Donnerstag, 21. Januar 2021
Handelsverband-Bilanz zum Einkaufssamstag am 12.12.

Moderate Umsätze, überschaubare Frequenz und Kassenterminal-Ausfall

Die Branche | Stefanie Bruckbauer | 14.12.2020 | |  
Der Handelsverband zieht Bilanz über das dritte Advent Einkaufswochenende. (Bild: Karin Jung/ pixelio.de) Der Handelsverband zieht Bilanz über das dritte Advent Einkaufswochenende. (Bild: Karin Jung/ pixelio.de) Der zweite Advent-Einkaufssamstag verzeichnete „keine überbordende Frequenz“, so der Handelsverband in einer Bilanz. Allerdings habe der Kundenandrang im Laufe des Tages zugelegt. Grundsätzlich sei alles ruhig und sicher abgelaufen im Handel, die Sicherheitskonzepte würden funktionieren. Ein rund zweistündiger Ausfall von Kassenterminals habe allerdings stellenweise zu Umsatzentgang geführt.

Der Einkaufssamstag am 12. Dezember verzeichnete keine überbordende Frequenz, wenngleich der Kundenandrang mit Fortlauf des Tages zugelegt habe, so der Handelsverband. „Die Menschen, die sich auf den Weg zu den Geschäften machten, kauften auch. Diese gezielten Käufe sind Resultat der fehlenden Gastronomie und damit reduzierter Aufenthaltsdauern sowie der Einhaltung der Pandemie-Vorschriften.“

Dort, wo sich vor den Geschäften Schlangen – als Resultat der eingehaltenen Abstands- und Zutrittsregeln in den Geschäftsräumen – bildeten, sei (mit Mindestabständen und Schutzmasken) alles ruhig und sicher abgelaufen. „Das Sicherheitskonzept der Händler hielt“, sagt der Verband, laut dem der Handel an dem Tag doppelt gefordert war, als es nämlich rund zwei Stunden lang zwischen 12:00 und 14:00 Uhr zu einem breitflächigen Ausfall der Payment-Terminals in den Geschäftslokalen der Händler kam. Das Resultat:

Vielfach haben Kunden die Geschäfte verlassen, da sie etwa bei kostspieligen Produkten wie Schmuck nicht ausreichend Barmittel eingesteckt hatten und auch die Kreditkartenzahlung zeitweise nicht funktionierte. Letztere wird von vielen Verbrauchern zurzeit häufig genutzt, da die Geldbeträge erst am Monatsende vom Konto abgebucht werden. Durch den knapp zweistündigen Ausfall der Kassenterminals entstand vielerorts ein hoher Schaden an diesem wichtigen Einkaufstag, der nur schwer wieder aufzuholen ist, sagen die betroffenen Händler. Die Probleme dürften auf eine Störung bei einem Internetprovider zurückzuführen sein. Vorübergehend konnten dadurch Zahlungstransaktionen nicht korrekt abgewickelt worden“, berichtet der Handelsverband.

Bilanz

Grundsätzlich sei die Bilanz des Einkaufssamstages am 12.12. zumindest im Bereich Sportartikel sehr gut ausgefallen. Auch Spielwaren, Homeware-, Dekorations- und Weihnachtsartikel funktionierten sehr gut. Bekleidung und Mode bewegte sich umsatzmäßig leicht unter dem Vorjahresniveau.

Aus der Wiener Innenstadt seien sehr gute Umsatzmeldungen an den Handelsverband herangetragen worden. In den Landeshauptstädten falle die Bilanz allerdings durchwachsen aus. Gastronomie und Hotellerie würden dem Handel weiterhin sehr, fehlen insbesondere in den Wintertourismus-Regionen in Tirol, Vorarlberg und Salzburg. Dennoch gelte: „Der grundsätzlich positive Trend seit Freitag setzt sich fort.“

Leichte Beruhigung der kritischen Situation?

„Wenn die nächsten Tage so weitergehen, dann wird eine leichte Beruhigung der kritischen Situation in der Handelsbranche eintreten. Wir hoffen, der Politik ist bewusst, dass für den Handel die Ausläufer des Weihnachtsgeschäfts bis Ende Jänner andauern. Allein Gutscheine machen ein gutes Drittel der Weihnachtsumsätze aus, sie werden zu 90% erst nach Silvester eingelöst“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Eingetrübtes Konsumklima und historischer Anstieg der Sparquote

Neben der fehlenden Gastronomie und den geschlossenen Hotels sei die Zurückhaltung mancher Verbraucher auch auf eine allgemeine Verunsicherung zurückzuführen. Das eingetrübte Konsumklima habe bereits zu einem massiven Anstieg der Sparquote auf mehr als 15% geführt, wie der Handelsverband berichtet. „Laut Österreichischer Nationalbank (OeNB) haben die Österreicher im Corona-Jahr 2020 rund zwölf Milliarden Euro mehr gespart als noch im Vorjahr, obwohl die Einkommen in Summe um fünf Milliarden Euro gefallen sind.“

„Konsum ist Psychologie“

„Konsum ist Psychologie. Erst wenn wir Verbraucher wieder einen gewissen Optimismus haben, gehen wir gerne shoppen. Daher müssen wir wieder ein Klima der Zuversicht erzeugen. Etwa durch die Ausgabe von Österreich-SchecksGutscheine im Wert von 500 Euro, die im österreichischen Handel eingelöst werden können. Wir freuen uns über jeden Kunden, der seine Weihnachtsgeschenke in den heimischen Geschäften einkauft. Man kauft damit nicht nur etwas für die Liebsten, man ist auch Arbeitsplatzsicherer“, so Rainer Will.

Mietzinsreduktion: Jeder zweite Händler ohne Erfolg

Wie der Verband berichtet, haben mehr als 90% aller Handelsbetriebe in den letzten Wochen/Monaten – angesichts deutlich reduzierter Umsätze und Kundenfrequenzen –Gespräche mit ihren Vermietern über eine Anpassung des Miet- bzw. Pachtzinses geführt. „Das ernüchternde Fazit der Verhandlungen: Weniger als die Hälfte der Händler konnten tatsächlich eine Reduktion ihres Mietzinses erreichen, 9% einen kompletten Erlass der Miete zumindest für den Zeitraum des harten Lockdowns. 51% wurden hingegen in den Gesprächen auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet oder abgelehnt.“

Corona-Hilfen

In puncto Corona-Hilfen hätten mittlerweile rund 40% der Betriebe den beantragten Lockdown-Umsatzersatz erhalten, wie der Handelsverband berichtet. „Österreich zahlt damit deutlich schneller aus als die meisten anderen EU-Staaten. Eine wichtige Liquiditätsspritze für die Unternehmen, wenngleich der mit max. 800.000 Euro gedeckelte Umsatzersatz bei vielen mittelständischen und größeren Händlern nur einen Bruchteil der Verluste ausgleichen kann.“

Gerade vor diesem Hintergrund hoffe der Handelsverband noch immer, dass die EU zumindest eine Anhebung des für Mitte Dezember in Österreich angekündigten Verlustausgleichs von 3 Millionen auf 5 Millionen Euro zulässt. Auch ein beschleunigtes Verfahren bei den COFAG-Garantien wäre sinnvoll.

Existenzbedrohende Ausmaße

Existenzbedrohende Ausmaße habe die Corona-Krise und insbesondere der „Lockdown light“ bis 7. Jänner auch für den B2B-Großhandel angenommen, wie der Verband feststellt. „Für viele Lebensmittel- und Elektrogroßhändler sowie andere Zulieferer von Gastronomie und Hotellerie ist der de facto Wegfall des gesamten Weihnachtsgeschäfts eine wirtschaftliche Katastrophe.“ Der Handelsverband appelliert daher an die Bundesregierung, das angekündigte Umsatzersatz-Modell für indirekt vom Lockdown betroffene Unternehmen rasch auf den Boden zu bringen. „Immerhin stehen mehr als 190.000 Jobs im österreichischen Großhandel auf dem Spiel“, sagt Rainer Will.

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