Mittwoch, 4. August 2021
Kommentar E&W Juli-Ausgabe 2021

Glaubensfrage

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 11.07.2021 | Bilder | | 1  
(Bild: Judith Lisser-Meister/ pixelio.de) (Bild: Judith Lisser-Meister/ pixelio.de) Sie wurde wieder Mal abgesagt: Unsere Branchenmesse. Offiziell heißt es, dass diese Entscheidung aus Coronagründen getroffen wurde. Doch ich glaube nicht, dass das der einzige bzw. ausschlaggebende Grund war.

Die EFHT im Herbst sind also abgesagt. Fix. Derzeit spricht man von einer Verschiebung ins Frühjahr 2022, aber wer weiß das schon so genau … Corona wird uns noch länger begleiten, glaube nicht nur ich, sondern sagen auch Experten, und das Virus bzw. die damit einhergehenden Unsicherheiten was (große) Veranstaltungen betrifft, ist ja immerhin das offizielle Hauptargument für die Absage der EFHT. Wer will sich schon zwei Tage lang maskiert auf einer Messe tummeln. Und stellen Sie sich vor, jeder Besucher müsste davor einen Test machen. Das gastronomische Angebot wäre voraussichtlich auch eingeschränkt, und darf man eine Abendveranstaltung mit hunderten Leuten machen? Was, wenn nicht? Eine Fachmesse ohne Red Zac-, Expert- oder EP:Festl am Abend? Nein, das wollen wir nicht.

Aber ich glaube ganz ehrlich gesagt nicht, dass es nur an der Unsicherheit liegt. Ich glaube viel eher, dass es an einem fehlenden Konzept liegt, warum die EFHT wieder einmal abgesagt wurden. Die teilnehmenden Parteien wünschen sich was Neues, was Aufregendes, ein Format, über das die Leute sagen „WOW! Da wollen wir hin!“. Dieser Wunsch ist übrigens nicht neu. Soweit ich mich erinnere, geht es seit ungefähr 2016 um die grundsätzliche Frage: Wie stellen wir die Branchenmesse auf, sodass sie jedem Spaß macht, sodass sich jeder darauf freut.

Corona hat uns da einige Möglichkeiten aufgezeigt. Nämlich insofern, dass im letzten Jahr nur virtuelle Veranstaltungen möglich waren und die waren anfangs zugegebenermaßen zwar etwas holprig, wurden mit steigender Zahl der Events allerdings immer besser und professioneller. Nicht, dass so ein digitales Format eine Präsenzmesse ersetzen könnte. Niemals! Das zeigen die Besucherzahlen der diversen Onlineevents im letzten Jahr schon auf den ersten Blick sehr deutlich. Aber in Kombination mit einer physischen Messe könnte man etwas richtig Geiles auf die Beine stellen. Man muss sich halt etwas überlegen.

Ich glaube: Solange wir kein neues Konzept für die EFHT haben, wird die Messe nicht mehr auf die Beine kommen. Es wird jedes Jahr weiter diskutiert und gestritten werden, bis die Messe immer kleiner und mieser wird und bis schließlich keiner mehr hingeht. Dann ist‘s vorbei. Aber wollen wir das? Wenn man mit den Leuten darüber redet, kommt man zum Schluss: Nein, das wollen wir – die Branche – scheinbar nicht. Jeder sagt: „Ich will eine Messe“, mit dem Nachsatz: „Wenn es eine gute Messe ist.“ Und was ist eine gute Messe? Wenn alle drei Kooperationen mit all ihren Händlern daran beteiligt sind. Wenn alle Bereiche unserer Branche, große Hausgeräte, Elektrokleingeräte, Unterhaltungselektronik und Telekom dabei sind. UND wenn ein gutes Konzept zugrunde liegt.

Handelsverband-GF Rainer Will sagte (im Interview, das Sie auf Seite 20 der in Kürze erscheinenden E&W Juli-Ausgabe finden): „Wir müssen den Sommer nutzen, um unsere Hausaufgaben zu machen.“ Er sprach dabei zwar die Vorbereitungen auf den Herbst bzw. die nächste mögliche Coronawelle an, aber ich finde diese Aussage passt auch sehr gut zum Messethema. Wenn die Messe wirklich im Frühjahr stattfinden soll, dann sollte die Zeit bis dahin, und vor allem der Sommer, der ja erfahrungsgemäß immer etwas ruhiger ist, dazu genutzt werden, um ein richtig cooles Event zu konzipieren. Ganz ehrlich? Rocket Science ist das keine. Und wir müssen ja nichts Neues erfinden. Wir könnten einfach einen Blick auf andere Branchen werfen, die es schaffen, richtig geile Messen zu realisieren (Stichwort Küchen- und Möbelbranche) und Dinge abkupfern. Auch der Blick in andere Länder, z.B. nach Deutschland, könnte Ideen liefern. Unsere Nachbarn haben es ziemlich gut drauf, tolle Messen zu veranstalten.

Wie auch immer man es anstellt. Einfach zu warten, bis wir Corona im Griff haben, ist nicht die Rettung der EFHT! Da braucht es schon etwas mehr. Es braucht das Engagement aller Beteiligten. Jeder Einzelne muss das Event an sich wirklich wollen, muss sich reinhängen, es leben und vor allem: daran glauben!

Bilder
(Bild: Judith Lisser-Meister/ pixelio.de)
(Bild: Judith Lisser-Meister/ pixelio.de)

Kommentare (1)

  1. Und nochmals auch dazu:
    Also mal ehrlich: Mir geht das gemeckere über 3G und die Hindernisse und was alles nicht geht schon sehr auf den Sack.
    Besonders da es von einer sehr, sehr kleinen (aber umso lauteren (fehlinformierten!)) Minderheit kommt!
    Was ist denn dabei einen Test, ein Attest oder Impfnachweis zu kontrollieren bzw. herzuzeigen?
    Und was ist dabei eine Teststation einzurichten und für die Besucher sich testen zu lassen?
    Weit mehr als 90% der Branchenteilnehmer machen das im eigenen und im Interesse der Kunden ohnehin laufend und der Staat bietet eine perfekte Infrastruktur.

    Ich bin kein Expert Mitglied, und finde es super, dass die Kooperation Ihre Verantwortung wahrnimmt, und „Ihren Mitgliedern eine Möglichkeiten bietet“.
    Bravo👏👏👏
    Weder Mitglieder noch Industriepartner werden zur Teilnahme verpflichtet – ES IST EINE SPITZEN MÖGLICHKEIT ZUR ABGESICHERTEN TEILNAHME UND ZUM AUSTAUSCH!

    Vielleicht sind in der aktuellen Zeit ja die kleineren Veranstaltungen, (wie wir sie in Österreich ja schon hatten) anstelle der grossen Messen ja die optimalere Lösung?

    Und JA, es kostet mehr und ist ein grösserer Aufwand.
    Eben mal was anderes und nachhaltigeres als an Amazon, Media und Co die grossen Posten zuzuschieben und dabei beidseitig kräftig abzukassieren.
    Aber es lohnt sich seine Partnerschaft zum Fachhandel unter Beweis zu stellen! Und nicht nur diesem gegenüber burch grottenschlechte Liefersituationen aufzufallen.

    Sich als Hersteller oder Händler zudem „auf die Sicherheit zu berufen“, als Ausrede benutzen um nicht teilzunehmen, aber möglicherweise z.B. bis zum abwinken in der Nachtgastro, (noch dazu nicht regelkonform abzufeiern), – das ist scheinheilig – oder?

    Ich kenne Fredi Kapfer und sein Team seit Jahrzehnten und bin mir sicher, dass das eine super Möglichkeit für die Mitglieder und Partner wird.
    Wünsche Such das Allerbeste und viel Erfolg!👍👏
    Er nimmt da jetzt ähnlich einem Fritz Sobol vor Jahren mit der tollen Salzburger EP Messe im Congresszentrum endlich das Heft selbst in die Hand👏👍🍀.
    Hoffe es finden sich auch in den anderen Koops wieder mehr mutige Entscheidungsträger die endlich auch wieder vermehrt aktiv (h)(H)andeln!

    Und den trägen Messeveranstaltern, die es leider in mehr als einem Jahr nicht geschafft haben da etwas auf die Beine zu stellen:
    Sorry – aber Thema zu 100% verfehlt und durchgefallen.
    Ihr stellt doch Eure Daseinsberechtigung, die anscheinend nur noch durch die Verwaltung der Messelokations besteht, selbst in Frage – oder?
    LÖSUNGEN – nicht unproduktiv meckern.

    Wennschon dann bitte Lösungsorientiert und zielgerichtet „quaken“ – oder?

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