Donnerstag, 2. Dezember 2021
Technologie leben auf dem Hype Cycle

Nach dem Tal der Tränen

Telekom | Dominik Schebach | 23.05.2021 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Immer wieder werden vielversprechende Technologien vorgestellt, nur um es dann nicht und nicht in den Mainstream zu schaffen. Ein Paradebeispiel in dieser Kategorie ist sicher Virtual Reality. Das Potenzial lässt sich nicht abstreiten, aber seit Jahren bewegt sich hier nichts weiter und so mancher hat die Technologie schon wieder abgeschrieben. – Voreilig meine ich.

In den Sci-Fi-Romanen der 80er und 90er war Virtual Reality das große Ding. Und wirklich, die Technologie erschien immer wieder knapp vor dem Durchbruch, der Hype war groß – und trotzdem gelang es ihr bisher nicht, im Endkunden-Segment Fuß zu fassen. Andererseits verschwindet die Technologie auch nicht wieder. Vielmehr führen VR-Anwendungen ein Nischendasein. Denn im professionellen Bereich gewinnt Virtual Reality und deren kleine Schwester Augmented Reality immer mehr Anwender

Zuletzt hat die WKO eine Informationsplattform auf der Basis von Virtual Reality gestartet. Hier kann die Technologie auch ihre Stärken voll ausspielen. Denn die VR-Anwendung ermöglicht es den interessierten Jugendlichen vollkommen in die Lebenswelten der verschiedenen Lehrberufe einzutauchen. Ein anderer Use-Case sind Anwendungen wie sie z.B. Küche&Co. in der Küchenplanung präsentiert hat. In diesen begrenzten Settings lassen sich auch die Klippen, wie begrenzter Content, langsame Internet-Anbindungen und hohe Systemanforderungen sowie natürlich die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen VR-Headsets bei den Endanwendern, umschiffen. Unter diesen Gesichtspunkten erweckt VR mehr den Anschein einer Technologie, deren Zeit noch kommen kann.

Dieses Schicksal teilt VR mit vielen anderen coolen Technologien. Gartner hat dem Phänomen einen eigenen Namen gegeben: Hype Cycle. Dort folgt nach der ersten Innovation für eine Technologie oft der „Gipfel der überzogenen Erwartungen“. Von diesem stürzt sich nur allzu leicht in das „Tal der Desillusionierung“, bevor sich die Technologie langsam wieder den „Hang der Erkenntnis“ hinauf kämpft, um schließlich ihren Platz zu finden. Je revolutionärer die Technologie, desto größer ist allerdings die Gefahr, dass sie auf diesem Hype Cycle verglüht, wenn sie nicht im ersten Anlauf den Durchbruch schafft.

Mich erinnert dieser Hype Cycle immer auch an die Geschichte von UMTS. Da wurden ebenfalls immense Erwartungen geweckt. Die Industrie forcierte Video-Telefonie als die Killer-Applikation und investierte Unmengen an Geld in Lizenzen sowie den Ausbau der Netze. Nur bei den Kunden fand dies keinen Gefallen, was in einer veritablen Krise der Mobilfunkindustrie resultierte. Geliefert haben dann schließlich die puren Datendienste – und brachten damit die Entwicklung wieder auf Spur. Deswegen schreibe ich äußerst ungern eine Technologie sofort ab. Oft braucht es nur die geeignete Nische, damit eine Technologie wie VR noch reifen kann. Und oft entsteht in dieser Phase durch die Kombination von verschiedenen Ansätzen ein gänzlich neues Produkt – und dann wird es wirklich spannend.

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Virtuelle Welten gelten schon länger als das nächste große Ding. Der Durchbruch im Endkonsumenten-Bereich steht allerdings noch immer aus.
Virtuelle Welten gelten schon länger als das nächste große Ding. Der Durchbruch im Endkonsumenten-Bereich steht allerdings noch immer aus. (© HTC)
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