Donnerstag, 30. Juni 2022
Wiener Terroranschlag und zweiter Lockdown hinterlassen Spuren

Handelsverband Ersteinschätzung zu Umsatzeinbrüchen im Wiener Handel

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 05.11.2020 | |  
Wie der Handelsverband in einer Ersteinschätzung berichtet, haben sich die Corona-bedingten Umsatzeinbrüche im Handel in Wien durch den Terroranschlag verstärkt. Umsatzausfälle von bis zu -100% am Tag nach dem Anschlag in Wien und bis zu -80% am Folgetag wurden verzeichnet. Nun wurde die Initiative „Wir sind Wien" gegründet, wodurch auf ein „Comeback“ des Einzelhandels gehofft wird, wie Handelsverband GF Rainer Will sagt.

Der Handelsverband meldet sich mit einer Ersteinschätzung zur Umsatzentwicklung in Wien nach dem Terroranschlag und dem Inkrafttreten des zweiten Lockdowns.

Teilweiser Totalausfall

„Am Tag nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt haben viele Wiener Händler bzw. Filialen – vom KMU bis zum Konzern – Umsatzrückgänge bis zu 100% und damit einen Totalausfall verzeichnet. Dies gilt insbesondere für jene Händler, die von Shoppingcenter Schließungen betroffen waren oder ihre Geschäftsfläche(n) im 1. Bezirk haben. Zahlreiche Shoppingcenter hatten am 3. November kurzfristig und eigenmächtig geschlossen und die Händler damit vor vollendete Tatsachen gestellt. Hierbei stellt sich ua. die Frage der Kostentragung für Mieten, Personalaufwände etc. für diesen Zeitraum, da viele Mitarbeiter vor verschlossenen Türen standen. Die bereits durch die Coronakrise finanziell angeschlagenen Händler hoffen daher auf Verständnis und einvernehmliche Lösungen“ berichtet der Handelsverband.

Ein katastrophales Bild

Wie der Verband weiter erzählt, erreichten in Meldungen aus dem Wiener Textilhandel mit Umsatzrückgängen von -60% bis -100% am Dienstag und -30% bis -80% am Mittwoch – „dies zeichnet ein katastrophales Bild, was Umsätze und Kundenfrequenzen betrifft“, sagt GF Rainer Will. Viele KMU-Händler meldeten für den Mittwoch (4.11.) ebenfalls Verluste zwischen -60% und -70%. Der Wiener Buchhandel hatte am Dienstag ebenfalls mit zahlreichen Geschäftsschließungen und damit Totalausfällen zu kämpfen. Jene Wiener Standorte, die am Tag nach dem Anschlag offen hatten, verzeichneten Umsätze von -50% bis -75% im Vergleich zum Vorjahr. Auch am Mittwoch waren immer noch deutliche Umsatzrückgänge zwischen – 35% und -45% bemerkbar. Auch der Möbelhandel musste diese Woche in Wien massive Umsatzrückgänge von durchschnittlich -30% hinnehmen, wie der Handelsverband sagt.

„Viele Shoppingcenter aber auch diverse Einkaufsstraßen wirken seit dem Anschlag sowie seit dem Inkrafttreten des zweiten Lockdowns zudem wie verlassen, da mit dem Entfall der Gastronomie ein wesentliches, belebendes Element weggefallen ist“, so Rainer Will, dessen Ausblick auf die Umsatzentwicklung daher weiter verhalten ist.

Einzig der Lebensmitteleinzelhandel, der das Mandat der Grundversorgung inne hat, wie der Verband sagt, meldet konstante Umsätze bzw. leichte Steigerungen im mehrwöchigen Vergleich. „Dies ist insbesondere auf die Betretungsverbote in der Gastronomie zurückzuführen, da der Außerhaus-Verzehr zumindest bis Ende November nur eingeschränkt möglich ist. Hier ist festzuhalten, dass die Versorgungssicherheit der Bevölkerung stets gewährleistet war und ist. Wenn in der Krise etwas funktioniert, dann die Nahversorgung durch den Lebensmittelhandel“, betont Will.

WIR SIND WIEN #wienhandelt

Der Handelsverband hat als Reaktion auf den Anschlag in der Bundeshauptstadt die Initiative „Wir sind Wien“ mit dem #wienhandelt gestartet – dies, „um im Kollektiv das Comeback anzutreten und der Bevölkerung ein klares Signal zu senden“, sagt Will und: „Denn mehr denn je braucht es jetzt ein Klima der Zuversicht, Solidarität und des Zusammenhalts. Gemeinsam schaffen wir das Comeback in der Wiener Innenstadt und in ganz Österreich. Jeder Händler kann kostenfrei mitmachen und alle Österreicher können die Initiative gerne unterstützen!“ Die Initiative ist unter www.wienhandelt.at zu finden.

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