Mittwoch, 12. Mai 2021
Editor's ChoiceViel Luft nach oben bei den Umsätzen

Bilanz des ersten Einkaufstages nach Ost-Lockdown

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 03.05.2021 | |  
Handelsverband Geschäfsführer Rainer Will zieht Bilanz des ersten Einkaufstages nach dem Ost-Oster-Lockdown. Handelsverband Geschäfsführer Rainer Will zieht Bilanz des ersten Einkaufstages nach dem Ost-Oster-Lockdown. Die Händler in Wien und Niederösterreich durften am Montag, den 3. Mai, wieder öffnen. Der Handelsverband zog eine erste Bilanz: Gute Besucherfrequenzen in Einkaufsstraßen und Shoppingcentern. Kaufabschlussquote hoch, Aufenthaltsdauer gering. Starke Einmaleffekte in Baumärkten & Gartencentern.

Nach 26 verlorenen Einkaufstagen während der „Oster-Ruhe“ durften am 3. Mai mehr als 10.000 stationäre Non-Food-Händler in Wien und Niederösterreich ihre Geschäfte wieder aufsperren. Viele Händler verzeichneten am heutigen Einkaufsmontag gute Frequenzen und der Kundenandrang legte mit Fortlauf des Tages weiter zu, berichtet der Handelsverband.

„Bei den Händlern überwiegt die Freude, wieder offenhalten und für die Kunden da sein zu dürfen. Bei den Umsätzen sehen die meisten noch viel Luft nach oben. In Einkaufszentren und Einkaufsstraßen kam es immer wieder zu größeren Schlangenbildungen, ein großer Ansturm wie nach dem ersten Lockdown blieb aber aus. Auffällig ist, dass die Warenkörbe der Kunden deutlich größer sind als üblich. Das liegt daran, dass viele Händler in Wien und Niederösterreich attraktive Angebote geschnürt haben, um nach dem vierten Lockdown ihre Frühlingswaren zu verkaufen und damit die Kassen zu füllen. Damit können offene Rechnungen wie Mietzahlungen oder Kreditraten bezahlt werden, wenn das Geschäft anhält. Bald stehen die Urlaubsgelder an, daher zählt jetzt besonders im Lockdown-gebeutelten Osten jeder Tag“, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer ersten Stellungnahme.

Umfassende Sicherheits- und Hygienekonzepte einmal mehr bewährt 

Selbst in den Top-Lagen wie der Wiener Mariahilfer Straße, wo sich vor den Geschäften vereinzelte, kleinere Kundenschlangen bildeten, verlief alles ruhig und sicher. Der Mindestabstand wurde eingehalten, die Menschen seien bereits routiniert in der Einhaltung der Maßnahmen, wie der Verband sagt. Die umfassenden Sicherheits- und Hygienekonzepte der Händler haben sich damit einmal mehr in der Praxis bewährt.

„Die Gesundheit der Kunden und Mitarbeiter wird im Handel durch strenge Sicherheitsvorkehrungen gewährleistet. Für alle Konsumenten gilt in den Geschäften weiterhin die FFP2-Maskenpflicht, ein Mindestabstand von 2 Meter sowie eine Beschränkung von 20m2 pro Kunde. Kurze Wartezeiten werden von den Kunden generell geduldig und unter Einhaltung der Hygienevorgaben in Kauf genommen. Alle verhalten sich diszipliniert, unaufgeregt und vorbildlich“, bestätigt Will.

Gute Umsätze in Shoppingcentern, wenig Andrang in B- & C-Lagen

Sowohl aus der Bundeshauptstadt Wien als auch aus Niederösterreich melden die Shoppingcenter-Betreiber heute einen guten Betrieb, überdurchschnittliche Umsatzzahlen und zahlreiche Schnäppchenjäger. Der Verband sagt: „Viele Handelsbetriebe brauchen jetzt dringend ‚Cash in der Kassa‘, daher dürfen sich die Konsumenten über viele gute Preise freuen. Deutlich weniger Andrang verzeichneten die Geschäfte laut Handelsverband heute in den B- und C-Lagen, also abseits der großen Einkaufsstraßen. „Damit setzt sich auch hier der Trend aus den ersten drei Corona-Wiedereröffnungen fort, bei denen die Konsumenten vielerorts sehr vorsichtig ihr gewohntes Einkaufsverhalten wieder aufgenommen hatten“, so Rainer Will.

Filialisierte Bau-, Garten- und Textilhändler am stärksten frequentiert

„Besonders die Bau- und Gartencenter, aber auch zahlreiche Bekleidungsgeschäfte dürften sich heute in Ostösterreich über eine starke Kundennachfrage freuen, vielerorts fällt der Umsatz deutlich höher aus als an einem ‚normalen‘ Einkaufsmontag. Generell fehlen dem Handel noch bis 19. Mai die Gastronomie und Hotellerie als Frequenzbringer, insbesondere in den heimischen Tourismus-Hochburgen. Dort liegen die Umsatzausfälle vieler Sport- und Modehändler weiterhin bei teilweise über 90%, da sowohl einheimische als auch Gäste aus dem Ausland fehlen“, gibt Rainer Will das Feedback der heimischen Händler wieder.

„Kein weiterer Lockdown mehr!“

Rainer Will betont: „Etwaige Bedenken, die heutige Wiedereröffnung der Geschäfte im Osten könnte die Corona-Fallzahlen nach oben treiben, wurden bereits durch unzählige wissenschaftliche Studien entkräftet. Der Handel ist kein Corona-Hotspot, dafür sind die Aufenthaltsdauern zu gering und der Kundenkontakt zu lose. Auch in den Untersuchungen der AGES konnte keine Clusterbildung in den Geschäften nachgewiesen werden, das Infektionsgeschehen spielt sich vielmehr im privaten Haushaltsbereich ab.“

Problem Urlaubsgeld

Der heimische Handel hofft jetzt auf eine dauerhafte Öffnung, denn jeder zweite Händler hat Existenzängste und 42% können eingehende Rechnungen nicht mehr begleichen. „Aus heutiger Sicht geht mehr als ein Drittel aller Händler davon aus, die doppelten Gehälter nicht oder nur teilweise zeitgerecht überweisen zu können (36%). Daher braucht es gerade für Klein- und Mittelunternehmen und beschäftigungsintensive, filialisierte Händler Unterstützungsmaßnahmen, wenn die Kurzarbeit durch die Öffnungsschritte wegfällt, nachdem rund 85% der Mitarbeiter im Einzelhandel in Geschäften tätig sind“, sagt Will.

Laut Handelsverband summieren sich die geschlossenen Einkaufstage in Wien und Niederösterreich seit Ausbruch der Corona-Pandemie auf 116, das Burgenland kommt auf 104, die anderen sechs Bundesländer liegen bei 90 Tagen in drei harten Lockdowns. „Allein die Umsatzverluste durch die ‚Osterruhe‘ belaufen sich im Handel auf 1,95 Mrd. Euro. Weniger als ein Viertel davon wird von den Konsumenten nachgeholt werden“, so Rainer Will abschließend.

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