Sonntag, 9. August 2020
Digitalisierungsschub für Effizienzsteigerung nutzen

FEEI: In der Krise steigt Bedeutung der Industrie

Hintergrund | Dominik Schebach | 01.07.2020 | |  
FEEI-GF Lothar Roitner und Wolfgang Hesoun, Obmann des FEEI, informierten heute darüber, wie die heimische Elektro- und Elekotronikindusitrie bisher durch die Corona-Krisen gekommen ist. FEEI-GF Lothar Roitner und Wolfgang Hesoun, Obmann des FEEI, informierten heute darüber, wie die heimische Elektro- und Elekotronikindusitrie bisher durch die Corona-Krisen gekommen ist. Die Corona-Krise hat die heimische Wirtschaft hart getroffen. Wie weit sich die Pandemie auf die Elektro- und Elektronikindustrie auswirkt, kann man noch nicht vollständig abschätzen. Die Krise hätte allerdings die Bedeutung der Sparte als Treiber der Digitalisierung gezeigt, wie der FEEI in seiner heutigen Jahrespressekonferenz erklärte.

Besonders das Werkzeug der Kurzarbeit hätte sich als sehr wichtiges Mittel erwiesen. Sie wurde zwar von der Elektro- und Elektronikindustrie teilweise nur punktuell ausgenutzt, allerdings konnten damit die Mitarbeiter gehalten werden. Was sich nun hinsichtlich des Wiederhochfahrens der Produktion sowie der Erhaltung der Lieferketten als Vorteil erweise. „Die von der Bundesregierung gesetzten Maßnahmen waren wesentlich, um den Wirtschaftskreislauf zu stärken und die Industrieproduktion als Grundlage der Versorgungssicherheit und des wirtschaftlichen Aufschwungs Österreichs zu erhalten“ betonte deswegen auch Wolfgang Hesoun, Obmann des FEEI, in der heutigen Pressekonferenz.

Mit besonderer Sorge beobachtet Hesoun in diesem Zusammenhang die sinkende Eigenkapitalquote der Betriebe. Da seien nun Gesetzgeber und öffentliche Hand gefordert, um einerseits die Betriebe besser mit Kapital auszustatten und andererseits durch öffentliche Aufträge die Wirtschaft in Schwung zu bringen. „Denn es darf nicht passieren, dass Banken eigentlich gesunden Unternehmen wegen formaler Faktoren die Liquidität kappen. Sonst haben wir im Herbst eine Insolvenzwelle“, so Hesoun. Diese Insolvenzwelle könnte andernfalls weitreichende Auswirkungen auf die Lieferketten der Industrie haben, da das Expertenwissen in den betroffenen Unternehmen nicht sofort zu ersetzen sei.

Digitalisierungschub ausnutzen

Ansonsten plädieren Hesoun und FEEI-GF Lothar Rointer dafür, dass sich Österreich auf seine vorhandenen Stärken konzentriere und Schlüsseltechnologien wie Mikroelektronik oder sichere Kommunikation fördere. Gleichzeitig biete der durch die Krise ausgelöste Digitalisierungsschub auch die Chance einer Effizienzsteigerung für die heimische Wirtschaft, womit Österreich aber auch Europa wieder wettbewerbsfähiger werden. Möglichkeiten zur Stimulierung der Wirtschaft bieten sich zudem nach Ansicht von Hesoun im Bereich des Klimaschutzes – von der Digitalisierung der Stromnetze, der Integration von erneuerbaren Energieträgern in Energiesysteme (Speichertechnologien und Smart Grids), über den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität oder aber intelligente Verkehrssteuersysteme bis hin zum raschen Ausbau der Bahninfrastruktur. Eine wichtige Maßnahmen in diesem Bereich sind etwa auch Gebäudesanierungen. Hier gibt es ein enormes Potential, mit gezielten technischen Sanierungsmaßnahmen wie intelligenter Gebäudesteuerung, den Co2-Ausstoß zu verringern.

Schließlich gelte es auch Innovationskraft am Standort Österreich zu erhalten. Dazu gehört nicht nur die Erhaltung von wichtigen Technologien in Österreich bzw Europa sondern auch ausreichende Investitionen in die heimische Forschung. Nur wenn genügend in Forschung investiert werde, können all die Technologien entwickelt und produziert werden, die für Klimaschutzlösungen, kritische Infrastruktur, Energieversorgung und Steuersysteme notwendig sind, stellte dazu auch Roitner klar: „Wenn wir all diese wichtigen Maßnahmen wie IPCEI oder auch direkte Forschungsförderungs-Instrumente forcieren, sind wir gut gerüstet mit den Technologien der Elektro- und Elektronikindustrie die Herausforderungen der Zukunft mit einem starken Wirtschaftsstandort Österreich und Europa zu bewältigen.“

Zahlen 2019 und 2020

Ebenfalls heute wurden vom FEEI die Zahlen für das vergangene Jahr bekannt gegeben. Nach einem hohen Wachstum 2018 verzeichnete die Industrie im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang bei der Produktion (-1,4%), sowie den Auftragseingängen und –beständen (-3,9%) sowie bei den Umsätzen (-3,9%) Dennoch konnte trotz dieser Abschwächung ein Ergebnis von 18,56 Mrd Euro erzielt werden. Grund für die mäßige Entwicklung war die Abschwächung der Entwicklung im EU-Raum und in der Weltwirtschaft.

Die Entwicklung für 2020 ist aus verständlichen Gründen noch nicht vorherzusehen, wie Hesoun und Roitner betonten. Erste Zahlen von Ende Februar 2020 hätten einerseits einen Rückgang von -4,1% beim Produktionswert gezeigt, andererseits auch weiterhin ein Plus von 0,9% bei den Beschäftigten. Durch Kurzarbeit konnte trotz der Covid-19-Krise die überwiegende Mehrheit des Eigenpersonals gehalten werden. Im 2. Quartal 2020 schlägt sich die Covid-19-Krise allerdings nieder. Die Produktion zeigt hier eine leichte bis starke Abschwächung, auch die Exportnachfrage nach Gütern der Elektro- und Elektronikindustrie ist im 2. Quartal leicht gefallen. Durch Kurzarbeit und Unterbrechungen der Lieferkette ist auch die Kapazitätsauslastung zurückgegangen. Die Entwicklung für 2021 sei zudem noch nicht abzusehen.

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