Freitag, 4. Dezember 2020
Hintergrundkommentar E&W 11/2020 – Alles hängt an der Motivation

Zähe zweite Halbzeit

Hintergrund | Dominik Schebach | 15.11.2020 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Einmal ok, aber zwei Mal ist einfach nur zäh. Das ist, kurz zusammengefasst die Einstellung bezüglich der Neuauflage des Lockdowns, auf die ich vielerorts treffe. Die meisten meiner Gesprächspartner innerhalb und außerhalb der Branche sehen die Notwendigkeit der Maßnahmen durchaus ein. Es geht halt um die Motivation und da haben viele der Österreicher derzeit einen massiven Durchhänger.

Die Situation erinnert ein wenig an ein Lokalderby, wenn man gegen den Favoriten bis zur Pause zwei Tore Rückstand aufgeholt hat, nur um nach der Pause gleich zwei weitere Tore zu kassieren. Das tut weh. Anstatt dem Rückstand nachzulaufen, will man eigentlich gar nicht mehr weiterspielen, sondern nur noch in die Kabine und das Spiel so schnell wie möglich vergessen.

Aufgeben ist derzeit jedoch keine Alternative. Zumal es nun für die Branche darum geht, das Weihnachtsgeschäft gut über die Zeit zu bringen. Und so schlecht ist die Situation für die Branche nicht. Bisher gehört der Elektrofachhandel zu den Gewinnern der Krise. Als solcher konnte dieser bereits einen guten Teil der Jahres-Ernte einfahren, wie z.B. Expert-GF Alfred Kapfer uns gegenüber richtig angemerkt hat. Aber natürlich will man auch in der Hauptsaison mitmischen und vielleicht noch das eine oder andere Feld besetzen. Da kommt ein Lockdown – in welcher Ausprägung auch immer – gar nicht gelegen. Und ob man in diesem Fall geschäftlich zu den Gewinnern zählt oder nicht, ganz kann man sich der allgemeinen Stimmung nicht entziehen. Und die Stimmung bewegt sich derzeit wie gesagt eher in den Keller. Es ist für Menschen eben zäh, wenn man nicht abschätzen kann, wie lange diese Ausnahmesituation noch andauern wird, wenn man nicht weiß, welche Opfer, welche Einschränkungen noch verlangt werden, und darüber hinaus ein klares Ziel fehlt. Motivationstechnisch ist so eine Mischung schlicht verheerend.

Trotzdem ist das hier nicht der Platz für eine Blut, Schweiß und Tränen-Rede. Diese Rolle will ich lieber anderen überlassen. Vielmehr möchte ich hier nochmals daran erinnern, was mit dieser Krise so richtig herausgearbeitet wurde: Der Fachhandel – und das kann gar nicht oft genug gesagt werden – versorgt seine Kunden mit Produkten, die das Leben angenehmer, leichter und schöner machen. Und das haben die Österreicher derzeit wirklich bitter nötig. Damit zeigt sich gerade in dieser Pandemie, welch positive Rolle der Fachhandel für seine Kunden spielen kann. Nachdem sich der Fachhandel jahrelang gegenüber internationalen Online-Konzernen in der Defensive befunden hat, kann er nun seine Rolle als Problemlöser für die Kunden neu polieren und mit etwas Geschick sogar ausweiten – und das sollte zumindest im Fachhandel für die notwendige Motivation sorgen, um über die kommenden Monate zu kommen. Zugegeben, es bleibt noch immer genügend Arbeit für den Handel über, aber dieses Mal mit einem positiven Ziel. Und das ist ausnahmsweise nicht zäh, sondern absolut lohnend. Ungefähr so, als würde man das Spiel in der letzten Minuten doch noch mal für sich drehen.

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