Mittwoch, 21. April 2021
Frauen in der Branche Teil III – Manuela Kuterer, Unternehmerin und Landesinnungsmeister-Stellvertreterin

„Ich bin ein Glückskind“

Die Branche | Stefanie Bruckbauer | 12.03.2021 | Downloads | | 2  
In Teil III unserer Serie „Frauen in der Branche“ sprechen wir mit Manuela Kuterer, erfolgreiche Unternehmerin und Landesinnungsmeister-Stellvertreterin in der WK Steiermark. (Foto: Karl Schrotter Photograph) In Teil III unserer Serie „Frauen in der Branche“ sprechen wir mit Manuela Kuterer, erfolgreiche Unternehmerin und Landesinnungsmeister-Stellvertreterin in der WK Steiermark. (Foto: Karl Schrotter Photograph) Für die E&W-Märzausgabe baten wir im Rahmen unserer Serie „Frauen in der Branche“ Manuela Kuterer zum Interview. Die sympathische Steirerin ist zum einen Chefin des 20 Mann (und Frau) starken Elektro-Unternehmens „ElektroJet Kuterer“ und zum anderen Landesinnungsmeister-Stellvertreterin der Elektro-, Gebäude-, Alarm- & Kommunikationstechniker in der WK Steiermark. Im Gespräch erzählt sie über sich und ihr Unternehmen, über Herausforderungen, mit denen man heute als Elektrohändler zu kämpfen hat und über kleine Hürden, die man als Frau in einer männerdominierten Branche überwinden muss. Hier finden Sie die ungekürzte Version des Interviews.

Mithelfen war in Manuela Kuterers Familie nie ein Thema, erzählt die heute 42-Jährige. Egal was es zu tun gab, es wurde ohne Diskussion erledigt. Organisiert habe die Steirerin auch immer schon gerne und somit war nach Abschluss der HTL 1999 eigentlich klar, dass sie sich selbständig macht. Nachdem Kuterers Vater Elektriker war, stand auch die Branche außer Frage, und so eröffnete sie 2002 gemeinsam mit ihrem damaligen Partner ihr Geschäft auf den zwei Standbeinen Installation und Elektrohandel: Die ElektroJet Kuterer GmbH in Anger. 

Die Installation macht bis heute den größeren Teil aus. Der Grund: „Handel ist generell ein schwieriges Thema. Anger ist noch dazu ein recht kleiner Ort, und rundherum gibt es einige große Märkte. Wir starteten mit dem Elektrohandel eigentlich nur, um den Kunden eine Anlaufstelle zu bieten, in erster Linie für die Reparaturen, die bis heute einen großen Teil meiner Firma ausmachen. Zu Beginn hatten wir auch nur 70 m2 Geschäftsfläche. Jetzt sind es zumindest 300 m2, auf denen wir von allem ein bisschen was anbieten“, erzählt die Unternehmerin.

Heute sind bei ElektroJet Kuterer 20 Leute beschäftigt und Manuela Kuterer ist alleinige Geschäftsführerin. Die Firma ist sehr erfolgreich. Das Geheimnis für diesen Erfolg ortet die 42-Jährige im vollen Fokus auf Service: „Wir versuchen einfach mit viel Service, Herz, Liebe und Leidenschaft zu punkten.“

Neben ihrer Firma mit 20 Mitarbeitern hat Kuterer auch noch eine Familie mit zwei Söhnen (14 und 17) und als wäre das nicht genug, ist die Unternehmerin auch noch Landesinnungsmeister-Stellvertreterin der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker der Wirtschaftskammer Steiermark. In diese Position ist Kuterer eher durch Zufall gerutscht. Sie hatte vor Jahren einen Auftrag unfairerweise nicht bekommen, was sie ziemlich ärgerte. Sie beschloss aber nicht zu jammern, sondern sich zu wehren und so führte ihr Weg sie zunächst in den Wirtschaftsverein Anger, dann in den Gemeinderat und schließlich in die WK Steiermark. Rückblickend ist Kuterer sehr froh diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn „nur so kann man etwas bewegen“, ist sie überzeugt.

Das Interview

E&W: Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Manuela Kuterer: Der Tag ist schon gut durchgeplant (lacht). Aber es funktioniert richtig gut. Ich habe ein Spitzenteam in der Firma, das mich zu 100% unterstützt und zeitlich freispielt wann immer es sein muss. Auch Zuhause läuft es toll. Wir leben in einem Mehrgenerationenhaus und meine mittlerweile pensionierten Eltern kümmern sich liebevoll um meine Kinder, wenn ich nicht da bin. Und dann habe ich noch einen ganz starken Mann an meiner Seite, der mich unterstützt wo es ihm möglich ist, sodass ich mein Leben leben kann. Ohne dieses Umfeld, würde es nicht funktionieren. Meine Lieben sehen was ich für eine Freude an meinem Tun habe, und unterstützen, bestärken mich, wo es geht.

Meinen Sie auch das, wenn Sie sagen, Sie sind auf die Sonnenseite des Lebens gefallen?

Ja. Darüber hinaus ist mir immer alles zugefallen. Unvorhersehbare, oft auch schwierige Situationen sind immer gut und zu meinem Vorteil ausgegangen. Ich bin halt ein richtiges Glückskind.

Ist es schwer als Frau an der Spitze eines Elektroinstallations- und Handels-Betriebes?

Als ich mich von meinem ersten Mann trennte, stand ich schlagartig alleine da mit dem Geschäft. Mit ihm fehlte plötzlich die Gallionsfigur im Betrieb. Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon elf Mitarbeiter, nahezu alle männlich, und ich befürchtete, dass sie mit einer Frau als Chefin nicht umgehen können. Doch das Gegenteil war der Fall. Sie alle blieben im Betrieb und stellten sich hinter mich. Das tun sie bis heute. Das ist eine tolle Bestätigung.

Bis heute sind in meinem Betrieb mehr Männer als Frauen. Wobei die Frauenquote ganz langsam steigt. Die Elektroinstallation ist einfach männerdominiert, was meines Erachtens daran liegt, dass sich die wenigsten Frauen die Arbeit auf den Baustellen zutrauen, das nicht mögen. Oft ist es ja auch ein schmutziger Job.

Bilden Sie im Betrieb auch aus?

Ja. Aktuell haben wir vier Lehrlinge, davon ein Mädchen, Alexandra, die zur Elektroninstallationstechnikerin ausgebildet wird. In Zeiten gravierenden Fachkräftemangels ist das vor allem bei uns am Land unerlässlich. Wir kommen nur dann zu Fachkräften wenn wir sie selber ausbilden. Zum Glück ist der Großteil unserer Lehrlinge auch tatsächlich im Betrieb geblieben.

Ein Teil des Teams von Manuela Kuterer. (Foto: ElektroJet)

Haben sich die Lehrlinge im Laufe der Jahre verändert?

Ja. Sie sind sehr viel selbstbewusster geworden. Sie wissen genau welche Rechte sie haben und was sie nicht dürfen. Zudem bilde ich mir ein, dass die Lehrlinge früher viel mehr Vorkenntnisse hatten. Heute müssen wir mit einigen Lehrlingen quasi bei Null anfangen. Wir müssen ihnen erklären, dass man Kunden grüßt, dass man sich beim Betreten eines Haushalts die Schuhe auszieht, dass man den Schmutz, den man verursacht wieder wegräumt, dass man vorrausschauend arbeitet. Ich habe das Gefühl, dass die Kinder von heute Zuhause weniger mithelfen müssen, dass sie von ihren Eltern weniger lernen.

Die jungen Leute scheinen auch wählerischer geworden zu sein. So will zB im Handel derzeit keiner arbeiten. Dabei würden wir aktuell gerne ein bis zwei junge Leute im Elektrohandel ausbilden. Uns fehlen allerdings die Bewerbungen. Und die Bewerbungen, die eingehen, sind – ich muss das leider so sagen – überhaupt nicht gut. 

Warum glauben Sie ist der Handel als Arbeitsplatz für viele junge Leute so unattraktiv?

Das Thema Handel ist insofern schwierig, weil die Work-Life-Balance – auf die die jungen Leute von heute so viel Wert legen – nicht ganz so einfach herzustellen ist. Die Arbeitszeiten sind stellenweise nicht wirklich attraktiv. Junge Leute befürchten glaube ich zudem, dass die Arbeit im Handel eintönig ist. Handel wird fälschlicherweise oft mit Regalbetreuung verbunden.

Was ist in Ihren Augen das Besondere am Elektrohandel bzw an der Elektroinstallation?

Mir gefällt besonders, dass wir es immer mit neuen technischen Innovationen zu tun haben. Es macht unheimlich Spaß diese Dinge an die Kunden weiterzugeben und auch bei ihnen die Begeisterung zu wecken.

Wir sind (und das sagen wir nicht nur, sondern sind es tatsächlich) der smarte Problemlöser für unsere Kunden. Auch das macht riesen Spaß. Und wenn es einmal keine Lösung gibt, dann sagen wir das auch ganz klar. Für mich als Kunden gibt es nichts schlimmeres als Ungewissheit, wenn ich also nicht weiß, ob etwas machbar ist, wie hoch die Kosten sein werden, wie lange es dauert. Wir versuchen diese Dinge immer ganz offen zu kommunizieren, damit der Kunde weiß woran er ist. Ehrlichkeit und Herzlichkeit sind mir in meinem Betrieb enorm wichtig.

Und was ist in Ihren Augen das Besondere an Ihrer Arbeit in der Kammer?

In der Kammer mag ich die Arbeit mit anderen Menschen. Ich mag es neue Leute kennen zu lernen und die Art, wie sie an Dinge herangehen. Ich finde es spannend Symbiosen zu schaffen, neue Dinge zu lernen und diese auch im eigenen Betrieb anzuwenden. Ich möchte auf keinen Fall stehen bleiben. Das wäre das Schlimmste, denn dann gibt es meine Firma vielleicht irgendwann nicht mehr.

Muss man sich als Frau in Ihrer Branche stärker beweisen?

Ja, auf jeden Fall. Es ist oft so lustig, wenn ich einem Kunden in meiner Firma gegenübertrete und dieser meint, er würde gerne den Chef sprechen, also den „Herrn“ Kuterer. Ich kläre diese Leute natürlich auf. Aber ich muss dann schon oft ein bisschen fachsimpeln und mich beweisen, bevor ich als Chefin und kompetente Ansprechperson akzeptiert werde.

Es sind tatsächlich gar nicht so wenige Männer, die unser Geschäft erstmals betreten und davon ausgehen, dass es – in einem Elektroinstallationsbetrieb – einen Chef geben muss, und keine Chefin. Manche können es einfach nicht glauben, dass eine Frau sehr wohl in der Lage sein kann einen FI Schutzschalter zu erklären. Ich hatte mal einen Kunden, der wollte sich von mir nicht einmal die Batterien seiner Taschenlampe wechseln lassen. Ich erklärte ihm dann, dass ich die HTL absolviert habe und den Ingenieurstitel trage. Mittlerweile ist er ein ganz lieber und guter Kunde.

Aber auch in der Wirtschaftskammer wird man noch oft aufs „Frausein“ reduziert, überhaupt in meiner Branche bei den Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechnikern. Und gerade am Anfang muss man sich als Frau erst Mal beweisen. In diesem Punkt haben Männer nach wie vor einen großen Vorteil.

Ist das nicht anstrengend sich immer wieder beweisen zu müssen?

Ich bin daran gewöhnt (lacht) bzw. empfinde ich es nicht mehr als schlimm.

Haben es Frauen in Führungspositionen Ihrer Meinung nach grundsätzlich einfach oder schwerer als Männer?

Der Weg in eine Führungsposition kann als Frau sicherlich anstrengender sein. Eben weil man sich anfangs immer wieder beweisen muss. Dazu kommt der Glaube, dass Frauen eine Familie gründen wollen und das einer Karriere im Weg steht. Muss es aber nicht, wenn das Umfeld stimmt. Und das muss noch in die Köpfe der Menschen: Eine Frau kann sehr wohl Familie und Karriere unter einen Hut bringen, wenn sie von ihrem Umfeld unterstützt wird.

Haben Sie Tipps für jungen Frauen, die gerade in der Berufsfindungsphase sind?

Sie müssen beharrlich sein. Und sie müssen an sich glauben, ganz fest. Junge Frauen sollten offen sein für alles. Sie sollten ein Ziel vor Augen haben. Und wenn sich eine Abzweigung auftut, dann sollten sie sich trauen, diese zu nehmen. Junge Frauen sollten sich alles zutrauen und sie sollten Spaß an ihrem Tun haben. Es ist ganz wichtig etwas zu finden, was man mit Leidenschaft ausüben kann. Es gibt so viele Frauen, die in ihrem Job unglücklich sind, aber nicht den Mut haben etwas zu ändern. Das ist so schade, da wir ja die meiste Zeit in unserem Beruf verbringen. Ich habe das große Glück, dass mir meine Arbeit nach wie vor großen Spaß macht. Aus dem Grund schaffe ich glaube ich auch so viel.

Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil?

Ich glaube ich bin eine gute Zuhörerin. Ich versuche auf die Bedürfnisse meiner Mitarbeiter einzugehen, sofern die Möglichkeit besteht. Ich versuche zudem immer mehrere Meinungen einzuholen, weil man sonst betriebsblind werden kann. Ich bin nicht der klassische „Anschaffer“, bei uns wird sehr viel im Team gemacht. Damit bin ich bisher sehr gut gefahren.

Haben Sie auch eine harte Seite?

Auf alle Fälle (lacht). Die kommt zum Vorschein, wenn mich jemand ausnützt. Ich versuche wirklich alles für meine Gegenüber zu tun. Solange bis ich merke, dass mich jemand auf gut Deutsch bescheißt. Dann ist Schluss. Dann braucht derjenige gar nicht mehr mit mir reden. Wenn ich einmal ungemütlich werde, dann richtig.

Gibt es Ihrer Meinung nach Unterschiede in der Art und Weise wie Frauen und Männer in Führungspositionen agieren?

Ja, es gibt meiner Meinung nach schon noch Unterschiede. Das liegt vor allem an der Erziehung, glaube ich. Frauen werden eher zum Stillsein erzogen, Männer dürfen und sollen immer gleich alles sagen. Deswegen glaube ich, dass Frauen in der Führung von Mitarbeitern die besseren Zuhörer sind.

Männer sind viel selbstbewusster, oft kühler, machen sich weniger Gedanken. Frauen machen sich hingegen ganz viele Gedanken über alles. Frauen glauben auch ganz oft nicht an sich, trauen sich wenig zu. Frauen muss man immer motivieren. Dabei sind viele Frauen wirklich gut in dem was sie tun. Ich denke es wird noch einige Generationen dauern bis sich da etwas ändert.

Ist das bei Ihnen persönlich auch so?

Es wird besser (lacht). Ich werde von meinem Umfeld immer wieder in meinem Tun bekräftigt. Vor allem mein Partner pusht mich permanent. Er sagt mir immer, dass ich gut bin, dass ich die Dinge kann. Als ich merkte, dass ich wirklich Erfolg habe mit dem was ich mache, glaubte ich zunehmend daran. So nahm mein Selbstbewusstsein zu. Dennoch gibt es immer wieder Momente, in denen ich daran zweifle, ob ich das alles wirklich schaffe. Zum Glück werden diese Situationen immer seltener.

Sind Frauen die besseren Chefs?

Manuela Kuterer mit ihrem älteren Sohn. (Foto: ElektroJet)

Ich würde eher sagen, Frauen führen anders. Sie führen zB verständnisvoller. Wobei ich jetzt nicht sagen könnte, ob das der bessere Weg ist. Es hängt viel von den Mitarbeitern ab, und womit diese besser umgehen können. Ich würde nicht sagen, dass Frauen die besseren Chefs sind, sondern, dass wir eine andere Zielgruppe ansprechen als Männer.

Ein Blick auf den Elektrofachhandel

Mit welchen Herausforderungen muss ein Elektrohändler heute kämpfen?

Ganz klar mit dem Internethandel. Zum Glück gehören wir zu Expert, denn die Kooperation unterstützt uns in vielerlei Hinsicht – ob Webseite bzw. -shop oder Werbung. All das als kleiner Händler alleine zu bewerkstelligen, also eine Homepage zu erstellen, diese zu betreiben und warten, digitale Tools einzuführen, Werbung zu machen etc., ist nahezu unmöglich. Corona hat die Thematik noch dringlicher gemacht. Denn nun haben auch die letzten Kunden gelernt mit dem Internet zu leben und im Netz zu kaufen. Sie haben die Vorzüge kennengelernt, zB, dass man die Produkte einfach zurückschicken kann, und dass Amazon alles innerhalb kürzester Zeit einfach austauscht. Für uns kleine Händler ist das allerdings nicht so einfach und ich würde mir hier mehr Unterstützung von der Industrie wünschen.

Sonst noch Wünsche an die Industrie?

Ja, eine bessere Preispolitik. Ich kann die Preise im Internet oft nicht glauben. Das Blöde ist: Die Kunden sehen ein Gerät im Internet um 200 Euro günstiger als ich es in meinem Geschäft anbiete und glauben automatisch, dass ich mir diese Differenz einstecke. Dass wir das Gerät aber nicht einmal um den Internetverkaufspreis einkaufen können, ist einem Menschen, der nicht in der Materie ist, schwer zu erklären. Bevor wir Geräte anpreisen schauen wir mittlerweile selbst erstmal bei Amazon oder Geizhals was sie dort kosten. Dann überlegen wir welcher Preis vertretbar ist, ohne dass wir uns vor den Kunden lächerlich machen.

Wenn man als Händler in so einer Situation keinen persönlichen Ansprechpartner auf Seiten der Industrie hat, dann wird man völlig alleine gelassen. Dann herrscht seitens der Hersteller keinerlei Hilfsbereitschaft.

Das Thema Ansprechpartner seitens der Industrie ist generell ein Problem. Für mich ist wichtig, dass es einen Außendienstvertreter gibt, zu dem ich einen guten Kontakt habe. Der muss nicht jede Woche bei mir im Geschäft stehen und ich quäle ihn auch nicht mit jeder Kleinigkeit, aber wenn es einmal ein Problem gibt, dann sollte er für mich erreichbar sein. Leider funktioniert das immer seltener. Zur Zeit ist es überhaupt schlimm. Es dauert Wochen bis ich Ersatzteile für Reparaturen bekomme. Dasselbe gilt für Preis- bzw Verfügbarkeitsauskünfte. Auch hier muss ich sagen: Zum Glück gehören wir zu Expert.

Wie schafft man es in Zeiten wie diesen als Elektrohändler erfolgreich zu sein?

Mundpropaganda ist bei uns am Land zwar noch immer der stärkste Kanal. Dennoch muss sich ein Händler heutzutage auch ganz stark mit digitalen Medien auseinandersetzen und diese nutzen. Eine Homepage, ein Facebook-Auftritt, ein Instagramm-Account, all diese Dinge sind heute unerlässlich – dazu zählt auch ein Webshop. Denn der Kunde will sich im Internet nicht nur informieren, er will auch gleich einkaufen. Wir sehen es bei uns. Wir sind an den Expert-Webshop angebunden. Früher hatten wir fast keine Onlinebestellungen, mittlerweile sind es sehr viele. Die Kunden versuchen zwar regional einzukaufen, tun dies aber online. Ich glaube, dass in diesem Bereich noch große Herausforderungen auf uns kleine Händler zukommen. Der finanzielle Aufwand für einen Webshop ist enorm. Und dieser muss richtig gut funktionieren, sonst ist der Schaden größer als der Gewinn.

Und wie differenziert man sich als Händler dann noch?

Nicht über das Produkt, denn Produkte verkaufen wir alle dieselben. Also bleibt nur Persönlichkeit und Service, wobei wir unseren Kunden klarmachen müssen, dass das etwas kostet. Auch diesbezüglich liegt noch eine Menge Arbeit vor uns. Es ist (vor allem am Land) derart in den Köpfen der Kunden verankert, dass wir Händler so viel an den Geräten verdienen, sodass das Service quasi inkludiert sein muss. Dahingehen müssen wir die Kunden aufklären. Wichtig ist, dass sie von Anfang an wissen woran sie sind, und dass sie sich nicht betrogen fühlen. Bei uns haben Kunden die Möglichkeit eine Pauschale zu zahlen oder nach Zeitabrechnung. Und natürlich lassen wir jedem offen, die Geräte selbst abzuholen und aufzubauen. Wenn er dann doch Hilfe braucht, bieten wir diese natürlich gerne an. Und wenn es nur am Fahrzeug happert, ja mei, dann borgen wir ihm den Wagen halt schnell. Sollte allerdings ein Mechaniker kommen müssen, dann verrechnen wir das.

Digitalisierung: Fluch oder Segen?

Es ist in erster Linie eine riesen Chance, denn ich habe die Möglichkeit eine breite Masse anzusprechen. Man muss die Digitalisierung akzeptieren, denn sie wird nicht mehr verschwinden. Das Internet sperrt nicht wieder zu, also sollte man es doch nutzen.

Für viele Elektrohändler ist das Internet glaube ich eher ein Fluch und ich persönlich tue mir mit diesen Leuten schwer. Es hat doch keinen Sinn Dinge zu ignorieren, die vor einem stehen. Man sollte sie viel eher akzeptieren und das Beste für sich rausholen.

Das Messedilemma

Wie informieren Sie sich über Neuheiten? Gehen Sie auf Messen?

Ich liebe Messen! (lacht) Dort kann ich Neuheiten ansehen, Leute treffen und mich austauschen. Leider findet aktuell coronabedingt alles online statt.

Nutzen Sie die Onlineangebote der Industrie?

Ja, sehr stark. Abwechselnd besucht einer von uns diese Online-Events und informiert dann alle anderen. So bleiben wir eigentlich immer ganz gut auf dem Laufenden. Das Onlineschulungsangebot der Industrie hat sich mit Corona massiv verbessert. Toll finde ich die zeitliche Unabhängigkeit, dass man die Inhalte konsumieren kann wann immer man Zeit hat. Nun sind wir wieder beim Segen der Digitalisierung (lacht) Trotzdem hoffe ich sehr, dass es bald wieder Messen gibt. Das Angreifen und Spüren der Produkte fehlt uns sehr. Vor allem weil das Dinge sind, die der Kunde von einem Verkäufer erfahren will. Der Kunde will wissen, ob die Haptik hochwertig ist oder ob es irgendwo an Qualität mangelt.

Sie sagen, die Messen sind wichtig für einen Händler. Warum nehmen die Besucherzahlen Ihrer Meinung dann sukzessive ab?

Früher bekam man auf der Messe die Neuheiten zu sehen und Messerabatte angeboten. Heute kommen die Industrievertreter bereits Wochen vor der Messe zu den Händlern, zeigen ihnen die Neuheiten und die Händler können gleich mit Messerabatt bestellen. Wozu sollen sie dann noch auf eine Messe fahren? Dazu kommt, dass die Industrie früher viel gastfreundlicher war, als heute. Hat man heutzutage vorab keinen Termin vereinbart, ist man als Händler auf den Messeständen nicht gerne gesehen. Früher freuten sich die Aussteller, wenn man ihren Stand besuchte. Zuletzt hatte man das Gefühl, man macht vielen nur Arbeit damit, die sie nicht haben wollen.

Ganz ehrlich? Ich fühlte mich in den letzten Jahren nicht willkommen auf den Messen. Ich habe den Eindruck die Industrie bemüht sich nicht um ihre Kunden, was schade ist, weil wir bemühen uns ja auch um jeden unserer Kunden. Diese Entwicklung ist sehr schade. Trotzdem hoffe ich, dass es bald wieder Präsenzmessen gibt, denn der persönliche Kontakt zu den anderen Händlern, aber auch zur Industrie, ist wirklich wichtig.

Können Onlinemessen ein Ersatz für Präsenzmessen sein?

Nein. Weil eben das persönliche Gespräch fehlt und der Erfahrungsaustausch. Außerdem tut es jedem gut einmal ein zwei Tage aus dem Geschäft rauszukommen und auf einer Messe Neues zu erleben.

Letzte Fragen

Mit Blick auf Ihr Leben: Würden sie etwas anders machen, wenn Sie die Chance dazu hätten?

Nein. Doch! (lacht) Ich hätte gerne mehr praktische Erfahrung in der Elektroinstallation. Kabel ziehen und Steckdosen anschließen bereiten mir keine Probleme, aber ich würde mich auch gerne mit Trafos oder Hochspannungstechnik auskennen. Wenn es jemanden gäbe, in Tirol oder Vorarlberg, der mich ein halbes Jahr in die Lehre nehmen würde … das würde mir gefallen. Wobei, mir würde ohnehin die Zeit dafür fehlen. (zwinkert)

Was wünschen Sie sich?

Im Grunde bin ich wunschlos glücklich. Meiner Familie und meinen Mitarbeitern geht es gut. Wir haben gut gefüllte Auftragsbücher. Es passt eigentlich alles, ich bin wirklich zufrieden.

Wordrap …

… mit Manuela Kuterer, kurz und bündig aus dem Bauch heraus beantworten:

  • Mit dieser Frau – egal ob lebendig oder tot – würde ich gerne einen Abend verbringen?

Queen Elisabeth.

  • Als Mann wäre ich?

Der Wahnsinn, könnte gut zuhören und könnte meine Aussagen mit stichhaltigen Argumenten untermauern.

  • Ihr allererster Berufswunsch?

Elektriker, was sonst?

  • Typisch Mann?

Selbstbewusst, siegessicher.

  • Typisch Frau?

Sich zu wenig zutrauen.

  • Typisch ich? 

Problem! Wo? Gibt’s nicht!!!

  • Am meisten nervt mich?

Unterschätzt und nicht ernstgenommen zu werden.

  • Ich kann nicht leben ohne?

Meine Familie.

  • Ihre größte Schwäche? 

Es allen recht zu machen.

  • Ihr Lieblingswort?

Herz.

  • Welches Wort mögen Sie am wenigsten?   

Corona.

  • Über welches Thema könnten Sie eine 30-minütige Präsentation halten, ohne jede Vorbereitung?

Momentan leider über Corona, aber ansonsten meine Herzensangelegenheit: Die „ElektroJet GmbH“ der smarte Problemlöser…

  • Für welche drei Dinge in Ihrem Leben sind Sie am dankbarsten?

Meine Kinder also Familie,

Trotz schwerer Zeiten schlussendlich doch immer auf die Sonnenseite des Lebens gefallen zu sein

Kollegen und Freunde, die das Leben so lebenswert machen.

  • Wenn Sie eine Sache auf der Welt verändern dürften: Was wäre das?

Die Menschen sollten endlich alle Spaß und Freude an der Arbeit haben. Eine Arbeit sollte kein Job sein, sondern eine Berufung. Ich bin überzeugt, das Leben wäre so viel leichter.

  • Die beste Erfindung der Welt?

Miele Dampfgarer in denen herrliche Nougatknödel gelingen!!!

  • Dinge, die die Welt nicht braucht?

Nörgler und Suderer.

  • Geprägt hat Sie?

Die harte Zeit 2010 in der wir eine neue Firma gebaut haben, eine Scheidung und Kunden, die mein gutes Herz ausgenutzt haben!!!

  • Ihr Lebensmotto?

Mit Herz für sie da.

  • Wenn Sie drei Wünsche frei hätten: Welche wären es?

Urlaub und Freizeit einmal ohne die Firma im hinter Kopf genießen zu können.
Mit Freunden und Bekannten mal wieder richtig abfeiern und vorher gut essen gehen!
Eine Firmenfeier zu organisieren und bei der Band nicht aufs Budget schauen zu müssen.

  • Das Geheimnis Ihres Erfolges?

Anderen zuhören und nicht aufgeben!

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Kommentare (2)

  1. Gratuliere von Herzen zu Deinem super Interview liebe Manuela. Ich bin sehr stolz darauf, Dich und Dein Team in der österreichischen Expert-Familie zu haben.

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