Montag, 18. Oktober 2021
HV: Händler erweitern Läger und planen für Black Friday & Weihnachtsgeschäft

Elektrogeräte in Q4: Beschaffungsprobleme & Preissteigerungen

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 12.10.2021 | |  
„Wenn es in Asien Lieferprobleme gibt, spüren wir das auch stark bei den Beschaffungskosten. So funktioniert der Markt, wenn Güter knapp werden, steigt der Preis. Wir müssen uns darauf einstellen, dass viele Produkte aus Fernost in den kommenden Monaten zumindest moderat teurer werden, auch für die Endkunden“, sagt Handelsverband GF Rainer Will. (Bild: Rainer Sturm/ pixelio.de) „Wenn es in Asien Lieferprobleme gibt, spüren wir das auch stark bei den Beschaffungskosten. So funktioniert der Markt, wenn Güter knapp werden, steigt der Preis. Wir müssen uns darauf einstellen, dass viele Produkte aus Fernost in den kommenden Monaten zumindest moderat teurer werden, auch für die Endkunden“, sagt Handelsverband GF Rainer Will. (Bild: Rainer Sturm/ pixelio.de) Die corona-bedingte Planungsunsicherheit, Lieferverzögerungen oder Lieferantenausfälle beschäftigen uns weiterhin, sowohl der stationäre Handel als auch der Online-Handel sind betroffen. Und nun steht auch noch das für viele Händler so wichtige vierte Quartal bevor. Der Handelsverband geht davon aus, dass sich die Beschaffung vieler Waren schwierig gestalten könnte. Bei „angesagten“ Elektrogeräten werden zudem Preissteigerungen bis +20% erwartet.

Der Handelsverband sagt: „Die Entwicklungen rund um COVID-19 haben in den letzten Monaten auch ein großes Maß an Planungsunsicherheit in Sachen Lagerstand erzeugt. Fast zwei Drittel der Händler (62%) sind laut einer repräsentativen Befragung von Handelsverband und EY mit einer Steigerung des Lagerstandes konfrontiert. Mehr als drei Viertel aller Betriebe (78%) haben mit Lieferverzögerungen oder Lieferantenausfällen zu kämpfen. Sowohl der stationäre Handel als auch der Online-Handel sind von den Engpässen gleichermaßen betroffen.“

„Corona führt weiterhin zu massiven Verwerfungen in den Lieferketten. Acht von zehn Händler kämpfen mit Lieferverzögerungen. Die Ursachen sind vielschichtig. Die großen Zwischenlager wurden in den ersten drei Wellen abgebaut. Der Containermangel in Fernost hält an, höhere Input-Kosten und der Nachfrage-Anstieg halten die Rohstoffpreise auf hohem Niveau. Engpässe bei Vorlieferanten sind nach wie vor auf covidbedingte Verzögerungen in internationalen Fabriken zurückzuführen. Die Preise für Container haben sich teilweise verachtfacht“, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Der Hauptgrund bestehe klar in den wirtschaftlichen Auswirkungen, welche die Corona-Pandemie erzeugt hat. In Europa laufe die Produktion teilweise noch immer nicht auf Hochtouren, aus Asien komme weniger Nachschub wie üblich, weil die Produkte zuerst im eigenen Land verkauft werden und die internationalen Zentrallager seien teilweise leer.

„Der steigende `IoT-Trend`, also der Wunsch, möglichst viele Geräte smart zu bedienen und zu vernetzen, aber auch pandemiebedingte Auftragsstornos zu Jahresbeginn spitzen den globalen Mikrochip-Mangel zu. Die Konsumenten konnten ihr Geld während der Pandemie aber auch nicht für Auslandsreisen, Restaurantbesuche oder Hotels ausgeben, daher haben viele in die Verschönerung der eigenen vier Wände investiert – Stichwort Cocooning bzw. Balkonien“, so Will.

Mikrochip-Mangel trifft Elektro- & Autohandel am stärksten

Das letzte Quartal des Kalenderjahres ist für viele Händler im Hinblick auf Umsatz und Gesamtergebnis außerordentlich wichtig. Will sagt: „Im Jahresendgeschäft lassen sich schwächere Monate sowie teilweise die coronabedingten finanziellen Einbußen durch Abverkäufe, Sonderangebote und insbesondere Kampagnen im Rahmen des ‚Black Friday‘ kompensieren. Welche Produkte bei den anstehenden Sondereinkaufstagen im November (Singles Day, Black Friday, Cyber Monday) sowie zu Weihnachten am schwierigsten erhältlich sein werden, lässt sich kaum abschätzen. Auszugehen ist jedoch davon, dass die Beschaffungskrise die gesamte Bandbreite an Waren aus Asien betrifft, insbesondere Spielzeug, Laptops, Spielekonsolen, TV-Geräte, Waschmaschinen, Fahrräder und eBikes. Auch bei Möbeln, Baubedarf, Schuhen und Dekoartikeln gibt es zurzeit vielfach längere Produktions- und Lieferzeiten. Besonders betroffen ist überdies der Handel mit Autos und Autozubehör. Die Lieferzeiten sind je nach Modell und Marke ganz unterschiedlich, auf manche Produkte gibt es Wartezeiten von 6 Monaten bis zu 2 Jahren.“

Entspannung noch nicht in Sicht: Moderate Preissteigerungen im 4. Quartal kaum vermeidbar

Eine Normalisierung sei in den nächsten Monaten nicht zu erwarten. Auch Preissteigerungen werden sich in manchen Bereichen nicht verhindern lassen.

„Wenn es in Asien Lieferprobleme gibt, spüren wir das auch stark bei den Beschaffungskosten. So funktioniert der Markt, wenn Güter knapp werden, steigt der Preis. Wir müssen uns darauf einstellen, dass viele Produkte aus Fernost in den kommenden Monaten zumindest moderat teurer werden, auch für die Endkunden. Bei ‚angesagten‘ Geschenken, die stark nachgefragt werden – Elektronikgeräte wie Fernseher oder trendige Spielkonsolen, Spielzeug mit enthaltener Elektronik, Fahrräder – erwarten wir durch den Kostenanstieg auch einen Preisanstieg von bis zu 20%“, sagt Rainer Will. Weihnachtsgeschäft: Vorausschauende Planung entscheidend Es bestehe jedoch kein Grund zur Sorge, wie Will beruhigt. „Die Industrie und der Handel setzen alles daran, dass die Warenverfügbarkeit auch zu Weihnachten gewährleistet ist. Zurzeit gibt es fast täglich entsprechende Strategiesitzungen, um die Lage zu besprechen und Lösungen zu finden.“

Will meint abschließend: „Der österreichische Handel arbeitet intensiv und laufend daran, die Engpässe bestmöglich auszugleichen. Bei wertigeren Waren stellen Händler notfalls von der günstigen Seefracht auf die kostenintensivere Schiene oder die noch teure Luftfracht um und nehmen Margeneinbußen hin, um dennoch den Kunden im Wort zu bleiben. Unsere Händler haben bereits das Jahr über verstärkt ihre Lager aufgestockt, um sich gegen Lieferengpässe im wichtigen Weihnachtsgeschäft abzusichern und Nachfrageschwanken lokal ausgleichen zu können. Der massive Chipmangel wird sich jedoch in den nächsten Wochen nicht auflösen. Wer also heuer für Weihnachten plant, Spielekonsolen, Computer, Elektrospielzeug oder Haushaltsgeräte zu verschenken, ist gut beraten, die Geschenke möglichst frühzeitig zu besorgen.“

 

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