Mittwoch, 27. Januar 2021
Hintergrund-Kommentar E&W 12/2020

So was von daneben!

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 13.12.2020 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Ach, wie groß war doch unsere Euphorie Anfang des Jahres. „Wieder wilde 20er?” stellten wir als Frage auf dem Cover der E&W 1-2/2020 und beglückten Sie mit allerlei Prognosen und möglichen Perspektiven. In der Redaktion sahen wir die Übernahme der E&W am Horizont und hatten einen ganzen Rucksack voller Ideen im Gepäck. Dass da gerade ein paar Chinesen etwas ausbrüteten, weil sie am Kleintiermarkt offenbar ein ranziges Gürteltier oder irgendetwas in der Richtung verschnabuliert hatten, juckte uns nicht. Und auch sonst kaum jemanden…

Zwei Monate später sah die Welt völlig anders aus: Wir hatten Corona. Also zum Glück keiner von uns direkt und persönlich, aber die ganze Welt schien plötzlich verseucht von diesem Virus. Der gerade ausgerufene Lockdown I trübte die Stimmung merklich – insbesondere bei uns im Team, denn für uns Unternehmensneugründer fiel der Firmenbucheintrag ziemlich genau auf den Beginn des Lockdowns. Die Party fiel also ins Wasser, ein leises „Hurra” schien dennoch angebracht, denn immerhin waren wir – meine Kollegen Mario Ernst, Dominik Schebach und ich – jetzt Unternehmer und hochoffiziell die „E&W-Macher”. Damit begann für uns auch die arbeitsreichste Phase des Jahres – die in „normalen” Jahren üblicherweise der Herbst darstellt. Auf der anderen Seite machte sich in der gesamten Elektrobranche (und nicht nur dort) eine regelrechte „Schockstarre” breit. Zumindest, was die Außenwirkung betraf, denn dass hinter den Kulissen auf Hochtouren gearbeitet wurde, offenbarte sich in unserem jornalistischen Alltag. Besonders ausgeprägt war in diesen Tagen die „Streichkultur” – Aufträge wurden storniert, Orders gecancelt und jeder stieg auf die Bremse, so fest er nur konnte. Schließlich wagten sich die meisten zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auszumalen, welche fatalen Konsequenzen die Covid-19-Pandemie haben würde, oder das Ausmaß des Horrorjahres 2020 gar zu beziffern.

Doch siehe da – nur wenige Wochen später sah die Welt erneut völlig anders aus und es waren plötzlich nicht mehr nur die Hersteller und Importeure von Schutzmasken, die Licht am Horizont sahen. Dem Cocooning sei Dank! Es sollte nicht allzu lange dauern, bis sich der Elektrohandel mit der Rolle des „Krisengewinners“ anfreundete und jene, die im Frühjahr noch Schwarz gemalt und Trübsal geblasen hatten, standen nun (sprichwörttlich!!) auf den Barrikaden und brüllten sich die Seele aus dem Leib, wo denn nur die Ware bliebe, die man doch jetzt – JETZT!!! – so herrlich einfach, anstands- und rabattlos verkaufen könnte.Die Industrie als Hemmschuh des Handels – wer hätte sich das vor einem Jahr vorstellen können…Ja, man kämpfte (und kämpft noch) mit veritablen Lieferengpässen. Man sollte an dieser Stelle aber bedenken, dass es nicht die besondere Leistung des Handels oder der Lieferanten war, sondern das Corona-Virus, das der Branche diesen Höhenflug bescherte. Apropos: In unseren Prognosen war zwar wirklich vieles, aber kein Wort von Corona zu lesen. Dafür können die Frage „Wieder wilde 20er?” schon jetzt definitiv mit „Ja” beantworten. Und der Untertitel„Eine Reise mit (noch) ungewissen Zielen” hatte etwas durchaus Prophetisches – also lasset 2021 beginnen!

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