Montag, 18. Oktober 2021
Editor's ChoiceDeltavariante gefährdet Restart – zusätzliche Entlastung für Branche notwendig

Trefelik: Handelsumsätze wieder leicht über Vorkrisenniveau

Die Branche | Dominik Schebach | 21.08.2021 | |  
Spartenobmann Rainer Trefelik sieht einen geglückten Restart für die meisten Bereiche des Handels. Einen Dämpfer für die Entwicklung könnte allerdings durch eine Rückkehr der Lockdowns geben - er fordert daher eine steuerliche Entlastung der Österreicher und der heimischen Betriebe. Spartenobmann Rainer Trefelik sieht einen geglückten Restart für die meisten Bereiche des Handels. Einen Dämpfer für die Entwicklung könnte allerdings durch eine Rückkehr der Lockdowns geben - er fordert daher eine steuerliche Entlastung der Österreicher und der heimischen Betriebe. In Summe konnte der österreichische Handel in den ersten fünf Monaten 2021 Netto-Umsätze in Höhe von rund 114,2 Mrd. Euro generieren und damit um nominell 11,8 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2020. Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 steigerten sich die Erlöse um 0,8 Prozent, wie Rainer Trefelik bekannt gab. Der Restart könnte aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens aber wieder einen Dämpfer erhalten, warnt der Obmann der Bundessparte Handel.

„Der österreichische Handel konnte nach einem coronabedingt extrem herausfordernden Jahr 2020 in den vergangenen Monaten einen deutlichen Restart hinlegen. Das ist ein Grund zur Freude, aber nicht für Euphorie: Das aktuell wieder steigende Infektionsgeschehen könnte dieser positiven Entwicklung nämlich einen Strich durch die Rechnung machen“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Bundesparte Handel.

Trotz der Umsatzzuwächse für die Sparte als Ganzes gibt es innerhalb des Handels allerdings Bereiche, die in den ersten Monaten des Jahres 2021 deutlich unter Vorkrisenniveau blieben: So ist etwa im Bekleidungs– sowie Schuhhandel der Restart nicht gelungen, die Umsätze liegen nach wie vor mehr als 20 Prozent zurück; auch der Schmuckhandel, der Spielwaren- und Sportartikelhandel sowie der Bücher- und Zeitschriftenhandel erreichten bislang nicht das Umsatzniveau von 2019. Eine erfreuliche Entwicklung konnte dagegen der EFH, dieser konnte von Jänner bis Mai 2021 seine Umsätze gegenüber 2020 um 10,1% steigern, gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 wuchs der Umsatz um 6,9%.

„Um allen Branchen einen Restart zu erleichtern, den heimischen Handel generell zu stärken und damit krisensicher aufzustellen, braucht es dringend Entlastungsmaßnahmen, insbesondere eine Senkung der Lohn- und Einkommensteuer, damit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Netto vom Brutto bleibt, und die Senkung der KÖSt“, fordert deswegen Trefelik.

Veränderungen im Einzelhandel

Im Einzelhandel lagen die Netto-Umsätze im ersten Halbjahr 2021 bei rund 35,2 Mrd. Euro. Das entspricht einem Wachstum von 6,4% gegenüber 2020 bzw. +4,3% zu 2019. Damit erwirtschaftete die Sparte gegenüber 2020 rund 2,1 Mrd. Euro netto mehr (+1,4 Mrd. Euro zu 2019). Auch der Großhandel konnte von Jänner bis Mai 2021 mit einer Steigerungsrate von nominell 11,1 Prozent gegenüber 2020 das Vorkrisenniveau übertreffen (+0,4 Prozent gegenüber 2019).

„Das Wachstum im Online-Handel hielt an, wenngleich sich die Wachstumsdynamik im ersten Halbjahr 2021 abschwächte und zum Teil wieder in den stationären Handel verlagerte“, so Peter Voithofer vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung. Veränderungen gab es auch bei den Serviceerwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten, zeigt eine Studie des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) im Auftrag der Bundesparte Handel.

Service ist zentrale Komponente im Kaufprozess

Laut der IHaM-Studie spielen für 8 von 10 Österreicherinnen und Österreicher Services beim Einkauf in Ladengeschäften und für 7 von 10 beim Online-Shopping eine wichtige Rolle. „Basierend auf den gestiegenen Serviceerwartungen in der Covid-19-Krise kristallisieren sich mehrere Trends heraus: Kunden und Kundinnen im Einzelhandel wollen mehr Qualität, digitale Begleitung im Einkaufsprozess, höhere Sicherheit sowie mehr Effizienz und Flexibilität beim Einkauf“, so Christoph Teller, Vorstand des Instituts für Handel, Absatz und Marketing an der JKU. „Einkaufen dient längst nicht mehr nur dem Konsumbedürfnis selbst, sondern steht für Shoppingerlebnisse“, ergänzt Ernst Gittenberger, Leiter des Centre of Retail and Consumer Research an der JKU.

Auf Basis der durchgeführten Konsumentenbefragung werden in Zukunft vor allem die Trends „Labeling“ (Kennzeichnungen) (für 70 Prozent der österreichischen Konsumenten in Zukunft wichtig), „Prove it“ (68 Prozent) sowie „Return to Experts“ (Expertenberatung) (62 Prozent) zentrale Bedeutung für den Einzelhandel erlangen. Im Lebensmittelhandel sind „Unmanned Stores“ und „Vending Maschines“ (Verkaufsboxen) weitere Trends.

Kurzarbeit geht zurück

Mit über 555.000 unselbständig Beschäftigten kann der Handel – durch Beschäftigungszuwächse im Groß- und Einzelhandel – ein Beschäftigungsplus von 2,3% im ersten Halbjahr 2021 verzeichnen. Das ist ein Zuwachs von 1,1% bzw. 6.000 Beschäftigten gegenüber dem Vorkrisenniveau. Beachtlich ist, dass der Einzelhandel erstmals die Marke von 300.000 Beschäftigten überschreiten konnte. Weit überdurchschnittliche Wachstumsraten konnte mit rund 29% der Onlinehandel verzeichnen. „Mit dem Anstieg der Beschäftigung sank auch die Arbeitslosenquote. So können 9,6% weniger Arbeitslose als im Vergleichszeitraum 2020 verzeichnet werden. Gleichzeitig stieg die Zahl der offenen Stellen auf 13.250, davon 70% im Einzelhandel“, so Trefelik.

Von den insgesamt mehr als 300.000 aus dem Handel insgesamt zur Kurzarbeit gemeldeten Personen seit März 2020 sind im Mai 2021 nur mehr weniger als 10% gemeldet. In Anspruch genommen wird sie derzeit im Wesentlichen von jenen Branchen, die umsatzmäßig das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht haben. Ebenfalls positiv entwickelte sich die Zahl der unselbständig Beschäftigten im Großhandel.

Umsatzzuwächse für das zweite Halbjahr 2021 erwartet

Der Restart im österreichischen Handel wird sich auch im zweiten Halbjahr 2021 fortsetzen. Dafür sprechen ein reales BIP-Wachstum im Gesamtjahr von 4,0% (laut WIFO-Juni-Prognose), eine Steigerung der Bruttowertschöpfung im Handel von 6,0% sowie ein erwarteter Rückgang der Sparquote von 13,9% im Jahr 2020 auf 10,2% im Gesamtjahr 2021. Im Handel wird für 2021 mit einer realen Steigerung der Bruttowertschöpfung von 6,0% gerechnet, die damit also über dem realen BIP-Wachstum liegen würde.

Das weitere Infektionsgeschehen könnte diese insgesamt positive Erwartungshaltung allerdings negativ beeinträchtigen – je nachdem, ob bzw. welche Maßnahmen im Herbst 2021 notwendig sind. „Wir müssen alles daransetzen, um einen weiteren Lockdown zu verhindern. Daher appelliere ich dringend an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen“, so Trefelik abschließend.

 

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