Mittwoch, 12. Mai 2021
Einkaufen mit Terminvereinbarung

„Click & Meet“ oft nicht wirtschaftlich

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 10.03.2021 | |  
In Deutschland wird Shoppen nach Terminvereinbarung angeboten. Die Wirtschaftlichkeit von Click & Meet sei aber fraglich. (Grafik: HDE) In Deutschland wird Shoppen nach Terminvereinbarung angeboten. Die Wirtschaftlichkeit von Click & Meet sei aber fraglich. (Grafik: HDE) Nach „Click & Collect“ kommt nun „Click & Meet“ – zumindest in Deutschland. Bei unseren Nachbarn wurde der Lockdown faktisch für zahlreiche Händler bis Ende März verlängert. Das Einkaufen mit Terminvereinbarung (Click & Meet) wurde zugelassen. Der Handelsverband Deutschland, der eine Umfrage unter mehr als 1000 Unternehmen durchführte, meint, das könne die meisten Händler wirtschaftlich aber nicht retten.

Auch der deutsche Handel steckt in einer Krise. Die vom Lockdown betroffenen Einzelhändler verloren in der vergangenen Woche im Vergleich zum Vorjahr drei Viertel ihrer Umsätze. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter mehr als 1100 Unternehmen. Rund 45% der „Lockdown-Händler“ sehen sich demnach für den weiteren Jahresverlauf in Insolvenzgefahr. Das seit kurzem zugelassene Einkaufen mit Terminvereinbarung „Click & Meet“ beurteilen 37% der Befragten als negativ oder sehr negativ. Auch nach Auffassung des HDE sei „Click & Meet“ kein deutlicher Schritt hin zu der lange überfälligen Öffnungsstrategie für den gesamten Einzelhandel. Für die allermeisten Geschäfte seien dabei die Personal- und Betriebskosten höher als die Umsätze (siehe weiter unten).

„Viele Einzelhändler stecken in einer ausweglosen Lage. Mit den Beschlüssen aus der vergangenen Woche wurde der Lockdown faktisch für zahlreiche Händler bis Ende März verlängert. Deshalb muss die Politik jetzt Wort halten und effektive sowie ausreichende Unterstützung leisten“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. In einer aktuellen HDE-Umfrage zur Lage der Unternehmen in der vergangenen Woche gab knapp die Hälfte der Innenstadthändler an, ohne weitere Hilfszahlungen in diesem Jahr Insolvenz anmelden zu müssen. Der HDE fordert mit Blick auf diese dramatische Situation in der Branche die Bundesregierung auf, die Auszahlungsbeträge der Überbrückungshilfe für März zu verdoppeln. „Es geht jetzt um rasche Soforthilfe, ansonsten kippen ganze Innenstädte“, so Genth weiter. Der entsprechende Finanzrahmen sei ohnehin bereits bewilligt, bisher kämen die Gelder schlicht nicht an und das vorgesehene Budget werde nicht ausgeschöpft. „Das Geld muss aus dem Schaufenster und hin zu den notleidenden Einzelhändlern“, so Genth weiter. Die HDE-Umfrage macht denn auch deutlich, dass die aktuellen Hilfsmaßnahmen für knapp 70% der in der vergangenen Woche geschlossenen Händler nicht zur Existenzsicherung ausreichen.

Umfrage zu Click & Meet

Als keine wirklich hilfreiche Perspektive bewerten viele Händler das in vielen Bundesländern und Regionen mögliche Einkaufen nach Terminvereinbarung. Zwar wollen mehr als 90% der Einzelhändler ihren Kunden diese Möglichkeit anbieten, knapp ein Viertel der Befragten aber sieht dabei bei hohem Aufwand und großen Kosten nur geringe Umsatzeffekte. 13% schätzen Click & Meet mit Blick auf Personal- und Gebäudekosten als reines Verlustgeschäft ein.

„Auf Dauer können wir so nicht weitermachen. Die Politik muss weg von der Fixierung auf die Inzidenzen und hin zu einem Ansatz, der sich an Infektionsrisiken orientiert“, so Genth. Im Einzelhandel sei die Ansteckungsgefahr auch laut Robert-Koch-Institut gering. Deshalb gebe es keinen Grund mehr für die vielerorts andauernden Ladenschließungen.

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