Sonntag, 20. September 2020
Nächste Mobilfunkgeneration geht in die Fläche

Zweite 5G-Auktion abgeschlossen

Telekom | Dominik Schebach | 11.09.2020 | |  
Mit den heute vergebenen Frequenzen kommt 5G in die Fläche. Mit den heute vergebenen Frequenzen kommt 5G in die Fläche. (© Schebach) Nach vier Wochen und 60 Bietrunden wurde die zweite 5G-Auktion heute um 9 Uhr offiziell abgeschlossen. Im Gegensatz zur ersten Auktion im Vorjahr wurden alle Frequenzblöcke vergeben. Wichtig vor allem für die bisher unterversorgten Regionen: Hinkünftig werden 1.702 von 2.100 schlecht oder gar nicht versorgten Katastralgemeinden bis zum Jahr 2027 flächendeckend mit Mobilfunk-Breitband versorgt werden.

„Wir haben das ambitionierte Ziel einer flächendeckenden Versorgung von bisher mit leistungsfähigem mobilen Breitband unterversorgten Regionen dank unseres innovativen Auktionsdesigns erreicht“, erklärt Klaus Steinmaurer, RTR-Geschäftsführer für den Fachbereich Telekommunikation und Post, das Ergebnis bekannt. „Im Fokus der zweiten 5G-Auktion stand eine flächendeckende Versorgung derjenigen Gebiete, in denen sich die Menschen tagtäglich aufhalten und bewegen. Dazu zählen auch Autobahnen, Straßen und Bahnstrecken.“

700-MHz-Frequenzen sind für die Versorgung von großen Flächen besonders gut geeignet. Daher war in den Auktionsbedingungen der Erwerb dieser Frequenzen unmittelbar an die Mobilfunk-Versorgung von 900 schlecht oder nicht versorgten Katastralgemeinden gekoppelt. Daneben hatte die Telekom-Control-Kommission aber ein zusätzliches Bonus-System kreiert. Damit konnten die Bieter durch die Übernahme von zusätzlichen Ausbau-Verpflichtungen einen Preisabschlag auf die vorher abgegebenen Gebote ersteigern. „Mit diesem Anreizsystem haben wir erreicht, dass weitere 802 Katastralgemeinden in Zukunft mit Mobilfunk-Breitband versorgt werden“, führt Steinmaurer aus und ergänzt: „Wir erwarten damit auch zusätzliche Glasfaser-Investments in diesen bisher schlecht versorgten Gebieten, da Basisstationen eine entsprechend leistungsfähige Anbindung erfordern.“

Ausgewogene Verteilung der Frequenzen

„Wir konnten das gesamte zur Vergabe stehende Frequenzspektrum vergeben. Dieser Umstand unterstreicht, dass das Gesamtpaket mit Mindestpreisen, Versorgungsauflagen und Laufzeiten trotz der teils sehr investitionsintensiven Versorgungsauflagen für die Bieter attraktiv ist. Die Verteilung der Frequenzen ist sehr ausgewogen. Das ist gut für den Wettbewerb“, erläutert Steinmaurer weitere Eckpunkte des Auktionsergebnisses.

Der Netto-Auktionserlös nach Abzug der Preisabschläge für die Versorgung von unterversorgten Katastralgemeinden beläuft sich auf insgesamt 201.876.964 Euro. A1 TA erhält 80 MHz (für 65.597.430 Euro), Drei 90 MHz (für 49.559.294 Euro) und TMA 90 MHz (für 86.720.240 Euro).

Liberaler Sharing-Rahmen und Kooperationsmodelle

Der Ausbau von Netzen und die damit verbundene termintreue Erfüllung der Versorgungsauflagen sind sehr kostenintensiv. „Um diesen Bedingungen Rechnung zu tragen, haben wir die Rahmenbedingungen für den Netzausbau möglichst investitionsfreundlich gestaltet. So erleichtern Laufzeiten von mehr als 24 Jahren die Amortisation. Der Sharing Rahmen ist zudem deutlich liberaler gestaltet als in der Vergangenheit. Erlaubt sind aktives und passives Sharing sowie auch unter bestimmten Bedingungen die gemeinsame Nutzung von Spektrum. Und zur Versorgung von Autobahnen, Schnellstraßen, Bundes- und Landesstraßen sowie von Bahnstrecken fördern wir Kooperationsmodelle zwischen Betreibern dieser Verkehrswege einerseits und Mobilfunkbetreibern andererseits“, führt Steinmaurer aus.

Magenta

Sehr zufrieden gibt man sich mit dem Ergebnis bei Magenta. Der Betreiber hat rund zwei Drittel der 700 MHz-Frequenzen ersteigert und will damit seine Abdeckung in den Regionen massiv ausbauen. „Mit der exzellenten neuen Frequenzausstattung können wir unsere Rolle als führender 5G-Anbieter stärken. Wir können eine optimale Ergänzung zu unseren Gigabit-Netzen in den Ballungsräumen mit einer ausgezeichneten 5G Indoor Qualität genauso sicherstellen wie eine perfekte 5G- Flächenversorgung in ländlichen Regionen“, betont Andreas Bierwirth, CEO von Magenta Telekom. „Mit dem investitionsfreundlichen Auktionsdesign ist Österreich ein großer Schritt vorwärts gelungen, um Vorreiter bei der Digitalisierung in Europa zu bleiben und die Digitalisierungslücke weiter zu schließen. Wir werden den 5G-Ausbau jedenfalls so rasch wie möglich weiter vorantreiben. Die Ausbauverpflichtung für 615 Gemeinden österreichweit übernehmen wir mit Freude, das sehen wir als unsere Verantwortung für die Digitalisierung des ländlichen Raumes in Österreich.“

Konkret verpflichtet sich Magenta mit dem Erwerb der 700 MHz-Frequenzen zum Ausbau von 615 unterversorgten Gemeinden österreichweit. Magenta hat der RTR dazu eine Liste von Gemeinden übermittelt, die von einem raschen Ausbau mit schnellem Internet profitieren könnten. Interessierte Gemeinden können sich in den folgenden Wochen gerne auch ihrerseits an Magenta wenden, da die endgültige Gemeindeauswahl und die Ausbauzeitpunkte erst in den kommenden Monaten abgeschlossen sein werden. Der Ausbau der verschiedenen Verpflichtungen wird im Wesentlichen bis 2023 und 2025 erfolgen.

Drei

Auch Drei zeigt sich mit dem Ergebnis der Auktion sehr zufrieden. Der Betreiber hat ein Drittel aller Frequenzpakete ersteigert. „Wir haben damit eine ausgezeichnete Frequenzausstattung für 5G. So sind wir künftig in der Lage, Stadt und Land bestmöglich zu versorgen und unser Drei Netz bis in die entlegensten Gebiete zu bringen“, betonte Jan Trionow, CEO von Drei, nach Verkündung des Auktionsergebnisses. „Mit der fairen Auktion und den moderaten Preisen haben Regierung und Regulierungsbehörde Verantwortung und Weitblick bewiesen. Die optimale Versorgung des Landes war diesmal offenkundig wichtiger als eine kurzfristige Erlösmaximierung.“

Im Detail ersteigerte Hutchison Drei Austria bei der heute beendeten Auktion neun der 27 vergebenen Frequenzblöcke – darunter Pakete in allen drei vergebenen Frequenzbereichen (700, 1.500 und 2.100 MHz). Die neu ersteigerten Frequenzen sollen ab 2021 zum Einsatz kommen Besonders positiv bewertete Drei zusätzliche Anreize für die Versorgung von ländlichen Gebieten. In der vierten Auktionsphase konnten die Bieter den Kaufpreis reduzieren, indem sie sich freiwillig dazu verpflichteten, selbst sehr entlegene ländliche Regionen mit schnellem High-Speed Internet zu versorgen. Durch die Verpflichtung, mit 43% (738) die meisten der vergebenen Katastralgemeinden mit 5G zu versorgen, erhält Drei auch entsprechend hohe Förderungen seitens der RTR. „Wir sind bereit, einen signifikanten Beitrag für die österreichweite 5G Versorgung zu leisten. Mit den erworbenen Frequenzen verfügen wir jetzt über die Voraussetzung, den Netzausbau in den nächsten Jahren voranzutreiben. Die geplanten Netz-Investitionen werden in einem hohen 3-stelligen Millionen Bereich liegen“, betont Trionow. „Für die tatsächliche rasche 5G Versorgung benötigen wir jedoch jetzt auch den guten Willen und die Mithilfe der Gemeinden und moderate Mieten für Antennenstandorte auf öffentlichen Gebäuden.“, so Trionow.

A1

A1 hat bei Auktion Spektrum um insgesamt 65,6 Mio. EUR ersteigert.Damit halte A1 mit rund 38% den größten Anteil am Gesamtspektrum in Österreich, wie das Unternehmen unterstreicht. Marcus Grausam, CEO A1 Österreich erklärt dann auch zum Ergebnis: „A1 hat eine führende Position im 800 MHz Bereich, der schon jetzt für die ausgezeichnete Mobilfunkversorgung des ländlichen Raums genutzt wird. Damit lag der strategische Fokus von A1 auf der Absicherung der wichtigen 2.100 MHz Frequenzen, unserem Kernband und Herzstück. Dieser Frequenzbereich konnte nun sogar ausgebaut werden. In Anbetracht der langen Laufzeit bis 2044 bietet diese neue Frequenzausstattung eine hervorragende Basis für zukünftige 5G Anwendungen und Kapazitätserweiterungen. Besonders der ländliche Raum wird davon profitieren.“

A1 ersteigerte 30 MHz im neuen 1.500 MHz Band und konnte im wichtigen 2.100 MHz Band seinen Anteil sogar ausbauen. Zudem wurde eine Verpflichtung abgegeben, 349 stark rurale Gemeinden zu versorgen. Damit leistet A1 einen wichtigen, zusätzlichen Beitrag zur weiteren Stärkung des ländlichen Raums.

Die gesamte Verteilung der Frequenzblöcke ist auf der Homepage der RTR hier ersichtlich.

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