Samstag, 31. Oktober 2020
Hausgeräte Kommentar E&W 10/2020

Bleibt zu hoffen

Hausgeräte | Stefanie Bruckbauer | 11.10.2020 | Bilder | |  

Stefanie Bruckbauer
Der Elektrohandel ist eine der wenigen Branchen, die auf Grund des „Cocooning“- oder „Stay Home“-Effekts von der Corona-Pandemie profitiert. Ist ja schön, wäre da nicht die Lieferproblematik, die vor allem die großen Hausgeräte betrifft. Die Situation ist schwierig. Und sie soll noch schwieriger werden, wie Brancheninsider prognostizieren. Doch ein Gutes hat die ganze Sache, wie ich finde...

8 Wochen, 10 Wochen, 12 Wochen – zur Zeit wartet man lange auf Hausgeräte, egal ob kleine oder große, die Lieferproblematik ist enorm. Die Händler (zumindest jene, mit denen ich geredet habe) haben Verständnis für die Situation, die es in dem Ausmaß noch nie gegeben hat, wie mir von mehreren Seiten bestätigt wurde. Sie haben Verständnis für die Hersteller, denn die können ja auch nichts machen, wenn Zulieferer in Konkurs gehen, wenn kaum etwas geliefert werden kann, da die Nachproduktion auf Grund der Sicherheitsmaßnahmen, die in den Werken eingehalten werden müssen, einfach stockt, oder wenn Ware am Weg von Weitweitweg zu uns an den Grenzen bzw im Zoll festhängt. Und auch die Konsumenten haben Verständnis, wie mir erzählt wurde. Dies dank der Händler, die ihnen teils mit einer Engelsgeduld die Situation erklären und – wenn der Hut brennt – irgendwie versuchen eine Lösung für das Problem des Kunden zu finden.

Wir stehen erst am Anfang

Die Situation ist schwierig. Und sie soll noch schwieriger werden, sagt ua Harald Schiefer. Er verantwortet den Einkauf bzw Vertrieb bei Red Zac seit Jahrzehnten und hat dementsprechend Ahnung von dem Business. Schiefer hat so ein Gefühl, sagt er, und dieses täusche ihn selten. Dieses Gefühl sagt ihm, dass wir erst am Anfang der Lieferproblematik stehen. Denn bisher schöpften die Händler aus dem Vollen, bedienten sich an Beständen, die noch irgendwo in den Lagern ruhten. Aber wenn  hinten weniger nachkommt als vorne rausgeht, dann ist irgendwann nichts mehr da. Deswegen rät Schiefer den Händlern: „Kauft was das Zeug hält, kauft was Ihr kriegen könnt und lagert es ein. Denn es kommt die Zeit, in der noch weniger Ware geliefert wird, parallel dazu wird die Nachfrage der Konsumenten weiter steigen.“

Nicht nur Schiefer, sondern die ganze Hausgeräteindustrie geht davon aus, dass die Nachfrage in unserer Branche bis weit ins nächste Jahr anhalten wird. Ich hoffe das stimmt, denn Wirtschaftsexperten gehen ja gesamtwirtschaftlich von einem anderen Szenario aus, dass nämlich die Insolvenzen ab dem Frühjahr 2021 explodieren werden und das eine Abwärtsspirale aus Firmenpleiten, noch mehr Arbeitslosigkeit und noch leereren Haushaltskassen nach sich ziehen wird. Und ob sich die Prognose der Hausgerätehersteller, dass die Konsumlaune nämlich anhalten wird, vor diesem Hintergrund bewahrheiten wird? Wir werden sehen!

Eines haben wir schon gesehen: Trotz all der Unsicherheiten, Probleme und Herausforderungen, mit denen wir seit Monaten konfrontiert sind, hat die Situation zumindest ein Gutes bewirkt: Der Industrie wurde vor Augen geführt, wie wichtig der Fachhandel ist. Wie BSH Chef Michael Mehnert (im Interview ab Seite 40 in der in Kürze erscheinenden E&W Oktoberausgabe) sagt, habe der EFH während des Lockdowns für ein ordentliches Geschäft gesorgt. Er habe sich als „Rückgrat“ der Industrie bewiesen und während die Großkonzerne zugesperrt haben, habe der EFH weitergearbeitet, war für die Kunden da. „Eine besondere Leistung, die man nicht hoch genug wertschätzen kann“, so Mehnert, der sich mit diesen Worten auch in einem persönlichen Schreiben an die Händler gewandt hat. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur die Kauflaune der Konsumenten tatsächlich anhält, sondern auch die Wertschätzung der Industrie gegenüber den Fachhändlern, und das Bewusstsein, wie wichtig diese Zusammenarbeit ist.

 

Bilder
Der Industrie wurde vor Augen geführt, wie wichtig der EFH ist. (Bild: Torsten Lohse/ pixelio.de)
Der Industrie wurde vor Augen geführt, wie wichtig der EFH ist. (Bild: Torsten Lohse/ pixelio.de)

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