Samstag, 26. September 2020
Zwei Modelle möglich

Erneuerbaren-Ausbau: Energiegemeinschaften ab 2021

Photovoltaik Energiezukunft | Wolfgang Schalko | 31.08.2020 | |  
Bundesministerin Leonore Gewessler und Energie Kompass Geschäftsführer Andreas Schneemann: Bereits 2021 können Haushalte und KMUs selbstständig, energie- und kostensparend grünen Strom über eigene „Kraftwerke“ produzieren und nutzen – und werden damit aktiver Teil der Energiewende. Bundesministerin Leonore Gewessler und Energie Kompass Geschäftsführer Andreas Schneemann: Bereits 2021 können Haushalte und KMUs selbstständig, energie- und kostensparend grünen Strom über eigene „Kraftwerke“ produzieren und nutzen – und werden damit aktiver Teil der Energiewende. (© BMK / Cajetan Perwein) Energiegemeinschaften sind ein zentraler Baustein in der Energiewende. Sie machen die aktuellen Nutzer zu Produzenten – und das sauber und klimafreundlich. Damit wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben, Haushalte werden unabhängiger von Energiepreisen und die Stromrechnungen fallen ebenfalls niedriger aus.

„Die Energiewende ist ein entscheidendes Werkzeug im Kampf gegen die Klimakrise. Wir alle können dabei einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mit Energiegemeinschaften wird genau das möglich. Ab nächstem Jahr können alle Menschen in Österreich Teil davon werden. Durch die Energiegemeinschaften stellen wir die Weichen für eine zu 100 Prozent erneuerbare Stromversorgung bis 2030“, sagt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.

Die rechtliche Basis der Energiegemeinschaften ergibt sich aus dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG). Derzeit wird das EAG von Klimaschutzministerin Gewessler verhandelt und soll in den nächsten Wochen in Begutachtung gehen.

Zwei Modelle von Energiegemeinschaften sind dabei ab 1.1. 2021 möglich:

1. Erneuerbare Energien Gemeinschaften

Diese ermöglichen die gemeinsame Nutzung von regional produzierter erneuerbarer Energie beispielsweise in einer Nachbarschaft oder Siedlung.

Beispiel: In einem Ort schließen sich fünf Haushalte zusammen und finanzieren gemeinsam auf einem geeigneten Dach eine PV-Anlage. Diese Energie können sie nun gemeinsam nutzen. Dadurch sparen sie jeweils Strom- und Netzkosten und schützen das Klima.

„Mir geht es darum, dass wir mit den neuen Energie-Gemeinschaften bis dato nicht realisierbare Energie-Lösungen zur CO2-Reduktion und gegen die Erderwärmung forcieren und es ganz real und einfach umsetzbar, vielen Menschen ermöglichen, an einem wunderbar solidarischen und kooperativen Prozess mitzuwirken. In dem sie die positiven Wirkungen verantwortungsvoller Energiepolitik hautnah miterleben und dabei noch Energiekosten sparen können“, so Andreas Schneemann, Geschäftsführer der Energie Kompass GmbH und Initiator des vom BMK unterstützten „act4.energy“-Innovationslabors zur Schaffung eines digitalen erneuerbaren Energiesystems.

2. BürgerInnenenergiegemeinschaften

Sie ermöglichen die gemeinsame Nutzung von erneuerbaren Energien auf einem überregionalen Level. Dabei tritt ein neuer Marktakteur im Strommarkt auf, wenn sich mehrere NutzerInnen zu einer rechnerischen Gemeinschaft zusammenschließen

Beispiel: Eine Gruppe von Menschen aus unterschiedlichsten Bundesländern investiert gemeinsam und errichtet eine große PV-Anlage an einem Standort in Österreich. Die dort produzierte Energie kann nun von allen TeilnehmerInnen genutzt werden und sie profitieren auch vom Verkauf der nicht verbrauchten Energie.

Wien Energie: Pilotprojekt Viertel Zwei

Wien Energie forscht bereits seit mehreren Jahren am Thema Energiegemeinschaften. Das umfangreichste Innovationsprojekt dazu läuft im Viertel Zwei in der Wiener Krieau. „Im Viertel Zwei haben wir im Rahmen unseres Forschungs- und Innovationsprojekts die ersten Schritte gesetzt, um Energiegemeinschaften aufzubauen. In den nächsten Wochen werden wir weitere Pilotprojekte starten, über die wird den Kreis der Teilnehmenden nochmals vergrößern werden. Wenn das EAG nächstes Jahr in Kraft tritt, stehen wir als Partner für Energiegemeinschaften mit einem marktreifen Angebot bereit“, so Michael Strebl, Geschäftsführer von Wien Energie.

Im Viertel Zwei sind rund 100 Bewohnerinnen und Bewohner Teil der Urban Pioneers Community. Sie testen gemeinsam unterschiedliche Produkte rund um die Themen Energie, Wohnen und Mobilität. Über eine digitale Plattform auf Blockchain-Basis handeln die Pilotkunden etwa vollautomatisiert den Community-Strom der eigenen PV-Anlage, teilen den Sonnenstrom mit den Nachbarn oder speichern ihn im Quartiersspeicher. Während ein Haushalt in einem gewöhnlichen Mehrparteienhaus rund ein Drittel seines Jahresstrombedarfs mit Sonnenstrom aus der hauseigenen Photovoltaik-Anlage decken kann, soll der Anteil in der Energiegemeinschaft mittels Handel in der Community und Speicher auf zwei Drittel gesteigert werden.

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