Samstag, 31. Oktober 2020
+14% bei Elektroaltgeräten

Österreich erreicht 2019 EU-Sammelquote für Gerätealtbatterien

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 15.10.2020 | |  
Im Bild vlnr: Bgm. LAbg. Anton Kasser (Präsident der ARGE Ö. Abfallwirtschaftsverbände), Mag. Elisabeth Giehser (Geschäftsführerin der EAK (Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle), DI Christian Holzer (Sektionschef Abfallwirtschaft im Bundesministerium für Klimaschutz). (Foto: EAK/APA-Fotoservice/Schedl) Im Bild vlnr: Bgm. LAbg. Anton Kasser (Präsident der ARGE Ö. Abfallwirtschaftsverbände), Mag. Elisabeth Giehser (Geschäftsführerin der EAK (Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle), DI Christian Holzer (Sektionschef Abfallwirtschaft im Bundesministerium für Klimaschutz). (Foto: EAK/APA-Fotoservice/Schedl) Wie die EAK informiert, hat Österreich 2019 die EU-Sammelquote für Gerätealtbatterien erreicht. Bei der Gesamtsammelmasse von Elektroaltgeräten wurde ein Plus von 14% und bei der Sammlung von Gerätealtbatterien ein Zuwachs von 5% gemessen. Mit Blick auf den Internet- und Versandhandel fordert die EAK mehr Transparenz und Kontrolle.

2019 wurden in Österreich laut Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK) rund 133.000 Tonnen Elektroaltgeräte (EAG) und 2.400 Tonnen Gerätealtbatterien gesammelt. Im Vergleich zu 2018 bedeutet das einen Zuwachs an Sammelmasse von +14% bei EAG und +5% bei Gerätealtbatterien.

Wie die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle Austria GmbH gemeinsam mit Vertretern des Bundesministeriums für Klimaschutz (BMK) sowie der ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände in Wien informieren, konnte Österreich 2019 die von der EU festgelegte Sammelquote für Gerätealtbatterien mit 45% der durchschnittlich in Verkehr gesetzten Masse der letzten drei Jahre einhalten. Die seit 2019 gültige erhöhte Sammelquote von 65% (vormals 45%) für Elektroaltgeräte wurde mit rund 62% nur knapp verfehlt. „Die Mindestsammelquote von 65% bei Elektroaltgeräten stellt für alle EU-Mitgliedsstaaten – nicht nur für Österreich – eine enorme Herausforderung dar“, erklärte DI Christian Holzer, Leiter der Sektion Abfallwirtschaft im BMK. „Denn durch den wachsenden Marktinput bei Elektro- und Elektronikgeräten sowie bei Lithium-Batterien, deren durchschnittliche Nutzungsdauer circa sechs Jahre beträgt, wird es zunehmend schwieriger, die vorgeschriebenen Sammelquoten zu erreichen. Es bedarf daher weiterer Anstrengungen, insbesondere bei der Information der Bevölkerung, um die Quote auch in Zukunft erreichen zu können“, so Holzer weiter.

Österreich im europäischen Vergleich

Im europäischen Vergleich liegt Österreich auch weiterhin sehr gut“, betonte die Geschäftsführerin der EAK, Mag. Elisabeth Giehser. Denn Österreich liege seit Jahren bei der Sammelleistung gemeinsam mit den skandinavischen Ländern im europäischen Spitzenfeld. „Aufgrund der steigenden Mengen an in Verkehr gesetzten Geräten und Akkus lassen sich jedoch die sehr ambitionierten Sammelvorgaben der EU kaum mehr erfüllen. Selbst engagierte Nachbarländer liegen mit einer EAG-Sammelquote von rund 45% (2017/18) weit hinter Österreich“, so Giehser.

Plus bei Sammlung der Elektrogeräte – Handlungsbedarf bei Akku-Sammlung

Im Vergleich zu 2018 gab es 2019 bei den Sammelmassen der Elektroaltgeräte einen Zuwachs von +14%. Bei den Gerätealtbatterien ist nur eine leichte Steigerung von 5% zu verzeichnen. „Dies ist jedoch in Relation zu einem gleichzeitigen Anstieg der in Verkehr gebrachten Masse an Gerätebatterien von 5,7% zu setzen“, so Giehser und: „Trotz der grundsätzlich hohen Sammelmoral der Österreicher landen leider nach wie vor Gerätealtbatterien und Elektroaltgeräte im Restmüll. Das stellt nicht nur eine Ressourcenverschwendung dar, sondern schädigt auch Gesundheit und Umwelt.“ Um eine nachhaltige Bewusstseins- und Verhaltensänderung bei den Konsumenten zu erreichen, intensiviert die EAK gemeinsam mit ihren Partnern weiter die Öffentlichkeitsarbeit unter dem Motto „Batterien raus aus dem Restmüll“.

Herausforderung Versandhandel

Erschwert wird die Situation auch durch die steigenden Umsatzanteile des Versandhandels“, sagte EAK-Aufsichtsratsvorsitzende KR Ing. Wolfgang Krejcik. 15% bis 20% der Elektrogeräte kommen über den Versand aus dem Ausland nach Österreich. „Zwar gilt auch für Versand- und Onlinehändler eine Rücknahme- und Informationspflicht, jedoch finden sich auf den Websites der Online-Verkaufsplattformen keine bzw. nur unzureichende Informationen über die Rückgabemöglichkeiten von ausgedienten Elektrogeräten und Batterien“, so Krejcik.

Neben einer effizienteren Rückgabe- und Informationspraxis im Versand- und Internethandel brauche es aber auch mehr Transparenz und Kontrolle der von den Herstellern und Importeuren gemeldeten Massen an Elektrogeräten und Batterien/Akkus. „Nur so können in Zukunft korrekte Abläufe und faire Marktbedingungen zwischen stationären und Online-Handel sowie die Einhaltung der hohen Sammelquoten gewährleistet werden“, resümiert Krejcik.

Alles andere als ein Kinderspiel

Krejcik strich zudem hervor, dass seit Inkrafttreten der EAG-VO und der Gründung der EAK vor 15 Jahren Österreich Jahr für Jahr die vorgeschriebenen Sammelquoten bei weitem übererfüllt hat. „Dies zu erreichen war alles andere als ein Kinderspiel. „Schließlich gilt es gut funktionierende, sichere und verlässliche Sammelsysteme aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, die bundesweite Abholung großer Sammelmengen zu koordinieren, die Sammel-Infrastruktur für neue Geräte- und Akkutechnologien fit zu machen und all das möglichst kosteneffizient umzusetzen“, erläuterte der EAK-Aufsichtsratsvorsitzende.

Lob für effizientes Sammelsystem in Österreich

Der Präsident der ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände, Bgm. LAbg. Anton Kasser, bezeichnete den österreichischen Weg als „beispielgebend für die gesamte EU“ und führt „die reibungslos funktionierenden Sammelsysteme auf die enge Zusammenarbeit der Kommunen und der Wirtschaft“ zurück. 85% der gesammelten Menge wurden über die kommunalen Altstoffsammelzentren, Recyclinghöfe oder Mistplätze der Verbände, Städte und Gemeinden gesammelt. Die restlichen 15% wurden über den Handel oder direkte Abgabestellen von Herstellern gesammelt. Bei den spezifischen Bundesländersammelmengen der Elektroaltgeräte sowie der Gerätealtbatterien je Einwohner zeigt sich ein eindeutiges West-Ost-Gefälle: Die pro Kopf-Sammelmengen der Elektroaltgeräte schwanken dabei zwischen 17,27 kg (Vorarlberg) und 7,64 kg (Wien), die der Gerätealtbatterien zwischen 0,57 kg und 0,011 kg.

Über das Hauptziel herrscht übrigens Einigkeit: „Die Sammelmengen müssen konsequent weiter gesteigert werden.“ Als Wünsche für die Zukunft wurden präzisiere Einmeldungen der Kommunen ins zentrale EDM Register, kostengünstigere Infrastruktur für die Kommunen, erweiterte Öffnungszeiten für die Sammelstellen und serviceorientierte, niederschwellige Abholangebote, um die Aktivität der illegalen Sammelbrigaden einzuschränken genannt. „Es gibt viel zu tun, um die Sammelbereitschaft in Österreich weiter anzukurbeln “, so das Resümee der Referenten. „Vor allem bei der Gerätebatteriesammlung muss der Wissensstand der Österreicher über die richtige Handhabung von ausgedienten Batterien und Akkus gemeinsam noch stark verbessert werden“, erklärte Giehser.

Weitere Informationen zu Elektroaltgeräten und Gerätealtbatterien finden Interessierte unter: www.elektro-ade.at und auf www.eak-austria.at

 

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