Freitag, 5. März 2021
Multimedia-Kommentar E&W 1-2/2021

Alarmsignale

Multimedia | Wolfgang Schalko | 07.02.2021 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Wenn sich aus der Corona-Pandemie eine Erkenntnis gewinnen lässt, dann jene, dass das Unterhaltungselektronik-Business ein höchst paradoxes ist. Denn während in „Normalzeiten” grassierender Preisverfall und -verriss für die gemeinhin große Krise sorgen, hoffen in Zeiten der Krise zahlreiche Händler angesichts plötzlich glänzend laufender Geschäfte auf ein Anhalten ebendieser. Ein Umstand, der auf schwerwiegende Krankheitssymptome des „Patienten” hindeutet und uns daher zu denken geben sollte.

Dass sich die Unterhaltungselektronik im „Krisenjahr 2020” so entwickeln würde wie sie es schlussendlich getan hat, hätten im vorigen Frühjahr wohl selbst die kühnsten Träumer nicht auszusprechen gewagt. Händler und Lieferanten aller Größenordnungen mussten nicht schauen, wo sie die Ware hin-, sondern wo sie diese herbekommen sollten. Eine bemerkenswerte und wahrlich außergewöhnliche Situation, wenn man die letzten Jahre gedanklich Revue passieren lässt. Während sich die Kassen zur Zufriedenheit ihrer Besitzer gerade immer weiter füllen, müsste sich eigentlich dennoch ein wachsendes Gefühl des Unbehagens einstellen: Die guten Ergebnisse beruhen nämlich nicht auf großartigen Eigeninitiativen und folgen daher auch keinem messbaren Ursache-Wirkung-Schema. Vielmehr ist der Erfolg schlichtweg „passiert” – und dem krisenbedingten Ausnahmezustand zu verdanken.

Händler berichten von Kunden, die wie selbstverständlich zu den hochwertigen Geräten und teuren Marken greifen und dafür teils beachtliche Wartezeiten in Kauf nehmen. Selbst im Einstiegsbereich macht das Verkaufen plötzlich wieder Spaß, wenn Produkte zum und mitunter sogar über dem UVP den Besitzer wechseln. Aus Sicht des Händlers hieß der Trumpf in den letzten Monaten Verfügbarkeit. Ökonomisch betrachtet lässt sich das alles leicht mit dem Begriff der Verknappung erklären. Die Corona-bedingte Zurückhaltung des (Groß- wie Einzel-)Handels und die im vorigen Frühjahr vorgenommene Drosselung der Produktionskapazitäten schwappten als branchenweite Welle von Lieferengpässen ab dem Herbst 2020 über den Globus. Den Cocooning-Effekt hatte so mancher Manager und Geschäftsmann zwar schon auf dem Radar, aber das Ausmaß dieser Entwicklung wurde zumeist deutlich unterschätzt.

Um zu wissen, dass sich die Verkaufspreise stabiler und höher halten lassen, wenn der Markt nicht mit Produkten überflutet wird, muss man kein Wirtschaftsprofessor sein. Dass – und wie – es auch anders geht, dürfte so manchem in den letzten Wochen und Monaten (hoffentlich) gedämmert sein. Was mit Hirn und Hausverstand über Jahre nicht hinzubekommen war, hat das Virus also binnen kürzester Zeit recht radikal und irgendwie im Sinne der UE-Branche geregelt. Bitte mich nicht falsch zu verstehen – von mir aus hätte es Corona nicht gebraucht und ich werde diesem Mistding definitiv keine Träne nachweinen. Aber jetzt, wo wir schon mit dieser Situation konfrontiert sind, sollten wir doch wenigstens die eine oder andere Lehre daraus ziehen.

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