Montag, 18. Oktober 2021
Nachholbedarf bei KMU wird eher größer

Drei Digitalisierungsindex 2021: Corona-Schub nur für große Unternehmen

Telekom | Dominik Schebach | 11.05.2021 | | 1  
Die Digitalisierung hat in fast allen Branchen mehr Digitalisierung gebracht. Diese blieb allerdings oft hinter den Erwartungen. Die Digitalisierung hat in fast allen Branchen mehr Digitalisierung gebracht. Diese blieb allerdings oft hinter den Erwartungen. Seit 2017 erhebt Drei gemeinsam mit Arthur D. Little den Digitalisierungsindex für Österreich. Die vierte Auflage der Studie zeigt: Der Digitalisierungsschub durch Corona ist in Österreich sehr unterschiedlich angekommen. Während Großunternehmen und einzelne Branchen wie Bildung, Kultur, Kommunikationswirtschaft und Tourismus starke Fortschritte erzielt haben, haben gerade schwer betroffene Branchen wie Handel, Handwerk und Logistik nur wenige durch weitere Digitalisierungsschritte den Betrieb aufrechterhalten.
Drei CEO Rudolf Schrefl sieht in der ungleichmäßigen Digitalisierung auch ein Problem für die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs: „„Die weitere Digitalisierung der österreichischen Unternehmen wird für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit nach Corona entscheidend sein. Daher müssen wir jetzt alles unternehmen, um die digitale Kluft zwischen Klein- und Großbetrieben, die sich hier in einem Jahr Pandemie weiter geöffnet hat, wieder zu schließen.“

Die schnelle Reaktion vieler Unternehmen auf Corona hat das Bild verzerrt. Ein Jahr Corona-Pandemie hat die Digitalisierung der österreichischen Unternehmen bei weitem nicht so stark beschleunigt wie angenommen. Im Handel etwa hat gerade einmal jedes zehnte Unternehmen verstärkt auf neue Online-Absatzkanäle gesetzt, wie die in Zusammenarbeit mit marketmind erhobenen Daten zeigen. Zudem hat sich gezeigt: Vor allem KMU wurden von der Krise so massiv getroffen, dass an die notwendigen Investitionen zur Digitalisierung oft gar nicht zu denken war. Die Kluft zwischen Klein und Groß hat sich dadurch noch weiter vergrößert. Von den größten Unternehmen des Landes gaben in der aktuellen Befragung mehr als 90% an, dass Corona ihre Digitalisierung beschleunigt hat. Im Gesamtdurchschnitt über alle Unternehmenskategorien betrachtet hat jedoch kaum mehr als ein Drittel digitale Fortschritte erzielt.

„Zweifelsohne hat Corona in Österreich für einen Digitalisierungsschub gesorgt. Auch wenn es immer noch viel zu wenige sind, gab es unter den österreichischen Unternehmen noch nie so viele ,digitale Champions‘. Die knapp 20% der Betriebe, die man in Österreich grundsätzlich als digitalisiert bezeichnen kann, sind aber mit wenigen Ausnahmen Großbetriebe“, so Drei CEO Rudolf Schrefl bei der heutigen Präsentation der Studienergebnisse. „Vielen Klein- und Kleinstbetrieben hat die Pandemie schwer zugesetzt. Diesen Betrieben müssen wir jetzt besonders zur Seite stehen, damit wir auf dem Weg in die Zukunft niemanden zurücklassen.“

Fünf Faktoren

Der Digitalisierungsindex errechnet sich aus fünf Einzelfaktoren – von der IT-Ausstattung und Vernetzung, über Online-Präsenz und -vertrieb bis zur Arbeitsweise. Auf einer Skala von eins bis hundert misst der Index den Digitalisierungsgrad des Unternehmens. Heimische Großbetriebe erreichten dabei zuletzt einen durchschnittlichen Fortschrittsgrad von 54 Zählern, um 11 Punkte mehr als noch 2019. Bei Kleinstunternehmen habe sich der Wert mit 34 Zählern allerdings kaum verändert, wie Schrefl ausführte. In Summe sei damit der Digitalisierungsindex für Unternehmen in Österreich 2021, gegenüber vor der Pandemie, nur Marginal von 34 auf 35 Punkte gestiegen.

Damit erklärt sich auch das unterschiedliche Bild bei der Digitalisierung der österreichischen Unternehmen. Laut Stefan Schiel, Managing Partner von marketmind, haben mehr als die Hälfte der Großunternehmen im Zuge der Pandemie Home-Office oder Videokonferenztools eingeführt oder deren Einsatz verstärkt. Berücksichtigt man jedoch auch die kleinen Betriebe, geben gerade einmal 8% an, vermehrt Videotelefonie zu nutzen und nur 6% haben in Corona-Zeiten zum ersten Mal oder verstärkt im Home-Office gearbeitet. In Summe wird Home-Office nun in vier von zehn Unternehmen genutzt. Fast die Hälfte der Betriebe arbeitet auch nach Corona weiterhin ohne Telefon-, Video- und Webkonferenzen und ohne Digitale Signatur. Cloud-Services nutzen überhaupt erst 39% der Betriebe.

Haupttreiber der Digitalisierung im vergangenen Jahr waren demnach die Veränderung der Kommunikationskanäle und interner Abläufe und die Einführung neuer Arbeitsmodelle. Chancen sehen Unternehmen in der Digitalisierung der Kundenakquise, Kostenersparnis und der Erhöhung der Flexibilität. Es scheitert gerade bei KMUs oft am Grundsätzlichen. Für KMUs sind rechtliche Anforderungen, fehlendes Know-how sowie veraltete IT-Infrastruktur und der mangelhafte Internetzugang die größten Hürden bei der Digitalisierung.

Aus den Ergebnissen der Studie leitet . Hier müsse man auch ansetzen, wie Karim Taga, Managing Partner von ADL Austria Ausführt: „Initiativen für mehr Beratung und für eine leichtere Finanzierung gibt es, müssen aber noch bekannter werden. Außerdem benötigen die Betriebe dringend breitflächig schnelles Internet: Rund ein Drittel sitzt hier immer noch vor leeren Gläsern.“

Das hat Folgen: Über alle Branchen verzichtet nach wie vor jedes dritte Unternehmen auf die digitale Ansprache bestehender und neuer Kunden. Dementsprechend erzielt immer noch der Großteil der Unternehmen unter 10% des Umsatzes über digitale Kanäle. Immer noch besitzt ein Viertel der Betriebe keine eigene Website und nur ein Zehntel verfügt über einen Webshop. Ähnlich die Situation im Gesundheits- und Sozialwesen, wo Online-Termin-Buchungen, digitale Befunde, E-Medikation und elektronischer Impfpass eine völlig neue Bedeutung gewonnen haben. Dennoch ist das Gesundheitswesen nach wie vor der am schwächsten digitalisierte Sektor in Österreich.

Wettbewerbsfähigkeit

„Die weitere Digitalisierung der österreichischen Unternehmen wird für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit nach Corona entscheidend sein. Daher müssen wir jetzt alles unternehmen, um die digitale Kluft zwischen Klein- und Großbetrieben, die sich hier in einem Jahr Pandemie weiter geöffnet hat, wieder zu schließen„, betont deswegen auch Schrefl.

Um die Klein- und Mittelbetriebe zu unterstützen, hat Drei 2018 die InitiativeDrei Digitalimpuls“ ins Leben gerufen, in dessen Rahmen der Drei Digitalimpuls Award in diesem Jahr bereits zum dritten Mal an digitale Vorreiter in Österreich verliehen wird. Drei Österreich ist auch Teil der Regierungsinitiative Digital Team Österreich. Im Zuge dessen hat Drei in der Pandemie mehreren tausend Unternehmen einen leistungsstarken, gratis Internet-Zugang zur Verfügung gestellt. In den kommenden Jahren errichtet Drei zudem das größte 5G Netz Österreichs und wird damit auch mehr als 700 der entlegensten Gemeinden Österreich erstmals mit High Speed-Internet versorgen. Dabei setze Drei auch auf die Unterstützung der Politik. „Die heimischen Telekombetreiber werden in den kommenden Jahren für die Anbindung der österreichischen Unternehmen an schnelles Internet drei Milliarden Euro investieren. Dafür benötigen wir faire rechtliche Rahmenbedingungen, die den 5G Ausbau beschleunigen und nicht behindern“, so Schrefl.

Stakeholder

Die notwendige Beratung der KMUs, technische Rückstände und Anbindung für die weitere Digitalisierung könnten allerdings nicht von den Netzbetreibern alleine gemeistert werden. Das bedürfe der gemeinsamen Anstrengung aller Stakeholder, so Karim Taga, Arthur D. Little (ADL) Austria. Gemeinsame Anstrengungen der drei wesentlichen Stakeholder ICT-Anbieter, öffentliche Hand und Corporates seien seiner Ansicht nach notwendig, um mit effektiven Maßnahmen und Programmen die digitale Transformation zu unterstützen und Anreize zur Digitalisierung zu schaffen.

„ICT-Anbieter sollten flächendeckende leistungsfähige Infrastruktur schaffen und ihre Angebote auf die Bedürfnisse von KMUs zuschneiden. Die öffentliche Hand sollte existierende Initiativen weiter fördern und gleichzeitig neue innovative Programme einführen. Corporates sollten ein digitales Ökosystem stimulieren, Know-how-Transfer ermöglichen und ein regionales Ökosystem aufbauen“, empfiehlt Taga abschließend.

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Kommentare (1)

  1. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung im digitalen Marketingbereich für KMUs berichten, wo die Sichtbarkeit in den Suchmaschinen auch eng verknüpft mit den Unternehmenszielen stehen. Und da ist nicht das Problem, dass etablierte Unternehmen nicht die Mittel haben, um neue Prozesse und Innovationen zu integrieren. Sondern es liegt auch in der geringen Affinität zu den neuen Trends im digitalen Marketingbereich. Allerdings unterscheidet sich das von Unternehmen zu Unternehmen. Es müssen vielmehr digitale Förderprogramme für KMUs unterstützet werden, die vom Staat kommen. Nur so kann die Bereitschaft für mehr Digitalisierung, die ja in den letzten Jahren das große Thema bei Kleinunternehmen und Mittelstand ist, vorangetrieben werden.

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