Sonntag, 28. November 2021
Minus von 45,1%

Acredia: Insolvenzen sinken um fast die Hälfte

Hintergrund | Julia Jamy | 06.10.2021 | |  
„Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben ihr Ziel erreicht, möglichst viele Insolvenzen zu verhindern“, sagt Acredia-Vorständin Gudrun Meierschitz. „Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben ihr Ziel erreicht, möglichst viele Insolvenzen zu verhindern“, sagt Acredia-Vorständin Gudrun Meierschitz. (© Acredia) 2022 dürften die weltweiten Insolvenzen allmählich auf das Ausmaß von vor der Pandemie zurückkehren. Trotz eines erwarteten Anstiegs von rund 15 % bleiben nach einer Prognose der Kreditversicherer Acredia und Euler Hermes die globalen Fallzahlen 2022 im Durchschnitt 4 % niedriger als 2019. Österreich verzeichnet mit einem Minus von 45,1% um fast die Hälfte weniger Insolvenzen als 2020.

2022 dürften die weltweiten Insolvenzen allmählich auf das Ausmaß von vor der Pandemie zurückkehren, allerdings in einem langsamen Tempo. Das hat unter anderem mit der Rücknahme der umfangreichen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen zu tun. Trotz eines erwarteten Anstiegs von rund 15 % dürften die globalen Fallzahlen 2022 im Durchschnitt weiterhin 4 % niedriger liegen als 2019 – vor der Pandemie. 2020 lag der Rückgang bei den weltweiten Pleiten bei 12 % und auch im laufenden Jahr zeichnet sich ein weiterer Rückgang um rund 6 % ab. Das zeigt die jüngste Insolvenzstudie von der Kreditversicherung Acredia in Zusammenarbeit mit Euler Hermes.

„Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben ihr Ziel erreicht, möglichst viele Insolvenzen zu verhindern“, sagt Acredia-Vorständin Gudrun Meierschitz. „In Westeuropa haben die Maßnahmen jede zweite Pleite verhindert. (…) Für heuer zeichnet sich keine Trendwende ab: Die Verlängerung zahlreicher Programme wird die Insolvenzen im Jahr 2021 auf einem weiterhin niedrigen Niveau halten. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wie die Regierungen in den kommenden Monaten handeln. Erst ab 2022 dürfte sich das weltweite Insolvenzgeschehen wieder schrittweise normalisieren.“

Minus von 45,1%

„Österreich verzeichnet ein Minus von 45,1 % bei den Gesamtinsolvenzen gegenüber 2020. Das entspricht rund 1 000 Fällen gegenüber 1 927 Fällen im Vorjahr. Die Insolvenzverbindlichkeiten sind ebenfalls stark gesunken – von 1,744 Millionen Euro in 2020 auf 365 Millionen Euro in 2021. Das liegt daran, dass es keine Großinsolvenzen gibt“, so Meierschitz und ergänzt: „Wir erwarten keine Insolvenzschockwelle für den Rest des Jahres 2021, aber einen leichten wöchentlichen Anstieg ab Herbst mit einer Rückkehr zum Vorkrisen-Niveau.

Diesen Trend bestätigen die Zahlen seit Juli 2021 nach Auslaufen der staatlichen Förderungen. Mit Jahresende erwarten wir in etwa die gleiche Fallzahl wie 2020, also rund 3 000 Insolvenzfälle in Österreich.“ Einen starken Rückgang bei den Fällen gab es im Bau- und Baunebengewerbe, dem Dienstleistungssektor sowie Gastronomie und Tourismus. Für 2022 prognostiziert Acredia einen Anstieg der Firmenpleiten in Österreich auf 4 500 bis 5 000 Fälle.

Fünf Indikatoren

Die neue Normalität bei den Insolvenzen birgt laut Acredia weiterhin zahlreiche Risiken, die Unternehmen im Auge behalten sollten. Das Zusammenspiel von (1) globaler und lokaler wirtschaftlicher Entwicklung und (2) staatlicher Unterstützung spielt bei der Entwicklung der Insolvenzen eine entscheidende Rolle. Hinzu kommt, so der Kreditversicherer weiter, (3) das weiterhin bestehende Ausfallrisiko von Unternehmen, die bereits vor Covid-19 zu den Wackelkandidaten oder „Zombies“ zählten. Zudem hat (4) die verschlechterte Finanzlage mancher Unternehmen das Problem der Schuldentragfähigkeit verschärft. Die rasche Erholung der Unternehmensgründungen ist zwar einerseits eine positive Nachricht, die aber auch eine Kehrseite der Medaille hat: (5) Junge Unternehmen sind traditionell anfälliger für Insolvenzen. Zudem vergrößert diese Entwicklung die Basis für potenzielle Insolvenzen insbesondere in Bereichen, in denen die Gründung von Unternehmen in hohem Maße mit in der Pandemie neu entstandenen Bedürfnissen zusammenhängt wie zum Beispiel Hauszustellungen, deren langfristige Tragfähigkeit jedoch unsicher ist.

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