Mittwoch, 27. Januar 2021
Rückblick

Lehrzeit

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 13.12.2020 | Bilder | | 1  

Stefanie Bruckbauer
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein guter Zeitpunkt, die letzten Monate Revue passieren zu lassen.

Obwohl ich gefühlt wenig aktiv getan habe in 2020, außer die meiste Zeit gezwungenermaßen zuhause zu verbringen, war es doch ein ereignisreiches Jahr. 2020 war irgendwie wie ein schräger Film, in dem man mitspielt, allerdings nur als Statist, der das Drehbuch nicht kennt. Man steht am Rande des Geschehens und verfolgt gespannt was passiert.

2020 – ein besonderes Jahr. Außergewöhnlich, weil sich unsere Normalität von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt hat. Unberechenbar, weil wir gewohnte Wege durch neue, unbekannte ersetzen mussten. Beängstigend, weil wir gezwungen waren selbstverständlich geglaubte Freiheiten abzugeben. 2020 – ein aufschlussreiches Jahr und ein sehr lehrreiches.

Corona hat mich zB gelehrt, dass ich mein Leben doch nicht zu 100% unter Kontrolle habe, wie ich immer dachte. Wir Menschen neigen ja dazu, zu glauben, dass jedes Detail planbar ist, wenn wir uns nur genug anstrengen. Ist nicht so, wie ich jetzt weiß. Corona hat mich gelehrt, mich nicht gleich aus der Ruhe bringen zu lassen, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Ich habe ein gewisses Grundvertrauen entwickelt, dass ich die Dinge schon irgendwie geregelt bekomme, wenn auch manchmal anders als gedacht. Und selbst wenn mal etwas schiefgeht kann ich damit umgehen, dann suche ich mir halt einen anderen Weg.

Das Jahr zeigte mir was ich wirklich brauche damit es mir gut geht. Erstaunlicherweise ist das viel weniger als gedacht. An dieser Stelle fällt mir ein kluger Mann ein, der über den 1. harten Lockdown sinngemäß sagte, ihm sei rein gar nichts abgegangen. Er hätte alles was er zum gut leben braucht gehabt und das obwohl es hieß „die Wirtschaft steht still“. Er schloß daraus, dass unsere Wirtschaft auf Dingen aufbaut, die keiner braucht. Interessanter Gedanke …

Corona hat mich zudem gelehrt, dass Dinge, die zuvor unmöglich schienen, wenn es sein muss doch in kürzester Zeit realisiert werden können. Und dass ich – wo ich doch dachte schlecht mit Veränderungen umgehen zu können – eigentlich ganz gut damit zurecht komme, wenn sich Situationen verändern.

Ich weiß jetzt, wen ich wirklich um mich herum haben will. Ich habe meine sozialen Kontakte (wie geheißen) tatsächlich stark reduziert. Interessanterweise ging mir nicht jeder einzelne ab. Viel mehr bin ich draufgekommen, welche Menschen mir wirklich wichtig sind, wen ich besonders vermisse – und bei wem der notgedrungene Abstand vielleicht auch ganz gut tut.

Auch wenn ich gerne dazulerne und irgendwie dankbar dafür bin, dass mir Corona so vieles vor Augen geführt hat, muss ich das nicht unbedingt wiederholen. Eine Pandemie im Leben reicht, finde ich 😉 . Ich würde mir aber gerne einiges behalten aus dieser Zeit. Wir alle sollten die positiven Dinge, die jeder einzelne aus dieser Krise zieht, bewahren. Wir sollten die Krise als Möglichkeit nutzen, um uns selbst zu hinterfragen und veraltete Muster zu durchbrechen. Vielleicht kann man das alles ja als Chance begreifen.

Bilder
(Bild: Rainer Sturm/ pixelio.de)
(Bild: Rainer Sturm/ pixelio.de)

Kommentare (1)

  1. Liebe Stefanie,

    ganz herzlichen Dank für die treffende Beschreibung des letzten Jahres.

    Statist ohne Drehbuch
    Freiheiten abgeben
    Grundvertrauen entwickeln
    Dinge die keiner braucht
    Anpassung an Veränderungen
    Kontakte mit und ohne Abstand
    Chancen

    Das ist, ohne Schnörkel, jeweils auf den Punkt gebracht, worauf es ankommt, ankommen sollte. Leider ging vor Corona viel Wesentliches in belanglosem Gedöns unter, nach dem Motto „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart.“

    Bleibt zu hoffen, daß aus der ganzen Misere etwas Neues, Besseres hervor geht, und sei es nur im Umgang der Menschen miteinander.

    Grüß bitte Wolfang und Mario ganz herzlich von mir.
    Bleibt xund, frohe Feiertage und, .. Auf ein Neues!

    LG
    Günther

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