Samstag, 31. Oktober 2020
Kommentar Multimedia E&W 10/2020

Schöne neue Welt

Stefanie Bruckbauer | 11.10.2020 | Bilder | |  

Stefanie Bruckbauer
Preisverriss? Ein heikles Thema! Und kaum wo anders so ausgeprägt wie im TV-Business, wie ich das sehe. Eine Marke, die es in den letzten Jahren schwer hatte am österreichischen Markt, möchte nun aussteigen aus diesem Spiel. Aber kann das funktionieren?

Ich bin (thematisch bei der E&W) ja sehr viel näher bei den Hausgeräten angesiedelt, als bei der Unterhaltungselektronik. Und ich bin mir nicht sicher, ob das ein Vorteil ist, weil mir das den notwendigen Abstand verschafft, die Möglichkeit, die Sache unvoreingenommen von außen zu betrachten. Oder ob es ein Nachteil ist, weil mir der erforderliche Einblick in die Strukturen fehlt … Wie auch immer, es gibt da etwas, das mich – angeregt durch ein Interview mit der neuen TP Vision-Führung (in der in Kürze erscheinenden E&W Oktober-Ausgabe ab S. 60) – beschäftigt, weil ich es nicht verstehe: Der Preisverriss. Ein sehr heikles Thema, das sich in Ansätzen auch schon bei den Hausgeräten findet, aber bei Weitem nicht so ausgeprägt, wie bei Fernsehern, wie ich das sehe.

Ich frage mich: Dieses Business kann doch niemandem ernsthaft Spaß machen? Und es kann doch nicht im Interesse eines Herstellers sein, dass seine Geräte, in denen so viel Innovation und Entwicklungsarbeit steckt, innerhalb kürzester Zeit verschleudert werden? Marktanteile hin oder her. Ich glaube schon, dass es toll ist Marktführer zu sein, aber lohnt sich der Preis, den man dafür zahlt? Der Druck, der Stress und die Tatsache, dass diese tollen Geräte in den Köpfen der Konsumenten nichts mehr wert sind, weil man ihnen das vorlebt? Das kann ich mir nicht vorstellen!

Wie TP Vision DACH-Chef Murat Yatkin und VL Dietmar Rapp im Interview sagen, entsteht Preisverriss ua dadurch, dass zu viele Geräte am Markt sind, Händler übervorteilt werden von der Industrie und Ware einfach in den Markt gedrückt wird, nur um Marktanteile zu erzielen. TP Vision will mit Philips TV nun einen anderen Weg gehen. Geräte sollen nur mehr gezielt im Markt platziert werden. Mit den Händlern gemeinsam will man Stückzahlen genau planen, damit kein Warenüberschuss und somit kein Preisverriss entstehen kann.

Ich finde den Gedanken ehrenwert, nicht mehr mitmachen zu wollen bei diesem Spiel, das den Fernsehmarkt – so wie es aussieht – immer weiter ruiniert. Ich frage mich auf der anderen Seite: Kann das funktionieren? Kann es klappen, diesen Weg als Marke alleine zu gehen? Kann es gelingen, sich zu behaupten gegenüber Marktbegleitern, die – wie Rapp sagt – „nur die Weltherrschaft im Fokus haben“, die „über alles drübersteigen“ und „denen alles egal ist, selbst die eigene Marge und die der anderen sowieso, Hauptsache unterm Strich steht ein Plus von 50%“. Ist es möglich in so einem Umfeld zu bestehen? Ich fände es schon toll! Denn wäre es nicht schön, wenn den TVs mit ihren innovativen Technologien, endlich wieder die Wertschätzung der Kunden entgegengebracht würde, die ihnen gebührt? Denn gemäß dem Motto „was nichts kostet ist nichts wert“ haben die Konsumenten glaube ich das Gefühl dafür schon lange verloren. Und wäre es nicht schön, wenn die Händler mit dem Verkauf von TVs wieder etwas verdienen? Und nicht nur deswegen Fernseher in ihrem Geschäft stehen haben, weil die Kunden danach verlangen, sondern auch weil es Spaß macht sie zu verkaufen? Und wäre es nicht schön, wenn wieder ein fairer Wettbewerb herrschen würde, zwischen den Marken und den Vertriebskanälen, wenn es faire Bedingungen gäbe, auf einem Markt, der nicht von Brutalität und Preisdruck dominiert ist und von Mitbewerbern, die sich ihre Vorteile erkaufen? Wäre das nicht eine schöne neue Welt?

Bilder
(Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de)
(Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de)

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