Mittwoch, 21. April 2021
Multimedia-Kommentar E&W 4/2021

Zurück ins 17er-Jahr

Multimedia | Wolfgang Schalko | 04.04.2021 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Bevor Sie fragen, welchen Jahrhunderts – eh des aktuellen. Wir reden also von gerade einmal vier Jahren, die in der schnelllebigen Welt der Unterhaltungselektronik allerdings eine gefühlte Ewigkeit darstellen. Sowohl, was die technische Entwicklung betrifft, aber auch in Hinblick auf den TV-Markt. Nachdem es jahrelang mit Stück- und Umsatzzahlen nach unten gegangen war, markierte 2020 einen Wendepunkt dieses Abwärtstrends. Der TV-Markt kletterte im Vorjahr wertmäßig wieder leicht über das Niveau des Jahres 2017, das damals bei rund 426 Millionen Euro lag.

Grundsätzlich ist das natürlich eine gute Nachricht, zumal der Durchschnittspreis ebenfalls wuchs – dass dieser schlussendlich um 13 Euro unter dem Wert von 2017 lag, sollte verschmerzbar sein. Und auch, dass er heuer wieder ein bisschen sinken dürfte, denn der Rest der Markt-Prognosen ist vielversprechend. Die Marke von 700.000 TV-Geräten sollte heuer – endlich wieder einmal – deutlich übersprungen werden. Auf einen besonderen Effekt der Fußball-EM braucht man somit gar nicht erst groß zu hoffen – die Geschäfte werden auch so laufen.

Dennoch bereiten zwei Entwicklungen Anlass zur Sorge. Erstens der wachsende Internet-Anteil bei den Verkäufen. Für die Consumer Electronics lag er 2020 bereits bei 31% (nach 26% im Jahr zuvor). Natürlich lässt sich hier die Covid-Pandemie mitsamt den Einschränkungen und Lockdowns ins Feld führen, womit sicher ein Teil dieser Umwälzungen erklärbar ist – was an der grundlegenden Tendenz aber nichts ändert. Der zweite Aspekt ist die wachsende Marktmacht der beiden koreanischen Hersteller, die gemeinsam nun fast zwei Drittel des Marktes beherrschen. Hier waren die Kräfteverhältnisse vor vier Jahren noch etwas ausgewogener verteilt – der Markt und der Wettbewerb, so könnte man von außen sagen, noch etwas „gesünder”.

Diese Konzentrationstendenz ist im digitalen Zeitalter nicht ungewöhnlich und in vielen Bereichen feststellbar. Die Akteure am TV-Sektor sollten sich aber der damit einhergehenden Gefahren bewusst sein. Momentan sind es vor allem die beiden japanischen Marken, die hier unter die Räder zu kommen drohen und in absehbarer Zeit in der Rubrik „ferner liefen”in den GfK-Charts landen könnten. Dort, wo sich schon jetzt alle Hersteller außer den „großen 4” tümmeln. Für den Händler resultieren daraus immer größer werdende Abhängigkeiten – das macht einerseits „erpressbar“. Zugleich verringert sich die Auswahl am POS (was sich auch negativ auf die Glaubwürdigkeit auswirken könnte) und das Damoklesschwert der Existenzbedrohnung schwebt ständig über seinem Haupt – denn womit soll der Händler die Ausfälle im Fall der Fälle kompensieren? Man denke nur an Lieferengpässe, Naturkatastrophen oder einen Frachter, der sich womöglich unglücklich im Suezkanal verschippert…

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