Mittwoch, 12. Mai 2021
Editor's ChoiceMichael Frank im großen E&W Interview

„Mir geht das alles schon schwerstens auf die Nerven“

Stefanie Bruckbauer | 14.04.2021 | | 7  
De’Longhi-Kenwood GF Michael Frank im E&W-Interview. (Bild: De’Longhi-Kenwood) De’Longhi-Kenwood GF Michael Frank im E&W-Interview. (Bild: De’Longhi-Kenwood) Für die Coverstory der E&W Aprilausgabe baten wir De’Longhi-Kenwood Österreich GF Michael Frank zum Interview. Er spricht über das letzte Jahr mit Corona, über drastische Veränderungen in der Branche und große Herausforderungen, über die Zukunft von Messen und Direktvertrieb, über Ängste und große Wünsche. Lesen Sie hier das ganze Interview.

E&W: Herr Frank, wie geht es Ihnen und Ihrem Unternehmen?

Michael Frank: Unser Unternehmen ist wirtschaftlich gesehen einer der Gewinner der Krise. In ökonomischer Hinsicht geht es uns wirklich gut. Aus privater Sicht kann ich das nicht sagen. Die neue Art zu leben und zu arbeiten stellt uns vor große psychische Herausforderungen. Mir geht das alles wirklich schon schwerstens auf die Nerven.

Unser Unternehmen spürt die Krise wirtschaftlich nicht. Im Gegenteil. Wir verzeichneten 2020 große Zuwächse. Die Nachfrage war exorbitant, lag weltweit bei +30%, und das stellte uns vergangenes Jahr vor die größte Herausforderung: Die Ware aufzutreiben. Schlimm war es vor allem letztes Jahr im März und April. Viele Fabriken waren zum Teil geschlossen, die Logsitik stockte und das hat uns in Lieferschwierigkeiten gebracht, die bis heute andauern.

E&W: Welche Produktgruppen waren besonders nachgefragt?

Frank: Übernatürlich – und noch viel höher als bei Kaffeemaschinen – war die Nachfrage nach Küchenmaschinen. Die Leute hatten nach zwei Wochen Inanspruchnahme von Lieferdiensten offenbar genug vom Fertigessen und begannen selbst zu kochen und zu backen. Das hat uns in die Hände gespielt, denn Kenwood ist in diesem Bereich als Qualitätsmarke bekannt. Dank Social Media-Marketing und der Zusammenarbeit mit Influencern, wissen die Konsumenten, dass Kenwood die richtige Wahl ist, wenn man eine „Arbeits-Küchenmaschine“ möchte. Und die Konsumenten sind auch bereit mehr Geld dafür auszugeben. Das hat dazu geführt, dass wir nicht nur die Umsätze steigern, sondern auch Marktanteile dazugewinnen konnten.

E&W: Das heißt, auch Sie sehen einen Trend zu höherwertigen Geräten?

Frank: Grundsätzlich ja. Wir verzeichneten aber auch Zuwächse in den unteren Preissegmenten, zB bei Mixern. Es gibt leider auch Leute, die durch die Pandemie in ein wirtschaftliches Desaster rutschten. Diese müssen auf jeden Euro schauen. Dementsprechend sind auch Einstiegssegmente gewachsen.

E&W: Wie haben sich die einzelnen Kanäle entwickelt, im Speziellen der EFH?

Frank: In Österreich hat der stationäre Handel eine sehr hohe Bedeutung, viel höher als in anderen europäischen Ländern. Der Onlinehandel kann das Stationärgeschäft hierzulande nicht kompensieren. Die Leute kaufen bei geschlossenem Stationärhandel lieber nicht und warten bis die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Das zeigt auch ein Blick auf das letzte Jahr: Während des erstens Lockdowns wurden insgesamt weniger Kaffeemaschinen verkauft. Kaum durfte der stationäre Handel wieder öffnen, explodierte der Markt. Kaffeemaschinen werden scheinbar eher im stationären Handel gekauft, als online. Wir können uns das nur so erklären, dass die Leute die Maschinen hören, sehen und angreifen wollen, dass sie den Kaffee probieren wollen.

Natürlich hat der Onlinehandel auch hierzulande an Bedeutung dazugewonnen im letzten Jahr und ist der am stärksten wachsende Kanal. Aber weit nicht so stark, wie in anderen Ländern, wo sich der Handel ganz radikal Richtung Internet verlagert.

E&W: Das macht aus Sicht des Stationärhandels ja Hoffnung …

Frank: Ja, das macht Hoffnung. Im Bereich Kaffee- und Küchenmaschinen bewegen wir uns mit unseren Marken eher im höherpreisigen Segment. Dabei sehen wir, dass die Kunden diese Geräte erklärt bekommen wollen, aber nicht in einem Youtube-Kanal, sondern in einem Geschäft, wo die Maschinen auch angefasst werden können. In Österreich geht der Trend noch sehr stark in Richtung Stationärhandel. Das Potential für unsere Fachhändler ist also groß. Das ist nicht in allen Ländern so …

E&W: Wie ist die Situation zB in Deutschland?

Frank: Deutschland ist stärker online getrieben. Aber auch nicht ganz so schlimm, da es bei unseren Nachbarn auch noch ein starkes Stationärhändler-Netz gibt, große Kooperationen wie Euronics oder Expert, aber auch viele Media- und Saturn-Märkte. Allerdings ist Amazon auch stark – in Deutschland und in Österreich.

Weltweit betrachtet spielt Amazon für unseren Konzern eine große Rolle. Damit muss ich leben. Für uns hier in Österreich hat Amazon aber keine Relevanz, da wir Amazon lokal nicht beliefern. Ich bin stark dahinter, dass wir hier in Österreich unsere lokalen Kunden fördern. Und zum Glück machen wir mit unseren Fachhandelspartnern hierzulande gute Umsätze, weil so haben wir als österreichische Niederlassung aus Konzernsicht weiterhin eine Daseinsberechtigung. Das ist in meinen Augen das wichtigste, denn so können wir Arbeitsplätze bzw. die Existenz des Unternehmens sichern.

E&W: Wie fördern Sie den stationären FH konkret?

Frank: Mein Ziel war es, im kooperierten Fachhandel unsere Distribution auszubauen. Es galt, unsere Produkte flächendeckend in Österreich verfügbar zu machen. Daraufhin entwickelte mein Team ein Fachhandelsprogramm mit Bonifikationen etc., wodurch die Händler zusätzlich Geld verdienen können. Das kommt sehr gut an, die Kooperationen scheinen glücklich damit. Wir verzeichnen ein großes Wachstum in diesem Bereich und das macht mich sehr stolz.

E&W: Inwiefern hat Corona den Elektrohandel Ihrer Meinung nach beeinflusst?

Frank: Auf Grund der massiven Lieferproblematik wurde unseren Handelspartnern bewusst, dass sie besser bzw längerfristig planen müssen. Früher hieß es, man braucht die Geräte in 14 Tagen. Heute bestellen die Händler viele Monate im Voraus. Das erlaubt es uns als Hersteller besser zu planen.

Wenn die Nachfrage steigt, müssen wir unsere Produktionskapazitäten klarerweise anpassen. Wir haben in Italien ein komplett neues Supply Chain-System etabliert, mit einem neuen Team, das aktuell damit beschäftigt ist, völlig neue Prozesse aufzurollen. Damit das allerdings funktioniert, braucht es eine gute Planung, und das hat der Kunde verstanden.

E&W: Ist derart langfristiges Planen nicht schwierig?

Frank: Natürlich kann es sein, dass die Leute im Juni plötzlich wieder reisen dürfen, sich jeder in den Flieger setzt und Zuhause nie wieder kocht. Aber als Unternehmer muss man immer ein gewisses Risiko eingehen.

E&W: Gibt es für die Situation, dass von heute auf morgen die Nachfrage völlig einbricht, einen Masterplan?

Frank: Ja, den gibt es. Ich verrate ihn aber nicht (zwinkert)

E&W: Wie haben Sie die Situation im März 2020 wahrgenommen, als es hieß, die Pandemie kommt, wir fahren alles herunter?

„Wie die Handelslandschaft in 10 Jahren aussehen wird, kann ich natürlich nicht sagen, ich bin kein Prophet.“

Frank: Es war eine riesen Herausforderung. Wir wussten gar nichts. Die Fabriken waren im Lockdown, es war unklar, ob wir Ware bekommen oder ob wir zusperren müssen. Glücklicherweise konnten wir rasch reagieren. Wir statteten unsere Leute mit Equipment aus und schickten sie ins Homeoffice. Wir versuchten dann mit unseren Handelspartnern das Geschäft zumindest online aufrechtzuerhalten. Die Kooperationen aber auch Media-Saturn verfügen ja über die technischen Voraussetzungen und so starteten wir gemeinsam diverse Aktivitäten. Das funktionierte wirklich gut. Wir bauten zudem das Lagergeschäft mit den Kooperationen aus bzw füllten deren Läger auf, sodass die Händler die Geräte bei Bedarf nur mehr abrufen mussten.

Das ist einer der ganz wenigen positiven Aspekte dieser Krise, dass nämlich Dinge, deren Umsetzung früher Jahre gedauert hätte, nun innerhalb weniger Wochen und Monate funktionieren. Es ging alles viel schneller, aber das ist klar. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht und unter Druck ist, setzt man Dinge viel rascher um.

Marisa Mercedes Moser: Eine Situation werde ich nie vergessen. Wir bekamen letztes Jahr bereits im Februar die Anfrage seitens unserer Konzernmutter, die ihren Sitz in Italien hat, welchen Maßnahmenplan wir hätten. In China wütete Corona zu dem Zeitpunkt schon, in Italien ging es langsam los. Daraufhin überlegten wir, wer was im Ernstfall zu tun hat. Masken, Desinfektionsmittel samt Spender, Laptops, etc., das musste alles besorgt werden. Teams mussten eingeteilt, Zeitpläne erstellt werden. All das für den Fall, dass die Pandemie auch Österreich treffen sollte. Schlussendlich hatten wir einen Masterplan mit fünf Stufen vorbereitet. Die Situation war so unwirklich. Wir konnten nicht glauben, dass das alles tatsächlich gerade passiert. Stufe 5 unseres Masterplans besagte, dass das Büro nur mehr vom Senior-Management besetzt sein dürfte. Nie hätten wir gedacht, dass diese Situation jemals eintreten wird. Ist sie aber.

Frank: Eines muss ich noch sagen: Unser Konzern hat weltweit viel Erfahrung, auch in Asien, und dank dessen waren wir wirklich sehr gut vorbereitet. Wir haben alle Szenarien durchgespielt, waren auf jede erdenkliche Situation eingestellt. Wir hatten bereits einen Masterplan in der Schublade, bevor die Pandemie Österreich überhaupt erreicht hatte. Dafür muss ich meinem Team, vor allem unserem Finanzchef und unserer HR-Verantwortlichen, wirklich großen Dank aussprechen. Die beiden haben das perfekt organisiert und das gab unseren Mitarbeitern natürlich Sicherheit, weil sie sahen, dass sie für ein Unternehmen arbeiten, dass einen Plan hat.

E&W: Gibt es coronabedingte Veränderungen in Ihrem Unternehmen, die sich bewährt haben und voraussichtlich beibehalten werden?

Frank: Ich glaube, dass die internationalen Reisetätigkeiten in unserem Konzern massiv eingeschränkt werden, weil man gesehen hat, dass es auch so funktioniert und, dass enorme Einsparungen bei den Reisespesen möglich sind.

Zudem bin ich überzeugt, dass das Homeoffice künftig Teil des Arbeitslebens sein wird. Es ist einfach effizienter. Ich persönlich bin nach wie vor ein Verfechter der Büroarbeit. Nicht, weil ich meine Leute kontrollieren will, sondern weil ein funktionierendes Miteinander, ein gutes soziales Gefüge in einem Unternehmen, ganz wichtig für den Erfolg ist. Wir hier bei De’Longhi/ Kenwood in Österreich sind wie eine große Familie. Im letzten Jahr hat dieses soziale Gefüge aber sehr gelitten und es zählte zu den größten Herausforderungen, die Leute nicht zu verlieren. Ich mache mir viele Gedanken darüber, wie es gelingen kann, diesen Geist, diese Zusammengehörigkeit aufrechtzuerhalten. Natürlich machen wir Onlinemeetings und virtuelle Kaffeepausen und solche Dinge, aber das ist alles kein Ersatz für ein persönliches, echtes Miteinander.

Ich freue mich schon sehr darauf, wenn meine Leute zum Arbeiten wieder in die Firma kommen und ich sie nicht mehr nur durch den Bildschirm ansehen kann. Ganz ehrlich? Mir geht das richtig auf die Nerven und ich kann es kaum erwarten, dass sich die Situation wieder halbwegs normalisiert.

E&W: Was fehlt Ihnen persönlich am meisten in der Pandemie?

Frank: Die persönlichen Kontakte! Denn ich bin im Grunde ein sehr kommunikativer Mensch.  Natürlich gibt es Videokonferenzen, aber die stehen mir bis oben hin. Wahrscheinlich hatte ich schon zu viele. Diese Konferenzen via Screen sind oft so ermüdend. Die Teilnehmer sind weniger eingebunden und driften dementsprechend eher weg. Ich habe dann auch oft keine Lust auf diese Meetings, bin geistig abwesend und das ärgert mich, was wiederum nicht gut ist, denn solche Treffen sollten ja etwas Positives sein.

Die vielen Videokonferenzen zählen für mich zu den negativen Begleiterscheinungen der Pandemie. Ich befürchte, dass diese Kultur zum Großteil bleiben wird. Ich hoffe allerdings, dass nach Corona auch der persönlichen Kommunikation wieder Platz eingeräumt wird. Denn das ist die Basis unseres Lebens. Warum glauben Sie, sind so viele Kinder psychisch gestört? Weil sie permanent vor irgendeinem Bildschirm sitzen. Das kann nicht gut sein. Ich hoffe wirklich, dass sich das wieder ändert.

E&W: Wie fassen Sie das Jahr 2020 in wenigen Worten zusammen?

Frank: Wirtschaftlich betrachtet war 2020 hervorragend. Persönlich betrachtet hätte ich auf dieses Jahr gut und gerne verzichten können. Es gab viele Herausforderungen auf menschlicher, logistischer sowie organisatorischer Seite. Positiv ist der Aspekt, dass wir alle dazugelernt haben. Negativ sind die vielen frustrierenden Phasen. Gott sei Dank ist unser Unternehmen auf der Gewinnerseite der Krise und deshalb ist das Jammern auf hohem Niveau. Ich blicke auch immer auf die Leute, denen es wirklich dreckig geht und davon gibt es zur Zeit richtig viele. Und es wird noch schlimmer kommen. Ich denke, es steht uns noch einiges bevor.

E&W: Inwiefern hat Corona in Ihren Augen die Branche verändert?

Frank: Das Bewusstsein, dass man als Fachhändler mehr tun muss, als nur zu warten, bis ein Kunde das Geschäft betritt, hatten viele schon im Hinterkopf, doch es hat niemand etwas getan, weil es keine Notwendigkeit dazu gab. Das hat sich im letzten Jahr geändert. Vielen Händlern wurde klar, dass sie neue Wege gehen müssen, wenn sie überleben wollen. Diese beschäftigen sich nun mit Digitalisierung und das wurde auch höchste Zeit. Insofern hat Corona die Branche schon stark verändert. Corona hat dazu motiviert auf den Zug der Zeit aufzuspringen. Auch das ist ein positiver Aspekt der ganzen Geschichte. Erstaunlich ist, wie schnell diese Änderung letztendlich eingetreten ist.

E&W: Wie geht es weiter bei Ihnen? Welche Ziele gibt es?

Frank: Wir hatten 2020 so brillante Ergebnisse, dass sich der Konzern noch immer regelmäßig dafür bedankt. Wie es in einem Konzern allerdings üblich ist, können die Ergebnisse noch so phänomenal sein, sie bilden in jedem Fall die Basis für das Folgejahr. Das heißt – Krise hin oder her – wir müssen das Jahr 2020 toppen, und das wird nicht einfach. Vor allem was den Vollautomatenmarkt betrifft, da wir in Österreich, mit über 50% eine weit höhere Haushaltspenetration haben, als in fast allen anderen Ländern, wo die Verbreitung bei unter 20% liegt. Das Wachstumspotential bei Vollautomaten ist in Österreich, verglichen mit dem Rest der Welt, also eher bescheiden. Wir werden allerdings versuchen das Wachstum in anderen Bereichen anzuregen, Marktanteile zu halten und auszubauen. So zB bei höherpreisigen Siebträgern oder Stabmixern. Das Ziel lautet, unser Geschäft in der aktuellen Größenordnung aufrechtzuerhalten, denn wir sind richtig gut unterwegs und haben eine sehr starke Akzeptanz beim Konsumenten mit unseren Marken.

Natürlich wollen wir diesen Weg gemeinsam mit unseren bestehenden Handelspartnern gehen – so lange es geht. Wie die Handelslandschaft in 10 Jahren aussehen wird, kann ich natürlich nicht sagen, ich bin kein Prophet, aber heute präsentiert sich die Situation wie folgt: Ich bin nach wie vor ein Verfechter des Handels. Und ich werde versuchen das Geschäft so lange wie möglich gemeinsam mit dem Handel zu machen. Nicht, weil ich alle Händler so liebe, sondern weil wir die Arbeitsplätze im Land erhalten müssen. Auf Grund der Digitalisierung werden in den kommenden Jahren Unmengen Arbeitsplätze im Land verloren gehen. Wenn der Handel auch noch zusperrt, gibt es noch mehr Arbeitslose, und das wird irgendwann zum Problem, denn diese Leute haben dann kein Geld mehr um unsere Produkte kaufen zu können, und dann gibt es unser Unternehmen hierzulande auch nicht mehr. Insofern bin ich ein Verfechter der verschiedenen Verkaufskanäle und dazu zählt auch der Fachhandel, der in Österreich übrigens noch immer der Verkaufskanal Nummer 1 ist. Natürlich müssen wir auch andere Kanäle wie zB das Internet bedienen, aber der Fachhandel bleibt auch für mich vorerst die stärkste Säule. Und solange wir damit erfolgreich sind, wird mir der Konzern auch keinen Strich durch die Rechnung machen.

Messedilemma

E&W: Wie stehen Sie zum Thema (Fach-)Messen?

Frank: Ich bin ein großer Freund von Messen, weil ich ein Freund von persönlichen Beziehungen und Gesprächen bin. Und das kann ich auf einer Messe (unter normalen Umständen) leben.

Solange die Konzernmutter es zulässt, werde ich weiterhin an Messen teilnehmen. Unser Konzern ist allerdings kein großer Messebefürworter mehr. Es gibt einfach zu viele Alternativen, wie uns im vergangenen Pandemiejahr deutlich vor Augen geführt wurde. In diesem Zusammenhang stelle ich mir die Frage, wie sich zB die IFA weiterentwickeln wird. Dem Vernehmen nach werden immer mehr große Aussteller abspringen.

Generell werden Messen für immer mehr große Unternehmen uninteressant und mir gefällt diese Entwicklung gar nicht. Was Fachmessen betrifft, haben diese meiner Meinung nach nur dann eine Zukunft, wenn man Konsumenten einbindet. Das wird in unserer Branche ja seit Jahren diskutiert, es kam allerdings nie zu einer Einigung.

Es wäre schön, wenn die drei Kooperationen in Zukunft wieder eine gemeinsame Messe bespielen würden. Ich befürchte allerdings, dass nach Ende der Coronakrise wieder diese endlosen Diskussionen losgehen, wann, wie, wo und vor allem ob ein gemeinsames Branchenevent realisiert werden kann. Es gibt leider auch in unserer Branche immer mehr Messegegner bzw. Hersteller, die nicht mehr an Messen interessiert sind, da sie auch nicht mehr am Handel interessiert sind, weil sie lieber direkt an den Konsumenten verkaufen. Und diesen Weg werden auch noch andere gehen und spätestens dann hat sich das Messethema von selbst erledigt. Was dann allerdings die Messeveranstalter und Standbauer machen, weiß ich leider nicht. Diese werden wahrscheinlich pleite gehen, was die nächste negative Auswirkung wäre, aber daran denkt ja keiner …

Ich habe oft das Gefühl, dass viele Top-Manager nicht darüber nachdenken, was ihre Entscheidungen für Konsequenzen mit sich bringen. Es scheint als würde keiner auch nur einen Gedanken an die vielen Menschen verschwenden, die dann keine Jobs mehr haben. Wenn es eine Lösung gäbe, wie jeder dieser Leute 2000 bis 3000 Euro im Monat bekommt, damit er weiter konsumieren kann, wäre die Problematik nicht so gravierend. Aber diese Lösung gibt es derzeit nicht.

E&W: Stichwort Direktvertrieb: Was halten Sie davon?

Frank: Immer mehr Hersteller (vor allem große Marken) vertreiben direkt – die einen mehr, die anderen weniger. Das ist leider so. Man kann sich dem als Hersteller heutzutage nicht mehr verschließen. Denn es suchen immer mehr Konsumenten von sich aus den Kontakt zu den Herstellern und wollen dort auch kaufen. Die Hersteller reagieren unterschiedlich. Die einen fördern diese Entwicklung, die anderen nicht. Wir versuchen ein ausgewogenes System zu finden, sodass alle Vertriebskanäle überleben können, zB in dem wir in den Kanälen unterschiedliche Produkte anbieten.

Speziell in Österreich sind viele Marken in der Situation, dass ihnen Amazon das Geschäft wegnimmt. Ich persönlich verliere zB Millionen Umsätze an Amazon, da De’Longhi außerhalb von Österreich direkt an Amazon liefert. Davon habe ich persönlich aber nichts. Also was tun? Natürlich kann man das Onlinegeschäft seiner bestehenden Handelspartner ausbauen, und das tun wir auch, aber das alleine reicht nicht. Also vertreiben viele Marken zusätzlich direkt an Konsumenten, um ein Gegengewicht zu Amazon zu schaffen. Uns geht es dabei allerdings nicht um reißerische Angebote, sondern lediglich darum, dem Konsumenten die Möglichkeit zu bieten, direkt bei den Herstellern zu kaufen. Tut das eine Marke nicht, wird es sie in wenigen Jahren nicht mehr geben.

„Mir geht das richtig auf die Nerven und ich kann es kaum erwarten, dass sich die Situation wieder halbwegs normalisiert.“

E&W: Mit welchen Herausforderungen sehen Sie den EFH derzeit konfrontiert?

Frank: Der EFH muss Wege finden, sich gegen internationale Onlinegiganten zur Wehr zu setzen. Und der EFH darf sich nicht gegen neue Vertriebsmöglichkeiten sträuben, er muss hingegen gemeinsam mit den Industriepartnern (die bereit sind mit dem EFH zusammenzuarbeiten) Wege finden, wie er am Online-Boom mitnaschen kann. Jene Händler, die verstanden haben, dass sie neue Wege gehen müssen, und die uns, die Industrie, nicht als Feind betrachten, nur weil wir jetzt auch einen eigenen Onlineshop betreiben und mit MediaMarkt oder sogar Amazon kooperieren, die werden auch weiterhin die Möglichkeit haben erfolgreich zu sein. Es wird immer Marken geben, die den Fachhandel dabei unterstützen. Wir sind eine davon.

E&W: Mit welchen Herausforderungen sehen Sie Ihr Unternehmen konfrontiert?

Frank: Unsere Marken weiter zu stärken. Der Konsument, der eine Kaffeemaschine sucht, soll gar nicht auf die Idee kommen, etwas anders zu kaufen als De’Longhi. Das macht es auch für den Händler leichter, weil wir uns darum kümmern, dass die Nachfrage hoch bleibt.

E&W: Und mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich persönlich konfrontiert?

Frank: Mir liegt wirklich enorm viel daran das zuvor erwähnte familiäre Gefüge in unserer Firma, das durch die Pandemie und das Homeoffice stark gelitten hat, nicht ganz zu verlieren bzw wieder aufbauen. Das wird eine große Herausforderung für mich persönlich, die Leute wieder an Bord und zurück in die Familie zu holen, denn hier gehören sie hin.

Herausfordernd wird auch das Thema Weiterbildung. Ich möchte meine Leute immer weiter fördern und entwickeln. Auf Grund der Digitalisierung und Technisierung müssen die Menschen immer mehr können und wissen, sonst bekommen sie irgendwann keinen Job mehr. Ich möchte, dass meine Leute fit sind – nicht nur für die Arbeit in unserem Unternehmen, sondern auch für den Fall, dass sie mal wo anders arbeiten. In ein paar Jahren wird die Arbeitswelt anders aussehen als heute und mir persönlich liegt viel daran, dass meine Leute bereit dafür sind. Das ist eines meiner großen Ziele und daran arbeiten wir intensiv.

E&W: Die Menschen, mit denen Sie arbeiten, scheinen Ihnen tatsächlich sehr wichtig zu sein…

Frank: So ist es. Meine Mitarbeiter sind eine Art Familie für mich, um die ich mich kümmere. Für mich persönlich ist das ganz entscheidend, denn wenn ich schlechte oder unmotivierte Leute habe, werde ich nichts verkaufen, dann werde ich nicht erfolgreich sein. Wenn es meinen Leuten keinen Spaß macht hier in unserem Unternehmen zu arbeiten, dann werden sie auch nicht gut sein in ihrem Tun. Das bedeutet, ich muss Bedingungen schaffen, dass jeder hier im Unternehmen sein Bestes gibt, und das werden die Leute nur tun, wenn sie sich wohlfühlen. Das ist für mich eine der wichtigsten Grundsäulen jedes Geschäftes.

E&W: Digitalisierung: Fluch oder Segen?

Frank: Beides. Die Digitalisierung hat natürlich viele Vorteile, da vieles effizienter, rascher und übersichtlicher vonstatten geht. Aber ich glaube, dass die überbordende Digitalisierung auch Arbeitsplatzverlust mit sich bringen kann und das ist in meinen Augen der Fluch, dem man entgegensteuern muss.

E&W: Die Zeiten sind nicht gerade lustig. Sehnen Sie sich hie und da nach der Pensionierung? Ihr Bruder ist ja bereits im Ruhestand.

Frank: Nein, gar nicht, ich habe sogar Angst davor. Für mich ist alleine die Vorstellung in Pension zu sein der blanke Horror, weil ich mir nicht vorstellen kann, was ich mit der vielen Freizeit anfangen soll. Ich habe keine Hobbys, außer der Firma. Die Arbeit hier befriedigt mich. Und ich habe ja noch zwei Jahre, dann könnte ich offiziell in Pension gehen, aber schauen wir mal was kommt und wie der Konzern entscheidet was mit mir passiert.

E&W: Haben Sie auch andere Ängste?

Frank: Ich befürchte, dass diejenigen, die das Sagen haben (wer auch immer das ist), die jetzige Art zu leben als das neue Normal vorgeben. Und nachdem der Mensch ein Herdentier ist, werden es alle nachmachen, niemand wird es hinterfragen und sich dagegen wehren. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker – wobei, doch, manchmal schon (zwinkert). Ich habe auf jeden Fall Bedenken, dass wir als einzelne kleine Bürger auf Grund unserer Veranlagung einfach unreflektiert nachmachen, was uns vorgekaut wird. Und das ist meine große Angst.

E&W: Was wünschen Sie sich?

Frank: Es geht mir im Grunde wirklich sehr gut. Ich bin umgeben von super Mitarbeitern, ich habe eine super Familie, ich habe einen spitzen Job und verdiene genug Geld. Ich habe lediglich zwei Wünsche: Dass ich gesund bleibe und dass die ganze Situation rund um Corona bald ein Ende findet. Ich wünsche mir sehr, dass wir uns endlich wieder treffen können, gemeinsam essen gehen, ein Bier trinken und uns umarmen können. Mein größter Wunsch ist es, endlich wieder ein normales Leben leben zu können.

Kommentare (7)

  1. Anfangs mit seinem Bruder Christian und dann bei DeLonghi als Geschäftsführer und SELF-STARTER der Marke DeLonghi, Hut ab, was du mit Bauchgefühl, Kontakten und grenzenlosem Fleiß geschafft hast.
    Die Kontakte mit dir und auch früher als TurboTwin mit Christian waren immer gewinnend, lustig, informativ und freundschaftlich. Werde mich ewig daran erinnern! Auch die vielen Nächte des Fachsimpelns und Planens ….
    Danke für die schöne und erfolgreiche Zeit und wie schon Walter Köck (?) geschrieben hat, gib die nächsten 20 Jahre weiter Gas, damit es DeLonghi und Kenwood weiterhin so gut geht. Der Fabio hat sich ja schon vornehm zurückgezogen ….

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  2. Hr. Frank spricht mir aus der Seele, insbesondere was die Situation mit Amazon betrifft. Kein österreichischer Distributor hat Freude mit dem Bezos Imperium, aber keine internationale Marke kommt (zähneknirschend) daran vorbei.

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  3. Lieber Michael,
    hoffentlich bleibst du der Branche weitere 20 Jahre erhalten. Du warst und bist eine absolute Ausnahmeerscheinung, einer der das Marketing und die Vertriebsstrategien von Grund auf erlernt hat und absolut kundenorientiert auftritt! Menschlichkeit lernt man nicht, man hat sie wie du!

    Danke, Gesundheit, viel Erfolg und bitte lange weiter so!

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  4. Super Fragen, super Antworten! Tolles Interview mit vielen wahren Worten. Danke, dass hier noch Ehrlichkeit & Persönlichkeit zählt und dass vor allem auch der Fachhandel in den Vordergrund gestellt wird bzw. dass es in Zeiten wie diesen so gut es geht versucht wird. Lob an E&W und an den King of De‘Longhi!

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