Donnerstag, 15. April 2021
Hintergrund-Kommentar E&W 3/2021

Durststrecke

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 07.03.2021 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Mit dem scheidenden Winter sollten eigentlich Frühlingsgefühle aufkommen – top motiviert und voller Begeisterung müsste man speziell jetzt, wo der Lockdown wieder vorüber ist und Licht am Ende des Tunnels sichtbar wird, darangehen die Welt förmlich aus den Angeln zu heben. Wenn man allerdings einen Blick auf den Veranstaltungskalender wirft, will keine rechte Freude aufkommen…

Das erklärt sich allein aus dem Umstand, dass es für große wie kleine Events in den letzten Tagen und Wochen jede Menge Verschiebungen und Absagen hagelte – die neuen Termine fielen fast durchwegs auf 2022. Wird‘s heuer also wieder nix mit den von vielen schon so sehnlich erwarteten Treffen, dem persönlichen Austausch, dem gemütlichen (und maskenfreien!!) Beisammensein? Ich will nicht Schwarzmalen, aber ganz auszuschließen ist es nicht. Das zeigt sich am Beispiel der Elektrofachhandelstage, für deren Durchführung – obwohl sie, aus Corona-Perspektive betrachtet, zu einem vermeintlich günstigen Zeitpunkt stattfinden sollen – die Branchenvertreter noch keine endgültige Entscheidung treffen konnten und wollten. Wie eine Reihe anderer Events, darunter die Smart Automation sowie die Wohnen & Interieur im Mai, bleibt die Branchenmesse jedenfalls im Terminkalender von Veranstalter Reed Exhibitions.

Für die Frühjahrsveranstaltungen scheint der physische Zug hingegen abgefahren. So verlagern die Kooperationen – wie schon im vergangenen Herbst – ihre Aktivitäten ins Netz und einmal mehr bleiben den Händlern und Herstellern somit „nur” virtuelle/digitale Messen, um die Basis für erfolgreiche Geschäfte in den nächsten Monaten zu schaffen. Und auch sonst werden Schulungstouren, Neuheitenpräsentation u.Ä. in nächster Zeit durch die Bank online abgehalten. Was die technischen Voraussetzungen angeht sollte das an und für sich kein Problem darstellen, denn wenn die Corona-Pandemie etwas fest im Berufsalltag verankert hat, dann Videokonferenzen und Web-Meetings. Dass damit physische – ich bezeichne sie ganz bewusst gerne als „echte” – Treffen nicht ersetzbar sind, wurde bereits hinlänglich behandelt, und digitale Zusammenkünfte werden (hoffentlich) nie an die Qualität der echten heranreichen.

Dennoch muss eine Frage erlaubt sein: Haben die Beteiligten wirklich das Beste aus der ganzen Situation gemacht? Ich wage das zu bezweifeln, denn vielfach war – aller gesetzten Digitalisierungsschritte zum Trotz – nicht unbedingt der viel gerühmte Zug zum Tor feststellbar. Es hatte (und hat) mitunter den Anschein, als würden unsichtbare Kräfte im Hintergrund die Entwicklung bremsen. Wo sind der Elan, der Drive und der Spirit geblieben, um in diesen schwierigen Zeiten wirklich neue, mutige Konzepte, etwa für Messen, Schulungen u.Ä., zu etablieren und dafür auch wirklich alle (vor allem technischen) Mittel auszuschöpfen? Ich befürchte, hier erweist sich in vielen Fällen die pure Angst als Bremsklotz: Die Angst davor, dass die Veränderung nachhaltig sein und somit bleiben könnte.

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