Freitag, 4. Dezember 2020
Das wird ein ganzer Haufen Arbeit

Die Frage ist nur wann

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 15.11.2020 | Bilder | |  

Stefanie Bruckbauer
Ab März 2021 gilt ein neues Energielabel für viele große Hausgeräte. Mir ist klar, dass eine Überarbeitung des Systems notwendig wurde, denn wieviele Plus und Minus-Prozente hätte man noch hinter so ein A dranhängen sollen. Mir ist aber auch klar (und nicht nur mir), dass da ein ganzer Haufen Arbeit dran hängt.

Am Anfang war das A. Und im Laufe der Jahre kamen die Plus und dann die Minus-Prozente dazu. Der Konsument hat mit der Zeit gelernt: Je mehr Plus und Minus-Prozente, desto besser. Der Handel hat gelernt gut damit zu argumentieren. Und schließlich wussten wir alle damit umzugehen.

Und jetzt? Zurück zum Ursprung! Weg mit den vielen Plus und Minus-Prozenten und zurück zu den Klassen A bis G, die suggerieren, dass man kein effizientes, umweltgerechtes, nachhaltiges Gerät vor sich hat. Dazu kommt: Die Verbraucher müssen nicht nur von A+++ auf A umdenken, die Plus und Minus-Prozente also vergessen, sie sollen am Anfang auch die A- und B-Klasse ausblenden, denn „um Platz für den technischen Fortschritt zu lassen“, sollen zu Beginn die Klassen A und B frei bleiben. Zukünftig sollen die Kunden also erstmal C- oder D-Geräte kaufen, wo ihnen doch bislang A+, A++, A+++ ans Herz gelegt wurden.

Mir ist schon klar, dass Maßnahmen gesetzt werden müssen, denn wieviele „Plus“ und „Minus-Prozente“ hätten noch aneinandergereiht werden sollen, wodurch das Ganze noch unverständlicher geworden wäre. Aber zurück zum alten System, von dem sie uns in den letzten Jahren weg-erzogen haben? Ich frage mich ob ein völlig neues System nicht besser gewesen wäre, weil etwas Lernen hätten wir sowieso müssen, aber ist das Erlernen von etwas Neuem nicht einfacher als das Umlernen von etwas Bekanntem, vor allem wenn das vermeintlich „alte“ System ja doch ganz anders ist? Ich frage mich überhaupt ob es sinnvoll ist, ein nach oben offenes System (weil die Geräte ja voraussichtlich immer energieeffizienter werden) auf einer absteigenden, also sehr endlichen, absehbaren Skala darzustellen. Nicht falsch verstehen, ich habe jetzt auch keine bessere Lösung, aber logisch betrachtet müsste die Skala ja aufsteigen und je höher die Zahl bzw je weiter der Buchstabe im Alphabet, desto besser der Wert.

Eines ist sicher: Das wird ein ganzer Haufen Arbeit. Vor allem die Händler stehen vor einer Herausforderung, denn sie sind es schließlich, die den Konsumenten erklären müssen warum ein C-Klasse-Gerät nun doch so gut ist wie eines mit A+++. Und dass man sich in der Übergangszeit nicht davon beeinflussen lassen soll, wenn von zwei nebeneinander stehenden Geräten mit den selben Verbrauchswerten, eines mit C und eines mit A+++ gekennzeichnet ist. (Erzählen Sie DAS einmal einem Unterbewusstsein!) Energieagentur und FEEI versprechen auf jeden Fall Unterstützung in Form von Aufklärungskampagnen.

Das Ziel der Etikette lautete seit je her: Verbraucher sollen die sparsamsten Geräte anhand der Einstufung in Energieeffizienzklassen auf einen Blick erkennen und Geräte einfach vergleichen können. „Auf einen Blick erkennen“ und Geräte „einfach vergleichen“ können fällt dann ja die nächsten Monate, wenn nicht Jahre, mal flach. Aber ich denke mir: Auch wenn es lange gedauert hat, wir alle haben es schon einmal gelernt. Und auch das neue Label werden wir irgendwann als gegeben hinnehmen. Wir werden es wieder lernen, verstehen, akzeptieren und so wie aktuell das alte, auch zukünftig das neue Label ganz selbstverständlich in unsere Kaufentscheidung einfließen lassen. Die Frage ist nur wann!

Bilder
Ab März 2021 wird bei vielen großen Hausgeräten aus A+++ C. (Bild: Verbraucherzentrale nrw)
Ab März 2021 wird bei vielen großen Hausgeräten aus A+++ C. (Bild: Verbraucherzentrale nrw)

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