Freitag, 4. Dezember 2020
Telekom-Kommentar E&W 11/2020 – Digitalisierung kommt in den Mainstream

We Gonna Need a Bigger Map

Telekom | Dominik Schebach | 15.11.2020 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Im ÖAMTC-Clubmagazin Auto Touring (Ausgabe Nov/2020) bin ich dieser Tage auf einen meiner Ansicht nach bemerkenswerten Beitrag gestoßen. Unter dem Titel „Für immer?“ berichteten die Kollegen über die neue Mobilität, samt veränderten Lebensgewohnheiten und von einem verstärkten Trend zum Haus im Grünen. Dieser werde nicht von breiteren Straßen für Pendler, sondern durch die derzeitige Corona-Krise, und Home Office sowie bessere Datenverbindungen befeuert. Das ist die Bestätigung worüber wir hier immer wieder diskutiert haben. Wenn selbst die Zeitschrift der Autofahrer über Home Office und den damit verbundenen Änderungen im Mobilitätsverhalten schreibt, dann sind die Möglichkeiten der Digitalisierung im Mainstream angekommen.

Aber das hat auch Auswirkungen auf die Telekom-Branche. Denn der Bedarf nach sicheren Home Office-Anwendungen, TV-Streaming und den dazugehörigen leistungsfähigen Internet-Anschlüssen erfährt jetzt durch den neuen Lockdown einen zusätzlichen Schub. In diesem Zusammenhang hatte ich kurz vor dem Redaktionsschluss dieser Ausgabe ein spannendes Interview mit Bruno Duarte, seit August CCO B2C bei Magenta Telekom (siehe Seite 52). Er ist der festen Überzeugung, dass sich durch die Pandemie der Wettbewerb noch stärker in Richtung Qualität bei Services und Netzwerk verschoben hat. Denn die Kunden werden in Zukunft immer weniger bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Bruno Duarte steht mit seiner Ansicht nicht alleine da. Wenn man sich umsieht, nimmt der Ausbau der Netzwerke rasant an Fahrt auf. Erst vor kurzem sprach ich mit dem Geschäftsführer eines lokalen Glasfaserbetreibers in Oberösterreich, dessen Mannschaft derzeit laufend an der Erschließung neuer Gemeinden arbeitet. Das Netzwerk, welches vor ein paar Jahren noch bequem auf einem Satellitenbild seiner Heimatgemeinde samt Umland Platz gefunden hatte, hat den Rahmen längst gesprengt. Frei nach dem berühmten improvisierten Ausspruch von Roy Schneider im Film „Der weiße Hai“ könnte man sagen: „He gonna need a bigger map“ oder „Er braucht eine größere Karte“.

Wir können aber auch sagen, die Branche braucht eine größere Karte. Denn die Anforderungen der Kunden an ihre Telekommunikationslösungen wachsen und damit auch die Möglichkeiten für den Fachhandel. Doch da tut sich ein Dilemma auf. Der neue Lockdown fällt in den Start der Weihnachtssaison. Die Versuchung, einen kurzfristigen, schnellen Gewinn gegen eine langfristige Wachstumsoption abzutauschen, mag da groß sein – ist aber fehlgeleitet. Es ist klar, Weihnachten kommt, die ersten Angeboten der Netzbetreiber wurden bereits mit Anfang November gelauncht. Darauf kann und will niemand in der Branche verzichten. Genau so wenig kann allerdings die Branche auf die Chance zur Weiterentwicklung verzichten. Die Karte im Telekom-Business wird JETZT neu gezeichnet. Einerseits sind die Betreiber dabei ihre Netzwerke auszubauen, andererseits wachsen derzeit Bedürfnisse und Anforderungen der Endkunden. Wer da nicht auf der Karte ist, bleibt in Zukunft über.

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