Montag, 18. Oktober 2021
Telekom-Kommentar E&W 10/2021

Macht ohne Verantwortung

Telekom | Dominik Schebach | 10.10.2021 | Bilder | |  
Wir verlassen uns gern auf digitale Services wie WhatsApp, Instagram und Facebook für unsere Kommunikation. Und gewöhnlich sind die Dienste des Facebook-Konzerns auch verlässlich. Meistens bemerken wir gar nicht, welch großen Anteil unseres Lebens dieser Konzern inzwischen schon bestimmt – außer es funktioniert einmal nicht.

Dass es auch einmal einen Tech-Riesen wie Facebook erwischen kann, bewies der 4. Oktober 2021. Da brachen die Dienste von Facebook sowie die dazugehörigen Plattformen wie WhatsApp einfach zusammen. Geschätzte drei Milliarden Kunden (inklusive Doppelzählungen) konnten für sechs Stunden nicht auf ihre Daten zugreifen, nicht mit ihren Freunden kommunizieren oder ihre Werbungen platzieren. Es war das bisher schlimmste Blackout für Facebook, wie CEO Mark Zuckerberg in einer Nachricht an die Mitarbeiter selbst erklärte. Das Erstaunliche bei dem Ausfall von Facebook ist allerdings, dass sich dieser offensichtlich auf einen einzigen Fehler bei einem Update zurückführen lässt.

Dieser massive Absturz sollte uns jetzt nicht zu sehr mit Schadenfreude erfüllen. Aber er zeigt, in welchem Umfang heute schon Milliarden von Menschen von den Geschicken eines einzigen Online-Konzerns abhängig sind. Facebook erfüllt in vielen Fällen die Rolle eines Telekommunikationsanbieters – kritischer Infrastruktur – mit der Einschränkung, dass dieses Unternehmen de facto kaum reguliert ist, während klassische Telkos einer Vielzahl von Regelungen unterliegen. Diese sollen u.a. die Rechte der Konsumenten sowie den Ausbau der Infrastruktur für die flächendeckende Versorgung sicherstellen. Dafür gibt es auch eine eigene Behörde, wo sich die Konsumenten im Fall des Falles beschweren können. Dagegen gibt es bei Facebook – abgesehen von ein paar Einschränkungen beim Datenschutz – keine besonderen Kontrollmöglichkeiten für heimische Behörden, und diese Kontrollmöglichkeiten müssen vor Gericht hart erkämpft werden. Facebook verweist zwar gern auf seine „Social Responsibility“, in der Praxis gehorcht der Konzern in erster Linie seinen wirtschaftlichen Interessen. Und wenn man die derzeitigen Anhörungen zu Facebook im US-Kongress verfolgt, muss man sich fragen, wie lange das noch gut gehen kann.

Ich will hier nicht einfach gegen die großen Online-Konzerne wettern, weil sie erfolgreich sind. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir uns sehr wohl die Rolle von Facebook, Google, Apple oder Amazon in unserem Leben ansehen müssen. Diese Konzerne haben sich erfolgreich in unserem Leben etabliert und teilweise frühere Anbieter und Strukturen vom Markt gefegt. Im Fall von Facebook hat sich der Konzern als eine Mischung aus Medienunternehmen und Telekom-Anbieter z.B. erfolgreich zwischen die Infrastrukturanbieter und Endkunden gedrängt. Für ihre Erfolge fahren diese Konzerne nun die Ernte ein, aber sie übernehmen nicht die Verantwortung, welche mit der Marktmacht kommt. Langfristig werden sich wohl auch diese Unternehmen entscheiden müssen, akzeptieren sie die Verantwortung oder werden sie zerschlagen.

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