Freitag, 5. März 2021
Hintergrundkommentar E&W 1-2/2021

Schau auf dich…

Hintergrund | Dominik Schebach | 07.02.2021 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Einige Erkenntnisse aus der Krise drängen sich geradezu auf. Andere werden zu gern vergessen oder unter den Teppich gekehrt.

Was macht die Krise mit uns? Seit einem Jahr quält uns die Corona-Krise, schleppt sich Österreich im Ausnahme-zustand dahin. Für unsere Story „Die Zerreißprobe“ haben wir mit den Kooperationsspitzen und Händlern aus Wien, Oberösterreich und Kärnten gesprochen, wie sie die Krise erleben und welche Lehren sie für sich aus den vergangenen Monaten ziehen. Eine Erkenntnis ist, dass der EFH – von den Geschäftszahlen her – sich in der Krise bisher recht gut geschlagen hat. Von manchen Gesprächspartnern wird dann allerdings gern ein „Aber“ nachgeschoben. Denn die Sonderkonjunktur kann nicht von Dauer sein. Irgendwann schwingt das Pendel wieder zurück und der in anderen Berei-chen aufgestaute Nachholbedarf der Endkonsumenten wird sich seine Bahn brechen.

Natürlich werden viele der Mittel, die in den vergangenen Monaten in den Handel geflossen sind, nach einem Wiederhochfahren des öffentlichen Lebens in Reisen, Autos, Entertainment oder einfach nur Freizeitaktivitäten fließen. Und es ist ebenfalls klar, dass ein Endkonsument – trotz Fußball EM – sich nicht einen weiteren Fernseher kaufen wird, wenn er während der Corona-Krise sich bereits sein Wunsch-Gerät geleistet hat. Dh aber nicht automatisch, dass dem EFH nun ein großer Kater bevorsteht. Denn der Elektrofachhandel muss nicht den großen Rucksack an Hypotheken wie entgangene Umsätze und verlorene Kundenkontakte aus den vergangenen Monaten mit sich herumschleppen. Er kann nun die Lehren aus der Krise ziehen und diese auch gleich umsetzen, wenn die Wirtschaft wieder aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht.

Eine andere wichtige Erkenntnis ist allerdings auch, dass wir eben nicht alles bis ins letzte Detail planen können. Das gilt für Krisen allerdings genauso wie für Chancen – und die in den vergangenen Monaten erlangte Flexibilität sollte man deswegen nicht wieder einrosten lassen. Dh nicht, auf jede Planung zu verzichten. Vielmehr geht darum, in dieser Zeit des Umbruchs Gefahren aber auch Möglichkeiten frühzeitig zu erkennen, und dann auch für den Stich den richtigen Trumpf in der Hand zu haben. Was die Krise uns allerdings auch gezeigt hat, ist, dass wir uns bei unseren Plänen oft selbst im Weg stehen, weil wir uns eben viele Dinge bisher nicht vorstellen konnten – oder wollten. Home Office ist hier ein gutes Beispiel, aber auch bisher vernachlässigte Formen der Kundenansprache oder des Verkaufs.

Zu guter Letzt hat die Krise allerdings auch gezeigt, wie wichtig es ist, auf sich selbst zu achten. Und hier meine ich nicht das Geschäft, sondern die eigene körperliche und see-lische Gesundheit. Dieser Aspekt wird von vielen Unternehmern nur zu gern unter den Teppich gekehrt. Dabei ist doch die eigene Leistungsfähigkeit ein Teil des Unternehmens-Fundament. Die Corona-Krise hat uns aber allzu deutlich vor Augen geführt, dass ein langfristiger wirtschaftlicher Er-folg ohne körperliche und vor allem seelische Gesundheit kaum möglich ist.

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