Montag, 18. Oktober 2021
Zu viele Flächen und kaum neue Mieter

Ein Auslaufmodell? Die Zukunft der Shopping Malls

Hintergrund | Julia Jamy | 08.10.2021 | Bilder | |  
Zu viele Flächen und kaum neue Mieter: Um die Shopping Malls ertragreich zu halten, brauche es laut Regioplan Consulting Zu viele Flächen und kaum neue Mieter: Um die Shopping Malls ertragreich zu halten, brauche es laut Regioplan Consulting "massive Veränderungen". Die Veränderungen im stationären Handel gehen auch an den knapp 150 österreichischen Shopping Malls nicht spurlos vorüber. Obwohl aktuell die Leerstandsrate mit etwa 6,5 % im internationalen Vergleich noch außerordentlich gering ist, kündigen sich laut einer Analyse von RegioPlan Consulting massive Veränderungen an, die den Einkaufszentren ein „völlig anderes Gesicht" geben werden.

In den letzten fünf Jahren sind in Österreich (mit Ausnahme eines Projektes in Steyr) keine größeren Shopping Malls eröffnet worden. Vor einigen Jahren sah das noch ganz anders: Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens RegioPlan Consulting sind in den letzten fünf Jahren insgesamt nur etwa 20.000 m2 neue Fläche entstanden. In den fünf Jahren zuvor waren es mit 205.000 m2 mehr als zehnmal so viel.

Flächenangebote

Beim Flächenangebot in Shopping Malls in Relation zu den Einwohnern liegt Österreich im Europavergleich im oberen Drittel.  Das war auf Grund der hohen Kaufkraft und den dementsprechenden Ausgaben im Einzelhandel auch immer durchaus passend. Doch die Zeiten haben sich geändert: Der Anteil der online gekauften Waren steigt kontinuierlich auf derzeit bereits 16 %. Betroffen seien vor allem Bekleidung, Schuhe, Elektro, Bücher, Sport, Spielwaren. Die logische Konsequenz wäre Consulting die Reduktion der Geschaftsflächen in diesen Branchen, sagt Regioplan Consulting.

Seit Beginn der Pandemie haben in Österreich die Eigentümer der knapp 150 Shopping Malls etwa 200 Mio. € an Mieteinnahmen verloren. Einzelne Branchen (vor allem die oben genannten) schließen ihre Standorte auch in Einkaufszentren oder verkleinern sie. Allein Lebensmittel und Drogerie blieben stabil. Mangels expansionswilliger Einzelhändler werden die sonst leerstehenden Flächen deutlich günstiger angeboten und werden so für Non-Food-Diskonter, Möbelhäuser oder sogar für Autohäuser interessant.

Multifunktional

Wenn die angebotenen Einkaufsflächen zu viel sind und die Nachfrage der Mieter zu gering, werde es laut Regioplan Consulting jedoch mittelfristig völlig andere Strategien benötigen, um die Shopping Malls ertragreich zu halten. Denn das Beratungsunternehmen geht davon aus, dass der reine Verkaufsvorgang künftig nur mehr eine Nebenrolle spielen wird. Für die Eigentümer bedeutet es jedenfalls flexibler und risikofreudiger zu werden.

Regioplan Consulting schlägt folgende Lösung vor: multifunktional statt monofunktional. Öffnen von reinen „Verkaufstempeln“ zu urbanen, offeneren Orten/Plätzen: Ärztezentren, Ambulanzen, Coworking Spaces, Showküchen, Partyräume, Seminarräume, Yogastudios, Kultureinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen, Clubräume, Beautyeinrichtungen, Fitness, Workshops, Markthallen, Fashion Shows, Bildungseinrichtungen, temporäres Wohnen, Senioreneinrichtungen, urbane Logistik etc.

Auslaufmodell?

Romina Jenei, CEO von RegioPlan Consulting fasst zusammen „Zum Shoppen braucht man keine Mall mehr. Der Name ist daher auch nicht mehr passend. Was es auf Grund des völlig geänderten Kundenverhaltens in den nächsten Jahren brauchen wird, ist ein Ort, an dem man zwar „auch“ einkaufen kann, aber eigentlich aus völlig anderen Gründen hinkommt: Kommunikation, Unterhaltung, Erledigungen etc.“

Bilder
Mangels expansionswilliger Einzelhändler werden die leerstehenden Flächen deutlich günstiger angeboten und werden für Non-Food-Diskonter, Möbelhäuser oder sogar für Autohäuser interessant.
Mangels expansionswilliger Einzelhändler werden die leerstehenden Flächen deutlich günstiger angeboten und werden für Non-Food-Diskonter, Möbelhäuser oder sogar für Autohäuser interessant. (© RegioPlanConsulting)
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