Donnerstag, 15. April 2021
Spekulationen über Oster-Ruhe

Lockdown-Verlängerung in Wien?

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 29.03.2021 | |  
(Bild: fotoART by Thommy Weiss / pixelio.de) (Bild: fotoART by Thommy Weiss / pixelio.de) Hinter vorgehaltener Hand wird über eine Lockdown-Verlängerung in Ostösterreich bis 11. April spekuliert. Der Handelsverband pocht darauf, Click & Collect unbedingt zu erlauben. Zeitgleich bleibt der Verband dabei: „Zutrittstests im Handel sind ein No-Go!“

Ostern gilt nach Weihnachten als das zweitwichtigste Fest für den Handel. Umso bedrückender sei zurzeit die Stimmung in der Branche ob der bevorstehenden „Osterruhe“, die mit einer mindestens einwöchigen Schließung des gesamten Non-Food Handels einhergehen soll, wie der Handelsverband in einer Aussendung schreibt. Zumindest in Wien soll der Oster-Lockdown laut letzten Informationen sogar bis 11. April verlängert werden, so jüngste Spekulationen. Bestätigt wurde noch nichts.

Zuwachs bei Osterausgaben erwartet

Wie der Handelsverband erhoben hat, wollen die Österreicher 2021 durchschnittlich 95 Euro für Ostergeschenke und Dekoration ausgeben. Die Frage ist nur, wer davon profitiert – der heimische Handel, oder die internationalen eCommerce-Giganten aus Drittstaaten?

Die Ausgaben steigen damit im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 (nur 40 Euro pro Kopf) aber auch in Relation zum Vorkrisenjahr 2019 (65 Euro) deutlich. Erklären lässt sich dieser Zuwachs mit dem Konsumstau der letzten Monate und insbesondere mit der Verdopplung der Sparquote im Krisenjahr 2020. Immerhin 69% der Konsumenten wollen aufgrund der Corona-Krise bewusst und verstärkt bei regionalen Händlern und Webshops einkaufen, um den heimischen Handel zu stärken.

„Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen ist es schön zu sehen, dass die Österreicher zusammenhalten. 69% wollen heuer bewusst regional einkaufen und mit Ausgaben von durchschnittlich 95 Euro ein Zeichen setzen – sofern es die Bundesregierung zulässt. Entscheidend ist, dass die Wertschöpfung weitgehend in Österreich bleibt und somit unseren Produzenten und Händlern zugutekommt. Also jenen, die hierzulande Mitarbeiter beschäftigen, Steuern zahlen und damit auch das Sozial- und Gesundheitssystem mitfinanzieren. Bis morgen entscheidet die österreichische Politik, ob diese 95 Euro dem heimischen Handel zugutekommen, oder aber an Onlinegiganten wie Amazon und Wish abfließen“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Zwei Drittel (71%) der Verbraucher wollen die Ostergaben scheinbar am liebsten im stationären Handel kaufen wie erhoben wurde. „Aufgrund der geplanten behördlichen Schließung des Non-Food-Handels in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland entgehen den ostösterreichischen Händlern genau zur Osterzeit mindestens vier wichtige Einkaufstage und damit ein Umsatz von rund 500 Millionen Euro. Jede weitere Lockdown-Woche kostet allein den Wiener Handel rund 210 Millionen Euro, österreichweit reden wir von bis zu einer Milliarde Euro wöchentlich. Um zumindest einen kleinen Teil davon abfedern zu können, muss wie schon im letzten harten Lockdown zumindest Click & Collect im Handel wieder zugelassen werden. Ansonsten hätten wir hierzulande das nächste Amazon-Förderungsprogramm“, stellt Will klar und er ergänzt: „Eine Entscheidung darüber soll spätestens morgen (30.3.21) im Hauptausschuss des Nationalrats getroffen werden.

Die zuletzt diskutierten Zutrittstests in den Geschäften würden jedenfalls kaum etwas an den Corona-Fallzahlen ändern, aber bis zu zwei Drittel aller Umsätze im Handel vernichten, wie Will weiter ausführt. „Das wären in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland knapp 280 Millionen Euro pro Woche. Diese virologisch fragwürdige Maßnahme würde tausende Unternehmen in ihrer Existenz gefährden sowie zehntausende Arbeitsplätze kosten.“ Generell fordert der Handelsverband ein breites wissenschaftliches Fundament und vor allem eine stärkere Berücksichtigung der aktuellen Studienlage bei der Implementierung neuer Corona-Maßnahmen. Immerhin hatte die Bundesregierung erst vor einer Woche angekündigt, dass es im Handel keine Geschäftsschließungen geben werde, da dieser kein Ort für Corona-Ansteckungen sei. „Das bestätigen auch sämtliche wissenschaftlichen Untersuchungen“, so Will.

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