Montag, 18. Oktober 2021
Hintergrund-Kommentar E&W 10/2021

Wo kein Wille…

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 10.10.2021 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Ich muss zugeben, das Thema Veränderung ist irgendwie abgelutscht – das verhält sich ein wenig wie mit dem aktuellen Modewort Nachhaltigkeit: Alle reden darüber, aber so richtig wollen tut‘s keiner. Und machen schon gar nicht. Dabei verändern sich die Dinge ohnehin ständig, unabhängig davon, ob wir das wollen oder nicht. Was wir jedoch beeinflussen können, sind Art, Geschwindigkeit und Richtung der Veränderungsprozesse. Natürlich vorausgesetzt, wir wollen.

Bei einem Thema, das mir einerseits persönlich sehr am Herzen liegt, und in dem ich andererseits enormes Zukunftspotenzial für die Branche sehe, vermisse ich diesen Willen zur Veränderung besonders schmerzlich: dem Komplex Energie-/Verkehrswende, und damit verbunden Klimaschutz und Energieeffizienz. Welchen dieser Begriffe man voranstellt, tut meines Erachtens nur wenig zur Sache, weil man das Ganze sowieso als Gesamtsystem sehen muss, in dem die einzelnen Bereiche untrennbar miteinander verbunden sind. Und genau hier beginnt schon das Problem: Fast überall sind starke Lobbykräfte am Werk, die unbedingt am status quo festhalten wollen. Koste es, was es wolle. Und nur weil es in einer äußerst kurzsichtigen Betrachtung derzeit wenig bis nichts kostet – Stichwort: Angst vor Wettbewerbsnachteil – heißt das nicht, dass das so bleiben muss. Ganz im Gegenteil: Der Preis wird ein ganz enormer sein. Bloß werden die, die gerade drauf und dran sind, alles zu verbocken, ihn nicht zahlen müssen. Bestenfalls ihre Kinder und Enkel. Und meine. Das nehme ich diesen Realitätsverweigerern – denn nichts anderes ist es, unseren Planeten wissentlich vor die Hunde gehen zu lassen, nur um noch schnell ein paar (Millionen? Milliarden?) Euro zu scheffeln – wirklich übel. Und noch übler nehme ich es ihnen, dass ich dafür eine Mitverantwortung tragen muss.

Wie ich auf all das komme? Noch dazu gerade jetzt? Nun ja, Themen wie ökosoziale Steuerreform, CO2-Bepreisung & Co. sind in letzter Zeit äußerst präsent in den Medien. Die Politik ist drauf und dran, tatsächlich etwas zu unternehmen, und die Unternehmen quittieren das mit lautstarker Widerrede (Das kann zweierlei bedeuten: Entweder, was aktuell ziemlich unwahrscheinlich erscheint, dass es sich um völligen Schwachsinn handelt, oder zweitens, dass der richtige Nerv getroffen wurde). Das durfte ich vor wenigen Wochen erleben, als WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf in einer Pressekonferenz lang und breit erklärte, dass man kein neues Energieffizienzgesetz brauchen würde. Falls im Sinne der Wirtschaft, würden die Unternehmen ohnehin von sich aus aktiv werden. Und noch immer sitzt mir der Schock in den Gliedern, den mir kürzlich eine Aussage von OVE-Präsident Kari Kapsch bei einer Pressekonferenz zum Thema Energiewende verpasste: Kapsch erklärte, das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (auf dem so nebenbei die Hoffnung einer ganzen Generation ruht) sei lediglich eine politische Vision, bei der bis jetzt keiner an die konkrete Umsetzung gedacht habe – es fehle der Masterplan. Daher werde 100% erneuerbare Energie bis 2030 nicht möglich sein. Punkt. Häh? Dass es leicht wird und sich die Energiewende quasi von selbst vollzieht, hat auch niemand behauptet – aber wo kein Wille…

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