Sonntag, 28. November 2021
Corona beschleunigt Strukturwandel um 5 bis 8 Jahre

5 Strategie-Trends, die Händler für sich prüfen sollten

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 10.05.2021 | |  
Hybrid, sozial, nachhaltig. Die Offerista Group hat fünf Strategie-Trends für die Zukunft des Handels beleuchtet. (Foto: Offerista Group Austria) Hybrid, sozial, nachhaltig. Die Offerista Group hat fünf Strategie-Trends für die Zukunft des Handels beleuchtet. (Foto: Offerista Group Austria) Der Strukturwandel im Handel nimmt Corona sei Dank deutlich an Fahrt auf, um etwa sieben bis acht Jahre, wie eine aktuelle Studie des Instituts für Handelsforschung aufzeigt. Die Folge: „Händler müssen noch schneller auf geänderte Kundenbedürfnisse reagieren“, sagt Benjamin Thym. Der Gründer und CEO der Offerista Group beleuchtet in diesem Zusammenhang fünf Strategie-Trends, die Händler für sich prüfen sollten.

Das IFH spricht von einem „Corona-Turbo“. Als Folge, erläutert das Institut für Handelsforschung, müssten Händler nun noch schneller auf geänderte Kundenbedürfnisse reagieren. Benjamin Thym, Gründer und CEO des Retail Marketing Networks Offerista Group, beleuchtet fünf Strategie-Trends, die Händler für sich prüfen sollten. „Es gibt kein Patentrezept, sondern vielmehr die Notwendigkeit, viele Strategien rasch und gut zu erproben und somit die Krise auch als Chance zu nutzen“, erklärt Thym.

Die fünf Strategie-Trends

  1. Hybrid-Shopping bleibt – der Online-Anteil wächst

Der stationäre Handel sei nicht tot und werde auch in Zukunft nicht verschwinden, wie die Offerista Group sagt. Drei von vier österreichischen Konsumenten (75%) vermissen es laut einer Offerista-Studie während der Pandemie, vor Ort im Laden einzukaufen – in erster Linie, weil ihnen das Kauferlebnis im Store aber auch das Anschauen und Anprobieren von Produkten fehlt.

Der mit der Pandemie verbundene Umsatzrückgang habe für viele stationäre Geschäfte dramatische Konsequenzen, erklärt Benjamin Thym. „Sie müssen sich komplett wandelninnovativer, digitaler und serviceorientierter werden.“ Bisher rechnete das IFH Köln mit einem Online-Anteil am Handel von bis zu 22% bis 2030. Nun werden diese „Vor-Corona-Prognosen“ insgesamt bis zu acht Jahre früher eintreten. Thym sagt: „Doch nicht alle Händler brauchen künftig Online-Shops, allerdings sollten sie im Netz mit ihrer Marke und ihren Angeboten präsent sein – mit einer Website, über Social Media, digitale Werbeformate oder Bewertungen. Stichwort Omni-Channel. Durchschnittlich brauchen Konsumierende nämlich sechs Kontrapunkte bis zum Kauf.“

  1. Kundenerlebnisse gewinnen an Bedeutung

Das normale Konsumverhalten ist durch die eingeschränkten Möglichkeiten in der Corona-Krise gestört. Der Wunsch nach besonderen Einkaufserlebnissen, die Experience Economy, wird dadurch langfristig an Bedeutung gewinnen. Thym sagt: „Jeder Ausflug zum Shopping in die Innenstadt wird dann zu einer bewussten Entscheidung der Konsumierenden. Der Wert des Einkaufens und des physischen Erlebnisses nimmt zu. Dabei werden jene Händler und Marken gewinnen, die ein herausragendes und konsistentes Kundenerlebnis offline wie online bieten. Die Customer Experience wird ein noch stärkerer Wettbewerbsvorteil, wenn sich Produkte immer ähnlicher, der Preiswettbewerb immer härter und Märkte immer transparenter werden.“

  1. Chancen durch Kooperationen und Marktplätze

    Benjamin Thym, Gründer und CEO des Retail Marketing Networks Offerista Group. (Foto: Offerista Group Austria)

Erst kürzlich hat das Modeunternehmen C&A Aufsehen damit erregt, nun auch über Zalando zu verkaufen, um von der Reichweite des bekannten Online-Modehändlers zu profitieren. Der Offerista CEO erläutert: „Händler sollten tatsächlich dort sichtbar sein und ihre Produkte anbieten, wo sich ihre Kunden bewegen. Denn sind sie es nicht, profitieren andere. Warum also nicht sowohl die eigene Plattform stärken als auch parallel Marktplätze und Retail-Media-Angebote nutzen? Immer mehr Händler werden zukünftig ihre Kundenkontakte monetarisieren, wie beispielsweise Intersport, die Werbeflächen in den Online-Kanälen und auf den Flächen der Händler vor Ort zur Vermarktung anbieten, auch für branchenfremde Unternehmen. Auch hier gilt der Omnichannel-Ansatz, um mehr Sichtbarkeit, Reichweite und neue Zielgruppen zu erreichen.“

  1. Social Shopping ist auf dem Vormarsch

Die Pandemie treibt das Social Shopping voran. Dabei werden zwei Dinge verknüpft, die den Menschen in dieser Zeit so fehlen: der Austausch miteinander und das Einkaufen. Thym erklärt: „Über Social-Shopping-Apps oder Social-Media-Plattformen wie Instagram kann digital und auch live zusammen mit Freunden oder anderen Fans einer Marke eingekauft werden. Knapp ein Drittel der Deutschen hat schon einmal über Social-Media-Kanäle Produkte bestellt. Während der Corona-Krise haben(laut Greven Medien/YouGov, 2020) 9% dies entweder das erste Mal oder verstärkt getan. Social Shopping bietet weitere wichtige Touchpoints mit den Konsumenten, auf die Marken und Händler künftig setzen sollten.“

  1. Nichts geht mehr ohne Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist nicht einfach nur mehr ein Trend. Nachhaltigkeit ist eine gesetzte Richtung, in die sich Produkte, Verpackungen, Logistik und das Handelsmarketing mittelfristig bewegen müssen. Thym erklärt dazu: „Selbst traditionelle Artikel wie Zahnbürsten aus Plastik werden heute hinterfragt. Dasselbe gilt für auch für klassische Werbeformen wie dem gedruckten Prospekt, für das es bereits smarte digitale Alternativen gibt. Und diese werden auch von Konsumenten begrüßt. 62% der österreichischen Verbraucher informieren sich heute häufiger über Angebote des Handels auf digitalen Kanälen, wie Websites, Apps und Social Media, als noch vor einigen Jahren. Und für 70% hat die Digitalisierung der Angebotskommunikation das Print-Prospekt ersetzt.“

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