Freitag, 18. Juni 2021
Nach langer Durststrecke

Anleitung für einen gelungenen Gastronomiebesuch

Stefanie Bruckbauer | 23.05.2021 | Bilder | | 1  

Stefanie Bruckbauer
Vor fünf Tagen eröffnete die Gastronomie endlich wieder nach einer langen Durststrecke ihre Tore. Damit bei Ihrem ersten Besuch nichts schief geht und Sie sich zurechtfinden, gebe ich Ihnen – nur für alle Fälle – ein paar Tipps, damit es ein gelungener Aufenthalt wird.

Am 19. Mai öffnete die Gastronomie. Es war eine lange Durststrecke, eine gefühlte Ewigkeit, die man mit Hilfe von Fertig- und Tiefkühlmenüs, Koch- und Back-Experimenten sowie kalten Jausen überwand. Der nette Herr vom Lieferdienst wurde zum neuen besten Freund. Die Stimme hinter der Bestellannahme zur neuen Vertrauten. Doch das hat nun ein Ende. Jetzt kann man endlich wieder ins Beisl gehen, wenn man keine Lust darauf hat Zuhause zu essen. Aber Vorsicht, es gibt einiges zu beachten.

Zuerst einmal: Ziehen Sie sich etwas Ordentliches an. Die Zeiten virtueller Treffen, bei denen man Sie nur vom Bauchnabel aufwärts sah, sind vorbei. Keine Angst: Die Ansprüche werden anfangs nicht all zu hoch sein. Keiner hat im letzten Jahr neue Kleidung eingekauft und auch die anderen müssen sich erst daran gewöhnen, dass sich die Phase, in der man mit Jogginghose und Hoodie verwachsen war, dem Ende zuneigt. All jenen, denen dieser Gedanke Angst macht, sei Karl Lagerfeld in Erinnerung gerufen, der einst sagte: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Na also, wenn Sie die Kontrolle über Ihren Wirthausbesuch behalten wollen, ziehen Sie die Jogginghose aus.

Vor dem Lokal angekommen müssen Sie eine FFP2-Maske aufsetzen und nicht vergessen, es gilt: „GGG“. GGG steht nicht, wie man vielleicht denken könnte, für „g’wasch’n, g’schneuzt oder g‘kampelt“, sondern für „getestet, genesen oder geimpft“. Eines davon sollten Sie sein, denn wenn nicht, war der ganze Aufwand mit dem Umziehen umsonst und Sie werden wieder nachhause geschickt. Was die Tests angeht sollten Sie noch wissen: Ein PCR-Test gilt für 3 Tage. Ein Antigen-Test gilt für 2 Tage. Ein digitaler Selbsttest gilt für 1 Tag. Und für alle gilt: Sie müssen negativ sein! (… auch etwas, das wir in den letzten Monaten gelernt haben: Ein negatives Testergebnis bedeutet nicht, wie es uns in der Schule beigebracht wurde, zwangsläufig etwas Schlechtes.) Angeblich wird es auch Selbsttests vor Ort geben, quasi für Kurzentschlossene. Diese Selbsttests sind allerdings als „absolute Ausnahme“ zu verstehen, wie die Regierung betont, und sie gelten auch nur für die Dauer des Aufenthalts in dem einen Betrieb. Das heißt, eine ungeplante Beislralley würde auch zur spontanen Testralley, da man in jedem einzelnen Lokal, das man aufsucht, einen Selbsttest machen müsste. (Ich frage mich ja ob man mit zunehmendem Alkoholgehalt im Blut immer besser mit dem Staberl in die Nase zielt bzw trifft oder immer schlechter …)

Wenn Sie das Lokal betreten, können sie Ihre Jacke, ihren Mantel ausziehen, die Schuhe sollten Sie aber anlassen. Sie können zudem ein leises „Guten Tag“ oder „Guten Abend“ in den Raum werfen, ein überschwängliches Begrüßen jedes einzelnen anwesenden Gastes ist aber eher nicht angebracht, auch wenn Sie so überwältigt sind von der Tatsache, dass Sie endlich wieder mehr und vor allem auch andere Leute sehen, als die, die im selben Haushalt leben wie Sie.

Am Tisch im Lokal angekommen, dürfen Sie die Maske abnehmen und sich setzen (Füße dabei unterm Tisch lassen). Wundern Sie sich nicht, wenn eine unbekannte Person auf Sie zukommt und Sie nach ihren Kontaktdaten fragt. Es handelt sich dabei nicht um einen miesen Aufreißspruch, sondern lediglich um die bereits bekannte Registrierungspflicht. Bleiben Sie gelassen. Sagen Sie Ihren Namen, Ihre Adresse, Ihre Mailadresse und Telefonnummer und berichten Sie von Ihrem „G“.  Soll heißen, Sie zeigen entweder ein Testergebnis her (behördlich anerkannt und wie schon erwähnt negativ) oder Ihren grünen Pass (und falls Sie den nicht haben, eine Bestätigung des Impfstatus mittels Papier-Impfpass) oder Sie schildern dem Fragenden leidvoll Ihre überstandene Corona-Infektion mit allen grausigen Details und bestätigen das im Nachgang mittels Absonderungsbescheid oder ärztlicher Bestätigung (das mit den grausigen Details müsste im Grunde gar nicht sein, aber der Fragende soll auch etwas davon haben.) Übrigens: Sie werden den oder die Unbekannte an diesem Abend noch öfter sehen. Sie können ihn oder sie mit den Worten „Herr Ober“ oder „Fräulein“ auch dazu bewegen an Ihren Tisch zu kommen.

Wenn alle administrativen Dinge geklärt sind, wird Ihnen eine Art Mappe überreicht. Das ist die Speisekarte und sie ähnelt in der Anwendung den Apps, mit denen Sie in den letzten Monaten im Speisenangebot der Lieferdienste surften. Nur: Im Lokal müssen Sie nicht scrollen, wischen und schlussendlich tippen, sondern Sie blättern, schmökern (in Ruhe, und ohne, dass das Blatt nach zwei Minuten schwarz wird) und können Ihren Wunsch ganz einfach laut aussprechen – das funktioniert.

Wundern Sie sich nicht! Die Getränke werden nicht in ganzen Gebinden gereicht, also nicht in 0,5 Liter Bierflaschen, 0,75 Liter Weinfalschen oder 1 L Wasserflaschen, sondern offen und noch dazu in echten Gläsern. Vorsicht also beim Hantieren und beim ersten Schluck! Die Öffnung, aus der man trinkt, ist größer, also setzen Sie mit weniger Schwung an.

Surprise! Das Essen wird für Sie nicht nur zubereitet, es wird Ihnen sogar serviert, offen und auf echten Tellern, und nicht in geschlossenen Boxen, mit Alufolie abgedeckten Papptellern oder Kunststoffschüsseln. Und Sie werden sich freuen: Voraussichtich wird das Essen auch noch warm sein, nachdem Sie es bekommen haben. Aber laufen Sie nicht weg damit und suchen sich 50 Meter entfernt einen Ort, wo sie es verzehren können. Sie dürfen sitzen bleiben. Ja genau, dort wo Ihnen das Essen serviert wurde.

Nun könnte es heikel werden. Es gibt nämlich keinen Fernseher, in den Sie während des Essens reinschauen können, sondern, Ihnen sitzt jemand gegenüber, der höchstwahrscheinlich von Ihnen erwartet, dass Sie sich mit ihm auseinandersetzen. Das können eine bis maximal drei Personen sein. In jedem Fall geht es nun darum miteinander zu reden – live, ohne Bildschirm und ohne Kamera. Es gibt auch keine „Hintergrundeffekte“, mit denen Sie herumspielen (und Ihre Gegenüber unterhalten) könnten. Betrachten Sie es als eine Art Sozialexperiment. Aber Vorsicht mit dem was Sie sagen: Es gibt keine Stummschaltung!

Und …

Ansonsten gilt für Ihren ersten Gastronomiebesuch: Sie müssen die Teller nicht selbst in die Küche bringen und abwaschen, sondern das machen der nette Herr oder die nette Dame für Sie. Anders als beim Lieferdienst, wird im Restaurant nach dem Essen bezahlt. Einfach aufstehen und gehen, wenn man fertig ist, kommt also wahrscheinlich nicht so gut an. Wenn sie Ihre „drei G’s“ beisammen haben, nämlich „gegessen, getrunken und gezahlt“, dann können Sie den Abend beenden. Eines noch: Drehen Sie nicht das Licht ab, wenn sie das Lokal verlassen.

Bilder
Endlich hat die Gastronomie wieder geöffnet. Hier ein kleiner Leitfaden für einen gelungenen Abend. (Bild: Rainer Sturm/ pixelio.de)
Endlich hat die Gastronomie wieder geöffnet. Hier ein kleiner Leitfaden für einen gelungenen Abend. (Bild: Rainer Sturm/ pixelio.de)

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