Samstag, 31. Oktober 2020
Hot!Covid-19: „Die Auswirkungen auf den Handel sind weit drastischer“

Handelsverband: „Private Haushaltsausgaben brechen ein“

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 07.10.2020 | |  
Handelsverband GF Rainer Will sagt: „Unsere jüngste Prognose zeigt, dass die Auswirkungen auf den Handel weit drastischer ausfallen werden, als zunächst erhofft. Wir gehen für 2020 von einem zusätzlichen Konsumrückgang im Ausmaß von mindestens einer Milliarde Euro aus. Der heimische Handel muss sich im Winter warm anziehen. Handelsverband GF Rainer Will sagt: „Unsere jüngste Prognose zeigt, dass die Auswirkungen auf den Handel weit drastischer ausfallen werden, als zunächst erhofft. Wir gehen für 2020 von einem zusätzlichen Konsumrückgang im Ausmaß von mindestens einer Milliarde Euro aus. Der heimische Handel muss sich im Winter warm anziehen." „Die Corona-Krise lässt die privaten Haushaltsausgaben dieses Jahr um mehr als 16 Mrd. Euro einbrechen“, sagt der Handelsverband. Der Modehandel sei am stärksten betroffen. Der Verband plädiert für kostenfreie Corona-Tests für Beschäftigte bei Verdacht.

Der österreichische Handelsverband und das Marktforschungsinstitut Branchenradar.com gingen in ihrer ersten „Covid-Prognose“ im Mai 2020 noch davon aus,  dass der Handel insgesamt – im „best case“-Szenario, also ohne weitere partielle Lockdowns und ohne bundesweite Maskenpflicht – vergleichsweise glimpflich davonkommen könnte, „denn die covidbedingten Ausgabenrückgänge betreffen primär Investitionsgüter (Immobilien, Autos) und Dienstleistungen (Flugreisen, Hotelzimmer)“, so die beiden Institutionen in ihrer Marktanalyse.

„Der heimische Handel muss sich damit im Winter warm anziehen“

„Unsere jüngste Prognose zeigt allerdings, dass die Auswirkungen auf den Handel weit drastischer ausfallen werden, als zunächst erhofft. Wir gehen für 2020 von einem zusätzlichen Konsumrückgang im Ausmaß von mindestens einer Milliarde Euro aus. Die Corona-Krise lässt die privaten Haushaltsausgaben heuer um mehr als 16 Milliarden Euro einbrechen. Der heimische Handel muss sich damit im Winter warm anziehen“, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Bekleidung, Schuhe und Baubedarf am stärksten betroffen

Mit Abstand am stärksten hat Covid-19 die Bereiche Bekleidung (-13,9%) und Schuhe (-11,4%) getroffen. Auch das Segment Baubedarf (-6,1%) haben heftig zu kämpfen“, bestätigt Studienautor Andreas Kreutzer von Branchenradar.com. Der Mode-, Uhren- und Luxusgüterbereich leiden überdies stark darunter, dass die kaufkräftigen Touristen aus dem Ausland fehlen. „Dies trifft insbesondere Tourismus-Hochburgen wie Tirol, Wien oder Salzburg. Segmente wie Getränke, Heimtextilien oder Sportgeräte haben sich im Vergleich zur Mai-Prognose ebenfalls leicht rückläufig entwickelt“, sagt Kreutzer.

„Jeder fünfte Österreicher verschiebt zurzeit größere Anschaffungen im Handel“

„Corona wirft einen langen Schatten auf das Konsumklima. Das zeigt sich jetzt insbesondere bei kostspieligen Anschaffungen, etwa Autos. Jeder fünfte Österreicher verschiebt zurzeit größere Anschaffungen im Handel oder streicht diese komplett. Noch immer beschränken sich 12% ausschließlich auf den Kauf lebensnotwendiger Güter„, ergänzt Rainer Will.

Vermeintlicher Cooconing-Effekt mittlerweile verpufft

Eine „leichte Verbesserung“ gegenüber der ersten Corona-Prognose von Handelsverband und Branchenradar.com gab es bei den Segmenten Möbel (+1,4% statt -1,9%), Weiße Ware (+1,6% statt -1,9%) und Elektrogeräte (+1,2% statt -2%). Dafür verzeichnen Warengruppen wie Sportausrüstung (-3,9%), Geschirr (-6,4%) und Gartenprodukte (-2,1%) höhere Rückgänge als ursprünglich prognostiziert. „Der vermeintliche Cooconing-Effekt hat sich damit als Einmaleffekt entpuppt und dürfte mittlerweile verpufft sein“, sagen Will und Kreutzer.

Vom eCommerce abgefedert

Die hohen Verluste aus dem stationären Handel konnten mancherorts zumindest teilweise vom eCommerce abgefedert werden, wie Will sagt: „COVID wird heuer den Onlinehandel in allen Warengruppen anschieben. Laut McKinsey haben sich digitale und kontaktlose Zahlungen coronabedingt in drei Monaten so schnell entwickelt wie normal in zehn Jahren. Corona war wie ein digitaler Urknall! Das gilt besonders für das Smartphone-Shopping. Hier haben wir innerhalb eines Jahres einen massiven Zuwachs von mehr als +50% erlebt.“

„Wir erwarten heuer ein Wachstum der privaten Haushaltsausgaben im eCommerce um +13%. Am Ende des Jahres werden wir erstmals einen eCommerce-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz von mehr als 11% erreichen“, sagt der Handelsverband Geschäftsführer.

Viele heimische Händler haben das Potenzial in den letzten Monaten erkannt und in ihren Webshop investiert – „eine gute Entscheidung“, so Will, laut dem überdies erfreulich sei, dass während der Corona-Pandemie ein deutlich gestiegenes Interesse seitens der Konsumenten am regionalen Einkauf eingesetzt hat. „Wir erleben hier tatsächlich ein Umdenken: Faktoren wie Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit rücken stärker in den Vordergrund„, so Andreas Kreutzer. Das sei eine Chance sowohl für die 13.500 heimischen Webshops als auch für den stationären Handel, mit Qualität „Made in Austria“ zu punkten.

Geschmälerte Kaufkraft

Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit haben die Kaufkraft geschmälert. Damit die Lohnsteuersenkung bei den Beschäftigten tatsächlich mehr Kaufkraft bringt, sei es wichtig, dass sich die Sparquote, die zuletzt deutlich angestiegen ist, wieder normalisiert. „Dafür brauchen wir ein Klima der Zuversicht“, sagt Will.

Gewöhnungseffekt bei Masken macht Hoffnung für Weihnachtsgeschäft

Mit dem Abklingen der Hochsommertage wird laut Will und Kreutzer langsam auch ein Gewöhnungseffekt bei den Schutzmasken spürbar. „Das ist zumindest ein Hoffnungsschimmer für den stationären heimischen Handel.“ Nun gelte es, die November-Sondereinkaufstage sowie das Weihnachtsgeschäft bestmöglich vorzubereiten, um doch noch einigermaßen gut durch das Jahr zu kommen.

Kostenfreie, rasche Corona-Tests für Beschäftigte im Verdachtsfall

Vor diesem Hintergrund fordert der Handelsverband kostenfreie COVID-19-Tests mit raschen Ergebnissen binnen max. 48 Stunden auch für Beschäftigte von Handelsbetrieben im Verdachtsfall. Für Mitarbeiter von gewerblichen Gastronomiebetrieben ist dies bereits seit 1. September möglich. „Die Kosten sollten gänzlich vom Staat getragen werden, um die beschäftigungsintensive Handelsbranche zu unterstützen“, sagt Will und: „Das Angebot hat sich in der heimischen Gastronomie aber auch in vielen anderen europäischen Ländern im Handel bewährt, daher sollte es dringend auch auf den österreichischen Handel ausgeweitet werden. Damit schaffen wir noch mehr Sicherheit für den Konsumenten wie auch für die Mitarbeiter, und sichern damit Arbeitsplätze“, ist Rainer Will überzeugt.

 

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.