Sonntag, 28. November 2021
Kommentar E&W 11 - 2021

Die 3. Revolution (oder: Handel ist Wandel)

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 14.11.2021 | Bilder | | 1  

Stefanie Bruckbauer
„Handel ist Wandel“ - Es gibt wenige derart ausgelutschte Sprüche und ich möchte ihn eigentlich gar nicht verwenden, weil er so abgedroschen ist. Eines muss ich dazu dennoch sagen: Nie zuvor hat diese Phrase so sehr zugetroffen wie heute.

Im Zuge der Recherchen zu meinen Beiträgen in der E&W November-Ausgabe schummelte sich ein Satz immer wieder in mein Bewusstsein: Handel ist Wandel. Ein völlig ausgelutschter Spruch, der innerhalb der E&W-Redaktion vor ein paar Jahren zum „Un-Spruch“ erkoren und als möglicher Titel für Stories sogar einstimmig „verboten“ wurde. Und dennoch (so sehr mir das auch widerstrebt) möchte ich ihn heute zitieren, denn: Nie zuvor hat diese Phrase so sehr zugetroffen wie heute, behaupte ich. Mir ist schon klar, dass es mehrere sogenannte „Revolutionen im Handel“ gegeben hat. Dazu zählen die Filialisierung des Handels und die Einführung des Discount-Konzepts, die viel durcheinander gebracht haben. Doch das, was wir aktuell erleben, das Zeitalter der Digitalisierung, schlägt einfach alles und stellt vor allem alles bisher Dagewesene auf den Kopf.

Dass sich der Handel in den letzten Jahren gravierend verändert hat, erkennt glaube ich jeder. Und, dass das Internet bzw. die Convenience, die das Shoppen darin mit sich bringt, die Ursache für viele dieser Veränderungen darstellt, ist glaube ich auch klar. Denken wir an stetigen Rückgang der Einzelhandelsflächen in Österreich. Warum ist das so? Unter anderem, weil wir so viel Fläche nicht mehr brauchen. Viele Bereiche des Handels werden ins Internet ausgelagert. Ist ja auch praktisch, wenn man eine Webseite als virtuelles, vergrößertes Schaufenster oder sogar gleich als zusätzliche Shop-Möglichkeit anbieten kann. Zudem suchen die Kunden im ersten Schritt des Kaufprozesses im Internet. Als Händler kann man es sich also nicht mehr leisten, dort nicht aufzuscheinen.

Im Internet shoppt man relativ emotionslos. Man bekommt dort unkompliziert nahezu alles. Warum aus Kundensicht dann also noch stationär einkaufen? Um die Begegnung zu finden, um ein Erlebnis zu haben. Das ist eine der nächsten neuen Anforderungen an den stationären Handel. Ware bloß zu präsentieren und anzubieten, reicht längst nicht mehr aus, der Handel muss den Kunden zudem entertainen, einen „Mehrwert“ bieten.

Das Internet hat noch etwas bewirkt, dass sich die Industrie nämlich plötzlich ohne großen Aufwand dem Kunden direkt zuwenden kann. Früher brauchte es noch die Händler, die in ihren Regionen das Bindeglied zwischen Marke / Hersteller und Endkunde bildeten. Aber jetzt? In der Hausgerätebranche gibt es nur mehr wenige Hersteller, die nicht im Direktvertrieb verkaufen. Wobei die Mengen angeblich „marginal“ und „nicht der Rede wert“ seien, wie beteuert wird. Die eigenen Shops würden nur aus einem Grund betrieben, nämlich um jenen Kunden, die das möchten, eine Möglichkeit zu bieten, direkt mit den Herstellern in Kontakt zu treten. Das kann man glauben oder nicht. Fakt ist: Fast jeder Groß- und Kleingerätehersteller hat einen eigenen Onlineshop und immer mehr auch eigene Markenstores.

Mein Fazit: Darüber jammern bringt nichts. Und auf der Vergangenheit ausruhen schon gar nicht. Die einzige Chance besteht in der Veränderung, in der Innovation und im Mut, neue Dinge auszuprobieren. Trends und Entwicklungen zeigen viel mehr Optionen als Gefahren auf – es muss nur gehandelt werden.

Bilder
(Bild: Pixabay)
(Bild: Pixabay)
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Kommentare (1)

  1. -es muss nur gehandelt werden.
    Die Industrie verkauft selbst
    Das Internet unter dem Einkauf oder gleich
    Bleibt eigentlich nur mehr die Dienstleistung bei den Geräten nach der Garantie, den in der Garantie macht es auch die Industrie.
    Bei dem Vorhaben der EU in Bezug auf leichtere Ersatzteilbeschaffung mit samt Servicehilfen(Unterlagen) wird es beim Vorhaben bleiben.
    Wenn das so nicht stimmt, ok dann hab ich wieder gelästert.

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