Donnerstag, 13. August 2020
Warten auf den Schutzschirm

Kreditversicherer ACREDIA kürzt Limits im Handel

Dominik Schebach | 06.07.2020 | |  
ACREDIA Vorstand Ludwig Mertes rechtfertig die Kürzung der Limite mit der ausstehenden Vereinbarung zum Schutzschirm. ACREDIA Vorstand Ludwig Mertes rechtfertig die Kürzung der Limite mit der ausstehenden Vereinbarung zum Schutzschirm. Vergangene Woche hatten die Branchensprecher der WKO einen staatlichen Schutzschirm für die Kreditversicherer angekündigt. Dennoch kürzt derzeit die österreichische ACREDIA dem Handel die Limite. Seitens des Kreditversicherers begründet man dies mit den fehlenden Details für die Schutzschirmlösung.

„Unseres Wissens gibt es noch keinen Abschluss der Verhandlungen der österreichischen Kreditversicherer mit dem Bund zum Thema Schutzschirm. Es wurden grobe Eckpunkte festhalten und wir stehen am Beginn der Detailverhandlungen. ACREDIA ist als Marktführer eng in die Verhandlungen eingebunden. Wir werden selbstverständlich sofort aktiv informieren, sobald es ein Ergebnis gibt“, erklärte dazu Ludwig Mertes, Vorstand des heimischen Marktführers ACREDIA, vergangenen Freitag gegenüber elektro.at. „Die Bonitäten der Unternehmen verschlechtern sich derzeit rasch. Wir müssen unsere Aufgabe als Kreditversicherung wahrnehmen und das in einem Ausmaß wie noch nie zuvor. Wenn die Ausfallswahrscheinlichkeit steigt, müssen wir unsere Kunden schützen und reagieren. Solange es den Schutzschirm nicht gibt, bedeutet das, dass wir Limits reduzieren oder im schlechtesten Fall auch aufheben müssen.“

Wie aus dem Handel und der Industrie zu erfahren war, werden dabei die Limite um bis zu 50% gekürzt. Man kann also nur hoffen, dass der staatliche Schutzschirm bald greift. Unter diesem Modell soll der Bund mit einer staatlichen Rückgarantie 85% der Kredite übernehmen, die Kreditversicherer 15%.

Von „mittel“ auf „hoch“

Dass ACREDIA mit seiner Position nicht alleine steht, zeigt die Einschätzung der Situation, die elektro.at vom Kreditversicherer Coface erhalten hat. „Mittelfristig erwarten wir einen Anstieg der Insolvenzen, der ebenso auch die Retail-Branche betreffen wird. In unserer aktuellen Studie wurde die Risikoeinschätzung für den Sektor Handel vonmittelaufhoch“ heraufgestuft. Grund dafür ist, dass die Haushalte derzeit vorsichtiger mit ihren Ausgaben sind. Dies hängt auch mit der angespannten Lage am Arbeitsmarkt zusammen.“, schrieb uns Carina Reille, Head of Markting & Communications, Coface. „Für die IKT-Branche sieht die Situation allerdings etwas anders aus. Unsere jüngsten Einschätzungen sehen den Technologiesektor in Österreich auf mittlerem Risiko. Dies liegt auch an dem erhöhtem Bedarf an Computern und anderen Endgeräten. Die Konkurrenz ist allerdings hoch und die Margen sind aktuell klein. Zudem hat die Supply-Chain unter der Corona-Krise gelitten. Davon sind nun auch viele Endprodukte betroffen. Die IKT-Branche ist eine der resilientesten in der Corona-Krise.“

 

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