Donnerstag, 21. Januar 2021
Eine Allianz und ihre Forderungen an die Politik

Die Bedrohung des Einzelhandels durch Amazon

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 15.12.2020 | | 6  
Greenpeace, Handelsverband und Gewerkschaft GPA forderten heute in einer Pressekonferenz von der Regierung ein Maßnahmenpaket zu Amazon und Co. Es bedarf einer raschen und strengeren Regulierung von Online-Giganten zugunsten von österreichischen Arbeitnehmern, Einzelhändlern und Umwelt. (Bild: Screenshot) Greenpeace, Handelsverband und Gewerkschaft GPA forderten heute in einer Pressekonferenz von der Regierung ein Maßnahmenpaket zu Amazon und Co. Es bedarf einer raschen und strengeren Regulierung von Online-Giganten zugunsten von österreichischen Arbeitnehmern, Einzelhändlern und Umwelt. (Bild: Screenshot) „Es kann nicht sein, dass internationale Online-Konzerne wie Amazon während der Corona-Krise auf Kosten von Menschen und Umwelt Milliardengewinne einfahren, während österreichische Einzelhändler und Arbeitnehmer auf der Strecke bleiben“, so der Handelsverband, Greenpeace und die Gewerkschaft GPA, die eine Allianz bildeten und heute ihre Forderungen an die Bundesregierung präsentierten.

Greenpeace, Handelsverband und Gewerkschaft GPA fordern die Bundesregierung dazu auf, Online-Giganten wie Amazon stärker zu besteuern und sicherzustellen, dass die Arbeitnehmer-Rechte durchgesetzt werden. Zudem sollen Reparaturen durch lokale Betriebe und die Wiederverwendung von Gebrauchsgütern stärker gefördert werden. Die Allianz aus Umweltschutz, Wirtschaft und Gewerkschaft kritisierte, dass internationale Online-Konzerne wie Amazon während der Corona-Krise auf Kosten von Menschen und Umwelt Milliardengewinne einfahren, während österreichische Einzelhändler und Arbeitnehmer auf der Strecke bleiben. Die Regierung müsse dieser dramatischen Entwicklung einen Riegel vorschieben und für mehr Gerechtigkeit sorgen, so Greenpeace, Handelsverband und Gewerkschaft GPA, die weiters fordern, dass sie Regierung gleich zu Beginn des Jahres 2021 ein Maßnahmenpaket vorlegen müsse.

„Amazon treibt Wegwerf-Wahnsinn auf die Spitze“

Alexander Egit, Geschäftsführer von Greenpeace in Zentral- und Osteuropa, sagt: „Jedes Jahr werden in Österreich mindestens 1,3 Millionen zurückgeschickte Pakete vernichtet. Gerade Amazon zerstört und entsorgt systematisch einwandfreie zurückgesendete Neuware und treibt damit den Wegwerf-Wahnsinn auf die Spitze. Die österreichische Regierung darf nicht länger dabei zusehen, wie Amazon und Co. auf Kosten der Umwelt, des Klimas, des heimischen Einzelhandels und der Arbeitnehmer gigantische Gewinne einstreichen. Statt Steuergeschenke an Amazon zu verteilen, muss die Bundesregierung klimafreundliche Arbeitsplätze fördern und kleine und mittelständische Betriebe unterstützen, um so einen sozial-ökologischen Wiederaufbau nach der Corona-Krise zu ermöglichen. Die Online-Riesen müssen und können auf österreichischer Ebene reguliert werden – zum Beispiel mit einer Plattformhaftung, die sicherstellt, dass Amazon für alle seine Verpackungen eine Abgabe bezahlen muss; und indem Reparaturen und die Wiederverwendung von Gebrauchsgütern gefördert werden.”
„Hunderttausende Arbeitsplätze im stationären Handel sind akut gefährdet“

Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, sagt: „Hunderttausende Arbeitsplätze im stationären Handel sind durch unfaire Wettbewerbsbedingungen zugunsten der Online-Konkurrenz akut gefährdet. Zudem berichten die Arbeitnehmer in den Verteilerzentren und im Lieferdienst der Online-Riesen von prekären Arbeitsbedingungen. Es darf nicht sein, dass Arbeitnehmer in Österreich in Leasing-Verträge, oder Scheinselbstständigkeit gedrängt werden. Wir fordern eine konsequente Prüfung der arbeitsrechtlichen Standards bei Online-Konzernen und eine gesetzliche Obergrenze für den Anteil an überlassenen Arbeitskräften im Unternehmen auf maximal 50%.”

„Die Bilanz eines jahrelangen regulatorischen Versagens“

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, bilanziert: „Die immer stärkere Marktkonzentration im Online-Handel ist die Bilanz eines jahrelangen regulatorischen Versagens: Die zehn größten Webshops erwirtschaften gemeinsam fast die Hälfte des gesamten österreichischen Onlineshopping-Umsatzes, Marktführer Amazon kommt auf ein Viertel. Die Coronakrise verschärft das Ungleichgewicht, daher müssen die Steuerschlupflöcher der multinationalen Online-Giganten dringend gestopft werden. Neben den Gewinnsteuern führt der jahrelange kriminelle Mehrwertsteuer-Betrug von Drittstaaten-Händlern dazu, dass uns pro Jahr nicht nur Millionen an Steuereinnahmen entgehen, sondern die österreichischen Konsumenten mit falsch deklarierten Fake-Produkten geflutet werden, deren Verpackungsmüll nicht korrekt vergebührt wird. Dadurch entstehen zwei Geschwindigkeiten. Die heimischen Händler bewegen sich in einem Korsett an Vorgaben, während die Online-Giganten frei wie ein Vogel agieren können. Daher fordern wir bis zur EU-weiten Abschaffung der 22 Euro MwSt-Freigrenze harte Schwerpunktkontrollen auf nationaler Ebene, sowie eine Plattformhaftung für die Verpackungsentpflichtung und die aktive Bekämpfung von Produktpiraterie.”

300 Millionen Euro Steuergutschrift für Amazon

Will erläutert: „Amazon macht in Österreich jährlich über 850 Millionen Euro Umsatz. Doch Steuern zahlt der Konzern weiterhin kaum. Im Jahr 2019 hat Amazon von den EU-Staaten sogar eine Steuergutschrift in Höhe von 300 Millionen Euro erhalten. Aktuelle Studien zeigen auf, dass dem Finanzministerium durch internationale Online-Händler wie Amazon oder Alibaba jährlich rund 560 bis 680 Millionen Euro an Steuereinnahmen entgehen. Durch die Corona-Krise ist der Online-Handel dieses Jahr rasant gewachsen. Der Umsatz von Amazon alleine ist im ersten Halbjahr 2020 global um +40% gestiegen. Gleichzeitig wächst auch der ökologische Fußabdruck des Unternehmens. Jeden Tag werden massenweise Produkte rund um den Planeten transportiert. Insgesamt wurden in Österreich 2019 rund 250 Millionen Pakete versendet – wie viele davon von Amazon stammen ist nicht bekannt. Neben der Verpackung ist auch Amazons Umgang mit den Waren eine Belastung für die Umwelt. Greenpeace hat 2019 aufgedeckt, dass Amazon systematisch Neuware aus Lagern oder Retouren zerstört und entsorgt, statt sie weiterzugeben.“

Gemeinsame Forderungen

Greenpeace, Handelsverband und Gewerkschaft GPA haben Forderungen formuliert:

  • Online-Giganten wie Amazon (Umsatz größer als 750 Mio Euro ohne Betriebsstätte in Österreich) müssen fair besteuert
  • Online-Konzerne müssen in Österreich entlang der gesamten Lieferkette die Arbeitnehmer-Rechte achten. Arbeiter im Lager, Fahrer etc. dürfen nicht in Leasing-Verträge oder Scheinselbstständigkeit gedrängt werden.
  • Um die lokale Kreislaufwirtschaft zu stärken sollen Re-Use-Aktivitäten und Reparaturleistungen von Einzelhändlern/Organisationen stärker gefördert

Wie eingangs erwähnt, lautet eine weitere Forderung der Allianz, dass die Regierung gleich zu Beginn des Jahres 2021 ein Maßnahmenpaket vorlegen müsse.

Kommentare (6)

  1. Es müssten alle Händler aller Branchen zusammen halten, da wird der Regierung schnell etwas einfallen. Ab einem von der WKO festgelegten Stichtag zahlt kein Händler mehr Steuer, egal in welcher Form und hinterlegt diese bei einem Anwalts- Konsortium, welches dann Klagen wegen der Gleichheit einbringt … nur eine Idee!

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  2. Alles richtig was hier geschrieben wird und jeder versteht das auch.
    Aber warum geht das nicht in die Gehirne von denen die über das Entscheiden können?
    Für diesen sinnlosen Beitrag für die Tourismusförderung haben diese Typen schnell etwas erfunden ohne Bedenken, Hauptsache ein paar Typen können dort abschöpfen.
    Für jeden Schas werden Gesetze gezimmert, nur wo es wichtig ist tut sich Null.
    Wir können aber nichts dagegen tun, egal wer gewählt wird, oben angekommen sind alle gleich.

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