Samstag, 31. Oktober 2020
Bundesweit einheitliches Vorgehen notwendig

Handelsverband fordert kostenfreie Covid-Tests für Handelsmitarbeiter

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 12.10.2020 | |  
„Insbesondere für kleine und mittelständische Händler ist die derzeitige Situation völlig unzumutbar“, sagt Handelsverband Geschäftsführer Rainer Will. (Foto: Handelsverband) „Insbesondere für kleine und mittelständische Händler ist die derzeitige Situation völlig unzumutbar“, sagt Handelsverband Geschäftsführer Rainer Will. (Foto: Handelsverband) Der Handelsverband befürchtet einen massiven Einbruch der privaten Konsumausgaben und sieht 50.000 Beschäftigungsverhältnisse im heimischen Einzelhandel als „akut gefährdet“. Vor diesem Hintergrund fordert der Handelsverband kostenfreie, staatlich finanzierte Covid-Tests für Handelsmitarbeiter im Verdachtsfall. Zudem bundesweit einheitliche Herangehensweisen seitens der Gesundheitsbehörden im Umgang mit Corona-Verdachts- bzw. -positiven Fällen.

„Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf den österreichischen Handel. 2020 werden die privaten Konsumausgaben voraussichtlich um mindestens 16 Milliarden Euro einbrechen. 50.000 der insgesamt 335.000 Beschäftigungsverhältnisse im heimischen Einzelhandel sind akut gefährdet“, so der Handelsverband (elektro.at berichtete), laut dem sich die Lage im Kfz- und Großhandel (265.000 Beschäftigte) ähnlich dramatisch präsentiert.

„Fast Lane“ für kostenfreie COVID-19-Tests

Vor diesem Hintergrund fordert der Handelsverband eine „Fast Lane“ für kostenfreie COVID-19-Tests mit raschen Ergebnissen binnen max. 24 Stunden für Beschäftigte von Handelsbetrieben im Verdachtsfall. Für Mitarbeiter von gewerblichen Gastronomiebetrieben sei dies bereits seit 1. September möglich. Die derzeitige Ungleichbehandlung der beiden mitarbeiterintensiven Branchen sei nicht nachvollziehbar.

„Der stationäre Handel muss sich für den Winter warm anziehen, 50.000 Jobs stehen auf dem Spiel. Zur Absicherung dieser Beschäftigungsverhältnisse braucht es jetzt dringend staatliche Unterstützung in Form von Corona-Schnelltests für Verdachtsfälle in der Belegschaft. Die Kosten dafür sollten gänzlich vom Staat getragen werden, um die beschäftigungsintensive Branche zu entlasten“, empfiehlt Handelsverband Geschäftsführer Rainer Will.

In den skandinavischen Ländern Schweden, Dänemark und Finnland seien kostenfreie Covid-Tests für Handelsmitarbeiter längst Usus, ebenso in Kanada. In Österreich wiederum habe sich das Angebot zumindest in der Gastronomie bewährt, daher sollte es jetzt dringend auch auf den Handel ausgeweitet werden. „Damit schaffen wir nicht nur mehr Sicherheit für die Verbraucher und die Beschäftigten, wir sichern auch den Arbeitsplatz Österreich ab“, ist Will überzeugt.

Absonderungsbescheid als Voraussetzung für Verdienstentgangsentschädigung

Neben der Bereitstellung von Covid-Tests fordert der Handelsverband auch „effektive Verbesserungen“ sowie bundesweit einheitliche Herangehensweisen seitens der Gesundheitsbehörden im Umgang mit Corona-Verdachtsfällen bzw. Corona-positiven Fällen. „Zurzeit berichten etwa Händler aus Wien, dass sie oftmals unterschiedliche behördliche Auskünfte zu identischen Fällen erhalten und dass zu restriktiv mit Testungen umgegangen wird. Zudem beträgt die Wartezeit bis zum Erhalt von Testergebnissen oft bis zu sieben Tage“, berichtet Will. Und: „In anderen Bundesländern, etwa Kärnten, gehen die Behörden strikter vor und testen Beschäftigte im Falle eines Kontakts mit Covid-19 positiven Kunden umgehend. Auch wird sofort ein Absonderungsbescheid bis zum Vorliegen des Testergebnisses erlassen. Auch in Niederösterreich wird bei Covid-19 Verdachtsfällen ein vorläufiger Absonderungsbescheid bis zum negativen Testergebnis erlassen, der den Dienstgeber zur Geltendmachung einer Verdienstentgangsentschädigung berechtigt.“

„Derzeitige Situation für kleine und mittelständische Händler völlig unzumutbar“

„Angesichts steigender Corona-Fallzahlen in der Bundeshauptstadt und der bevorstehenden Grippe-Saison müssen die bestehenden Unklarheiten und Unsicherheiten ehestmöglich beseitigt werden, damit wir Klarheit in der Vorgangsweise für die kalte Jahreszeit haben. Insbesondere für kleine und mittelständische Händler ist die derzeitige Situation völlig unzumutbar. Der Erlass eines vorläufigen Absonderungsbescheids bis zum Erhalt des Testergebnisses hat umgehend zu erfolgen, damit kein Dienstgeber für die Kosten der Mitarbeiterfreistellung aufkommen muss“, so Will abschließend.

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