Mittwoch, 20. Oktober 2021
Handelsverband GF Rainer Will im E&W Interview

Laut und im Klartext

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 25.08.2021 | |  
Handelsverband Geschäftsführer Rainer Will im großen E&W-Interview. (Fotos: W. Schalko) Handelsverband Geschäftsführer Rainer Will im großen E&W-Interview. (Fotos: W. Schalko) Vor ein paar Jahren noch fristete der österreichische Handelsverband eher ein Schattendasein – bis 2014. Da kam Rainer Will als neuer Geschäftsführer und mit ihm änderte sich so ziemlich alles in der überparteilichen Institution. Sein Ziel lautet: Laut Klartext im Namen des Handels zu sprechen und diesem Gehör zu verschaffen. Daran arbeiten er und sein 7-köpfiges Team hartnäckig und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Wir interviewten Rainer Will für die Juli/August-Ausgabe der E&W. Hier finden Sie das Interview nochmal zum Nachlesen - inklusive einiger bisher noch nicht veröffentlichter Passagen.

Rainer Will ist seit 2014 Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbandes. Davor war der Schladminger im Kabinett des damaligen Vizekanzlers und Wirtschaftsministers Reinhold Mitterlehner tätig. Dort habe es ihn durch Zufall hin verschlagen, wie er erzählt: „Ich war nie einer Partei zugehörig. Mein einziger staatsnaher Job war einst beim Austria Wirtschaftsservice.“

In der Politik habe Will schnell gemerkt, dass eher die Partei zählt und nicht, was die Wirtschaft tatsächlich gerade braucht. Es kam der Punkt, an dem er sich nicht mehr wohlfühlte in dieser Position und da kam das Inserat, in dem ein Geschäftsführer für den österreichischen Handelsverband gesucht wurde, gerade recht. Will bewarb sich und setzte sich unter 500 Bewerbern durch.

Recht schnell erkannte Will, dass der Handelsverband zum damaligen Zeitpunkt keine echte Interessensvertretung darstellte. „Wurde ein Thema an den Verband herangetragen, wurde es in den meisten Fällen mit dem Vermerk ‚Bitte um Erledigung‘ an die Kammer weiter geleitet. Natürlich hat man manche Themen auch selbst angegriffen, so z.B. ‚das rote Tuch‘ Sonntagsöffnung oder die Festplattenabgabe. Aber das war’s dann“, berichtet Rainer Will, für den dann relativ schnell klar wurde, dass er „Schritt für Schritt eine richtige Interessensvertretung aufbauen muss und ein Verständnis dafür, was die Händler wirklich wollen, um das dann an die Politik zu kommunizieren, mit der Herausforderung, dass es auch den Wirtschaftsbund (als Teilfraktion der ÖVP) gibt und die Wirtschaftskammer, als Riesen-Oktopus der Wirtschaft, der quer über alle Parteien liegt.“

Will wusste: „Es ist einfach nicht meine Rolle, einer Partei nahe zu sein. Aber ich kann den Unternehmen nahe sein.“ Und das tat bzw. tut er auch – „mit logischem Hausverstand und einem roten Faden, was für mich anfangs nicht selbstverständlich war, da ich ja gelernt habe, dass im innersten Kern der Politik auch oft ganz bewusst das Logische nicht immer den Zuschlag erhält“, wie der Handelsverband GF mit einem Zwinkern sagt.
Will wünscht sich, dass es in Österreich mehr Institutionen wie den Handelsverband gibt. Denn: „Ich glaube, die Politik könnte vieles richtig machen, wenn man abseits eines einzementierten Interessensvertretungsmonopoles etwas mehr Diversität und Vielfalt zulassen würde.“

„Ich glaube, die Politik könnte vieles richtig machen,
wenn man abseits eines einzementierten
Interessensvertretungsmonopoles etwas

mehr Diversität und Vielfalt zulassen würde.“

Das Interview

E&W: Wie präsentiert sich die Situation im Handel momentan?

Rainer Will: Insgesamt ist die Händlerschaft skeptisch. 43 % aller Händler – klein wie groß – gehen davon aus, dass es heuer noch zu weiteren Verlusten kommen wird. Darunter sind viele kleine Händler und bei diesen gilt: Je weniger digital sie sind, desto dicker ist das Minus. Gesamt betrachtet ist es nach wie vor so, dass rd. 5.000 Händler insolvenzgefährdet sind.

Corona hat die Digitalisierung unheimlich beschleunigt und der Handel reagiert darauf. Acht von zehn Händlern haben in den Aus- oder Aufbau eines Webshops investiert. 40% forcieren zahlungslose Abrechnungsmethoden und das Thema Nachhaltigkeit. Jeder zweite Händler hat Regionalität und Flächenoptimierung im Fokus. Jeder dritte Händler investiert in Omnichanneling.

Interessant ist auch: Jeder Fünfte muss teurer werden, um das Ergebnis zu stabilisieren. Auf der anderen Seite muss jeder fünfte Händler aktionieren, also günstiger werden, damit er Cash in der Kasse (u.a. für die anstehenden Urlaubsgehälter) hat. 60 % sagen, sie bleiben preislich gleich.

Corona führt zu massiven Verwerfungen in der Lieferkette und zu einem großen Maß an Planungsunsicherheit in Sachen Lagerstand. 78 % der Händler (bei den Elektrohändlern sind es sogar 100 %!) kämpfen mit Lieferverzögerungen, während gleichzeitig fast zwei Drittel aller Betriebe durch die harten Lockdowns Altwarenbestände aufgebaut haben.

Wie beurteilen Sie die Unterstützungsleistung der Politik in der Krise?

Wir haben uns von Anfang an bemüht, die Hilfen für die Händler unbürokratisch einzufordern. Das war so wichtig, weil es sonst keiner getan hat. Alle anderen haben lediglich gedankt und mit EU-Vergleichen aufgezeigt, dass „eh alles super“ ist. Die hunderten Gespräche, die wir mit Händlern führten, haben allerdings gezeigt, dass eben nicht alles super ist. Z.B. die Bürokratie bei der Abwicklung. Wenn die Politik (Cashflow)Hilfen in großer Zahl verspricht, dann muss das auch raschest möglich umgesetzt werden. Die größte Enttäuschung für die Händler war allerdings, dass sie so lange darauf warten mussten und nix weiter ging. Es handelte sich nicht um kurzfristige Hilfen, sondern um Mittelfristhilfen bzw. Langfristkrisen-ausgleiche. Mittlerweile hat sich die Zufriedenheit der Händler mit den Hilfen verbessert, zumindest was den Umfang betrifft. Die Abwicklung wird aber weiterhin kritisch gesehen.

Wie beurteilen Sie das aktuelle Vorgehen der Politik?

Insgesamt sind wir sehr froh, dass es Lockerungen gibt. Uns war z.B. sehr wichtig, dass die Quadratmeterregelung fällt. Und auch die Umstellung von FFP2 Maske auf Mund-Nasen-Schutz (ab 1. Juli) bzw. die komplette „Maskenfreiheit“ ab 22. Juli sehen wir als Verband positiv. Natürlich nehmen wir auf der anderen Seite auch wahr, dass rd. 10 % der Bevölkerung skeptisch sind, weil die Lockerungen für ihren Geschmack viel zu rasch eintreten, was übrigens auch einige Händler so sehen.

Uns ist eines wichtig: Der Sommer muss auf politischer Ebene genutzt werden! Es darf nicht in die politische Sommerpause gegangen und geglaubt werden, dass eh alles vorbei ist. Dann passieren nämlich die selben Fehler wie letztes Jahr! Wir gehen davon aus, dass uns Corona noch länger begleiten wird, hoffen aber, dass es – unabhängig vom Virusgeschehen – zu keinen weiteren Schließungen im Handel mehr kommt. Wichtig ist, dass der Handel Planungssicherheit hat, dass er weiß, unter welchen Bedingungen er offen halten kann, selbst wenn die Situation rundherum nochmals problematisch wird.

Der Handel ist so vielfältig und zwischen den einzelnen Sparten kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten. Sie vertreten den gesamten Handel. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Es ist zugegebenermaßen nicht immer leicht. Es gibt einfach Themen, die emotional diskutiert werden. So wie z.B. die Sonntagsöffnung oder letztes Jahr im März die Nonfood-Debatte, bei der es darum ging, welche Nonfoodartikel im Lockdown im Lebensmittelhandel verkauft werden dürfen. Wir verhandelten zwischen Politik, Nonfood- und Lebensmittelhandel und hätten einen Konsens erreicht. Dann hat sich allerdings die Kammer eingeschaltet, mit dem Ergebnis, das wir dann eben hatten. Zum Glück kam dann Ostern und damit die ersten Öffnungsschritte, wodurch die Situation nicht eskaliert ist.

Wünschen Sie sich von den anderen Handelsinteressensvertretungen manchmal ein bisschen mehr Engagement?

Ich möchte mir nicht anmaßen über die anderen Akteure zu urteilen. Ich würde mir aber wünschen, dass erkannt wird, wo wirklich die Herausforderungen liegen. Stattdessen habe ich den Eindruck, dass man mehr mit sich selbst beschäftigt ist bzw. uns als Wettbewerb wahrnimmt. Das ist sehr bedauerlich, denn ich denke, dass sich die Kammer eher intern mit mehr Wettbewerb befassen sollte, weil uns wird es als überparteiliche Struktur immer geben – ob groß oder klein. Wir haben gelernt auch klein ganz gut durchzukommen.
Es wäre meiner Meinung nach ein gesunder Prozess, wenn es eine Redimensionierung mancher Institutionen gäbe. Dann wäre es vielleicht nicht mehr so selbstverständlich, die Vertretung des Handels zu sein und dann würde es automatisch noch mehr Aktivitäten geben.

Ist es nicht zermürbend, dass viele Probleme so offensichtlich sind, die Politik aber so langsam darauf reagiert?

Die Industrie und der Tourismus sind in Österreich die großen Flaggschiffe. Die Wertschätzung für und der Stolz auf den österreichischen Handel, der 600.000 Mitarbeiter beschäftigt und eine tragende Säule der Volkswirtschaft ist, sind hingegen jahrelang zu kurz gekommen.

Auf den Handel gibt es leider noch immer wenig politischen Blick. Wobei sich das durch Corona sicher etwas verändert hat. Ich finde es nur sehr schade, dass es eine Krise
braucht, damit die Politik den Wert des Handels erkennt. Und erkannt hat sie den Stellenwert sicher durch die Situation im Lebensmittelhandel. Die Politik sollte aber nicht übersehen, dass es auch die 490.000 Beschäftigten im Groß- und im Nonfood-Einzelhandel gibt. Und dafür setzen wir uns ein.

Für uns war die Krise ein Turbobooster, um unsere Überparteilichkeit und Freiwilligkeit im Vergleich zur Wirtschaftskammer klar in den Köpfen der Österreicher – und vor allem Händler – zu verankern. Die Entwicklung unseres Verbandes hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass der Stellenwert des Handels ein bisschen größer geworden ist. Dennoch müssen wir noch immer aufschreien, damit wir gehört werden. Wir müssen uns weiterhin so anstrengen wie bisher, dass wir vorankommen.

Ich finde es  sehr schade, dass es eine Krise
braucht, damit die Politik den Wert des
Handels erkennt.“

Die größten Erfolge

Was erachten Sie als Ihre größten Erfolge als Handelsverband GF?

Dazu zählt definitiv die Amazon Beschwerde, die wir 2018 einbrachten und die zur Veränderung von acht Geschäftbedingungen des Amazon Marktplatzes weltweit geführt hat. Als wirklich großen Erfolg erachte ich auch das Aus für die 22-Euro-Grenze. Der Handelsverband hat das Problem, als erste Organisation in Österreich bereits 2015 aufgezeigt und wir waren von der ersten Stunde an maßgeblich beteiligt, dass die Abschaffung frühestmöglich umgesetzt wird. Richtig stolz bin ich auch, dass wir die
Corona-Eintrittstests im Handel verhindern konnten. Erschüttert hat mich allerdings, dass wir die Einzigen waren, die dagegen gestimmt haben; die Einzigen, die dafür kämpften, dass diese Tests nicht kommen. So alleine habe ich mich selten gefühlt.

Als vierten großen Erfolg erachte ich die E-Commerce-Lehre. Bei diesem Thema hatten wir lange Zeit massiven Gegenwind. Seitens etablierter Strukturen (auch aus dem Elektro-Bereich) gab es Aussagen wie z.B. „Niemand kauft einen Bildschirm vom Bildschirm aus“. Die E-Commerce Lehre wurde dennoch mit Verzögerung eingeführt und heute gilt sie als beliebtester Lehrberuf unter den Jungen.

Ich glaube auch, dass es sehr wichtig war, den „Omnichannel Readiness Index“ ins Leben zu rufen. Davor gab es keinerlei Benchmark, keine Vergleichbarkeit unter Händlern, wie sie im Digitalbereich agieren. Und auch die Plattform „Kauft regional“ werte ich als Erfolg. Sie wurde im Zuge des ersten Lockdowns erstellt, um dem regionalen Handel die Möglichkeit zu geben, im Internet sichtbar zu sein.

Stolz bin ich auch sehr, dass wir die Zahl der Handelsverband-Mitglieder von knapp 90 auf über 4.000 quasi verfünfundvierzigt-fach haben. Zufriedene Mitglieder – das ist unsere Währung. Ich bin insgesamt stolz auf alles, was wir bisher geschafft haben, ich bin stolz auf mein 7-köpfiges Team.

Was glauben Sie schätzen die Händler an Ihrer Arbeit?

Dass wir ihre Anliegen wirklich an- und aufnehmen und an die Entscheidungsträger weitertragen, und dass wir auch in die andere Richtung nicht Zehnseiter mit Unsicherheiten verbreiten, sondern präzise auf einem Einseiter die juristischen Interpretationen verständlich darlegen. Das hatte vor allem in der Krise so einen Mehrwert für die Händler, dass sie uns immer mehr vertrauen und uns immer mehr Informationen weitergeben. Dadurch hat sich ein Netzwerk gebildet, das immer größer wird. Auch wir werden immer größer, bekommen immer mehr Gewicht und das hilft uns natürlich dabei richtig und laut Klartext für den Handel zu sprechen. Und zwar nicht nur mit der ÖVP, sondern mit allen Parteien.

Wo geht die Reise hin?

Der Kunde und sein Kaufverhalten haben sich enorm verändert. Wo geht die Reise Ihrer Meinung nach hin bzw. was muss ein Händler tun, um mithalten zu können?

Wir haben in Österreich noch immer knapp 90% stationäre Handelsumsätze. Das heißt der reine E-Commerce ist nicht für jede Produktgattung der Heilsbringer. Es muss die Mischung sein! Die Krise hat uns gezeigt, wie wichtig Digitalisierung ist. Sie hat uns aber auch gezeigt, wie wichtig das zwischenmenschliche Miteinander ist und dazu braucht es u.a. den Handel, die Gastronomie, …

Jeder Händler muss ein Rezept für sich finden. Dabei ist es essenziell, dass Händler digitale Kompetenzen entfalten, dass sie für den Kunden permanent ansprechbar sind und ihn servicieren, wozu es übrigens u.a. auch digitale Assistenten im Geschäftslokal braucht.

Die notwendige Basis, die von den Regierungen geschaffen werden muss, ist Fairplay, damit jeder die selben Voraussetzungen hat. Der stationäre Handel darf nicht in einer Ritterrüstung (Zuschläge, Altregelungen, etc.) mit einem Hürdenlauf (Bürokratie, Zusatzaufwände, etc.) konfrontiert sein, während digitale Onlinegiganten frei wie Vögel agieren. Weil dann ist klar, wer als Erster im Ziel ist. Man darf als traditioneller Händler nicht an der Wand stehen, als der, der ja eigentlich nur versucht ein altes System zu forcieren. Es muss stattdessen wieder spannend sein, einen Handel zu gründen, ein Geschäft zu eröffnen und Leute einzustellen.

„Der stationäre Handel darf nicht in einer Ritterrüstung mit
einem Hürdenlauf konfrontiert sein, während digitale
Onlinegiganten frei wie Vögel agieren. Weil dann ist klar, wer
als Erster im Ziel ist.“

Ist Amazon Ihr Lieblingsfeind?

Es stimmt schon, dass wir uns immer wieder mit Amazon beschäftigen. Aber wir wollen Amazon nicht nur bashen (Anm.: kontinuierlich angreifen), sondern ein Stück weit fairer machen. Amazon macht vieles richtig und ist für viele kleine Händler eine super Vertriebsplattform. Wir sagen allerdings: Liebe Händler, macht Euch nicht abhängig vom Onlinegiganten. Und den Regierungen sagen wir: Macht es ein bisschen fairer.

Was gilt es Ihrer Meinung nach noch zu tun?

So vieles! (lacht) Trotz aller Krisen im Handel, ist für uns die Entlastung des Faktors Arbeit der Schlüssel für so vieles. Wir brauchen geringere Lohnnebenkosten, damit wir den Mitarbeitern wieder mehr zahlen können. So könnte man u.a. auch das Fachkräfteproblem mindern.

Die Personalkosten im Land sind nicht administrierbar, mit hoher Bürokratie verbunden und verdammt teuer. Dagegen muss etwas getan werden und deswegen sagen wir ganz offen: Man muss überdenken, ob diese großen Strukturen, die Milliarden einnehmen, noch zeitgemäß sind. Wir sollten im Kammerstaat Österreich versuchen in eine Redimensionierung zu finden. Mir ist klar, dass ich mich damit nicht beliebt mache, aber in meinen Augen ist das ganz klar erforderlich. Denn sonst werden wir auch künftig mit dem Faktor Arbeit bis hin zur U-Bahn alles finanzieren.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir viele Dinge neu bewerten und uns in vielen Bereichen neu erfinden müssen, z.B. in der Beschaffung. Wir müssen überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, wieder Läger in Europa zu errichten, um rascher reagieren zu können und uns nicht komplett an Fernost auszuliefern.
Als ganz ganz wichtig erachte ich auch Fairness und eine Attraktivierung des Handelsstandortes Österreich. Hier gab es jahrzehntelange Versäumnisse! Und schließlich bin ich noch der Meinung, dass man der Branche etwas mehr zuhören muss und nicht nur darauf bedacht sein sollte, was politisch gerade von Vorteil ist.

„Wir sollten im Kammerstaat Österreich versuchen in eine
Redimensionierung zu finden. Mir ist klar, dass ich mich da-
mit nicht beliebt mache, aber in meinen Augen ist das ganz
klar erforderlich.“

Welche Lehren sollten wir Ihrer Meinung nach aus der Krise ziehen?

Wir alle haben – der eine mehr der andere weniger – in den letzten Monaten einiges mitgemacht. Die Krise hat mit uns allen etwas gemacht – finanziell oder psychologisch. Wenn wir in unserem Land daraus aber keine guten Schlüsse ziehen und etwas ändern, dann sind wir ein bisschen zufrieden, dann sind wir ein bisschen Mittelmaß und irgendwann sind wir ein bisschen schlechter als die anderen und dann zählt irgendwann der Spruch: „Wer aufhört besser zu werden, hört auf gut zu sein.“ Und das Motto „Never waste a good crises“ haben wir dann nicht umgesetzt.

Nicht falsch verstehen: Es ist nicht alles schlecht. Aber ich bin halt in der Rolle die Dinge etwas kritischer zu sehen. Es ist Tatsache: Wir haben enorme Chancen. Zum Glück kam die Krise nicht vor 25 Jahren, als wir noch kein Internet hatten. Zum Glück kam die Krise erst als wir bereits digitale Kompetenzen hatten. Wir hätten die Basis, um auf das Ganze richtig gut aufsetzen zu können. Nun ist es wichtig, dass die Politik ihre Rolle wahrnimmt und Rahmenbedingungen setzt und weniger mit sich selbst beschäftigt ist. Natürlich hat die Politik einiges geleistet in letzter Zeit. Es gilt ihnen Dank, weil, es ist sicher nicht einfach. Keiner will in Krisenzeiten Minister sein. Aber jetzt sollte man die richtigen Schlüsse ziehen und die sollten nicht parteipolitisch motiviert sein!

 

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