Donnerstag, 21. Januar 2021
RTR wirft ein Auge auf den Messenger-Markt

Bedenklich: WhatsApp beinahe „Must-have“ auf jedem Smartphone

Telekom | Dominik Schebach | 17.12.2020 | |  
In den vergangenen Jahren hat die Bedeutung von Instant Messaging-Anwendungen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Nun hat die RTR, Fachbereich Telekommunikation und Post, im Rahmen einer Studie die wettbewerbsrechtlichen Aspekte von Instant Messagern untersucht. Das wenig überraschende Ergebnis: WhatsApp ist inzwischen fast ein Must-have auf jedem Smartphone. Der Dienst ist zwar kostenlos, deswegen ist die marktbeherrschende Stellung von WhatsApp aber trotzdem nicht ganz unproblematisch.
RTR-GF Klaus Steimaurer sieht eine marktbeherrschende Stellung von WhatsApp bei den IM-Diensten: „Ein Handy-Display mit zumindest einem Instant Messenger Dienst ist mittlerweile gang und gäbe. Wer möglichst viele erreichen will, greift aufgrund der Reichweite in der Regel zu WhatsApp.“

„Evident ist: Instant Messenger Dienste haben seit längerem unser Kommunikationsverhalten auf den Kopf gestellt. Wer online ist, nützt Instant Messenger täglich im Schnitt mehr als 10 Minuten. Die Vielfalt der Funktionen – Text- oder Sprachnachrichten, Videokonferenz, Versand einer Grafik oder eines Videos, Empfangs- und Lesebestätigung sowie praktische Gruppenkommunikation ermöglichen eine digitale soziale Interaktion, wo klassische Telekommunikationsdienste, aber auch E-Mails nicht mithalten können. Hinzu kommt, dass die Nutzung von Instant Messenger Diensten quasi nichts kostet“, verweist Klaus Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post, auf die soeben veröffentlichte RTR-Studie und ergänzt: „Ein Handy-Display mit zumindest einem Instant Messenger Dienst ist mittlerweile gang und gäbe. Wer möglichst viele erreichen will, greift aufgrund der Reichweite in der Regel zu WhatsApp. Ein Online-Nutzer verbringt mit WhatsApp im Schnitt zehnmal mehr Zeit als mit dem nächstgrößten Wettbewerber. Gemessen an der Reichweite in Österreich liegt die Konzernschwester Facebook Messenger auf Platz zwei, von geringerer Bedeutung sind bei uns Snapchat, Skype, iMessage und Telegram.“

Parallel Nutzung

Die Dienste ermöglichen das Versenden und Empfangen von Nachrichten in einem geschlossenen Kreis – sind aber im Gegensatz zu Telefonie oder SMS nicht standardisiert. Das ermöglicht zwar eine schneller Weiterentwicklung, der Nachteil ist allerdings, dass die wechselseitige Erreichbarkeit nicht gegeben ist. Dieser Umstand wird von den Endkonsumenten durch die parallele Nutzung mehrerer Kommunikationsdienste bzw Apps ausgeglichen.

Laut Studie der RTR beeinflusst die Produktdifferenzierung – wie z.B. bei Snapchat – zwar die Nachfrage, ist aber zumeist nicht der entscheidende Faktor für den Erfolg bzw. den Misserfolg einer App. Auch die Kostenstrukturen sind – laut RTR-Studie – Anbieterseite ähnlich. Fixe Kosten fallen für die Entwicklung des Dienstes und weiterer Funktionen an, die marginalen Kosten für zusätzliche Nutzer sind aber äußerst gering. Wechselkosten, sofern gegeben, beeinflussen den Wettbewerb ebenfalls nicht negativ. Für die Kunden sind die Dienste scheinbar kostenlos. Die User bezahlen allerdings für die Nutzung der Dienste mit ihren Daten.

Teil eines Ökosystems und Netzwerkeffekte

Denn Instant Messenger sind in der Regel Teil von größeren Ökosystemen und Plattformen und sammeln Daten über ihre Nutzer. Über die Verknüpfung relevanter Daten werden Verbundeffekte realisiert. Schließlich sind für hauptsächlich werbefinanzierte Ökosysteme wie Facebook die Dauer und Häufigkeit der Nutzung und die so entstehende Möglichkeit, Verhalten zu beobachten und Daten zu sammeln, für Werbemärkte und die dort nachgefragte Personalisierung der Werbung von hoher Relevanz. Je mehr Nutzer eine Plattform hat, desto größer ist natürlich der Effekt. Dieser potenziert sich, wenn mehrere Plattformen von einem Konzern betrieben werden, wie es bei WhatsApp und Facebook Messenger der Fall ist.
Andererseits ist durch die parallele Nutzung unterschiedlicher Dienste wie eben Telefonie, SMS sowie mehrerer Messenger und Mail die Erreichbarkeit des Einzelnen (any-to-any) nicht gefährdet.

Allerdings hat sich auch eine unterschiedliche Nutzung der Messenger Dienste herauskristallisiert. Bestimmte demografische Gruppen nutzen demnach gezielt unterschiedliche Dienste, um sich in der Kommunikation voneinander abzugrenzen. Jugendliche nutzen etwa verstärkt Snapchat, den Facebook Messenger (als IM der „älteren Generation“) hingegen deutlich weniger. Auch die Art der Beziehung beeinflusst die Wahl des Kommunikationsdienstes. Während WhatsApp eher für informelle Kommunikation genutzt wird, wird beispielsweise E-Mail eher für formale Kommunikation genutzt.

Dennoch hat sich nach Ansicht der RTR gezeigt, dass WhatsApp beinahe schon ein Must-have am Smartphone ist. Schließlich tendieren viele Gruppe dazu sich auf einen Messenger zu einigen – und das ist alleine wegen der Reichweite und Nutzungsintensität meistens WhatsApp, weswegen die RTR diesem Dienst eine durchaus marktbeherrschende Stellung zuschreibt. Das kann einerseits Probleme in der Zukunft verursachen, wenn diese Marktmacht z.B für die Skalierung von Dienstleistungen wie Zahlungsdienste genutzt wird. Solche Problemstellungen müssten dann von der RTR gemeinsam mit dem Regulator für den jeweiligen Sektor oder der Bundeswettbewerbsbehörde überprüft werden. Andererseits ist in diesem Fall auch die freiwillige Einwilligung zur Sammlung und Verwendung der Nutzerdaten nicht mehr so eindeutig, weswegen die RTR sich hier für eine gezielte datenschutzrechtliche Untersuchung ausspricht.

Studie auf der Website der RTR veröffentlicht

Die Studie „Monitoring: Interpersonelle Kommunikationsdienste mit Fokus auf Instant Messaging“ ist mit Einbindung der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) entstanden und untersucht Kommunikationsdienste und hier insbesondere Instant Messaging Dienste. Die Studie ist auf der Website der RTR abrufbar.

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