte der Einzelhändler (54%) für die nächsten Monate eine Verschlechterung der Geschäftsentwicklung. 30% rechnen mit einer Stabilisierung und immerhin 16% mit einer Verbesserung der Geschäftslage.

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