Sonntag, 28. November 2021
„Gelder für den ‚Patient Wirtschaft‘ müssen ab Tag 1 des Lockdowns fließen“

Lockdown: HV fordert Soforthilfe

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 19.11.2021 | |  
Ein harter Lockdown für alle ab 22. November und eine allgemeine Impfpflicht ab Februar wurden heute von der Bundesregierung verkündet. De Handelsverband fordert Unterstützung ab Tag 1 des Lockdowns. (Bild: Pixabay) Ein harter Lockdown für alle ab 22. November und eine allgemeine Impfpflicht ab Februar wurden heute von der Bundesregierung verkündet. De Handelsverband fordert Unterstützung ab Tag 1 des Lockdowns. (Bild: Pixabay) Am Montag tritt der bundesweite Lockdown für alle in Kraft. Dieser 20-tägige harte Lockdown werde den stationären Handel 2,7 Milliarden Euro kosten und die Arbeitsplatzsicherheit gefährden, warnt der Handelsverband, der einmal mehr eine Ausweitung des Ausfallsbonus und ergänzend ein neues Set an Hilfen zur Stabilisierung des Handels- und Wirtschaftsstandortes Österreich fordert.

Die österreichische Bundesregierung hat heute einen bundesweiten harten Lockdown für alle verkündet, der am 22. November in Kraft treten wird (elektro.at berichtete). Der Lockdown soll 20 Tage dauern und spätestens am 13. Dezember automatisch in einen „Lockdown für Ungeimpfte“ übergehen.

„Wesentliche Teile des stationären österreichischen Handels sind existenziell gefährdet“

„Das Handlungserfordernis ist aufgrund des Gesundheitsnotstandes in Österreich unbestritten. Es liegt aber auch in der Verantwortung des Handelsverbandes, auf die bevorstehende wirtschaftliche Notlage hinzuweisen. Ein harter Lockdown im Weihnachtsgeschäft bedeutet, dass wesentliche Teile des stationären österreichischen Handels existenziell gefährdet sind und selbstredend dessen Arbeitsplätze. Die Branche muss Umsatzverluste von rund 2,7 Milliarden Euro verkraften“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer ersten Stellungnahme.

Daher brauche es zusätzlich zu den Hilfen, die bereits angedacht sind, eine wesentlich feinmaschigere Form der Unterstützung, da ALLE Betroffenen erreicht werden müssen. „Neben dem obersten Ziel, die Gesundheitssituation der Bevölkerung zu verbessern und die Lage auf den heimischen Intensivstationen zu stabilisieren, dürfen auch ökonomische und soziale Ziele nicht vergessen werden“, so Will.

Der Handelsverband fordert daher einmal mehr eine Ausweitung des Ausfallsbonus und ergänzend ein neues Set an Hilfen zur Stabilisierung des Handels- und Wirtschaftsstandortes Österreich. „Die Gelder für den ‚Patient Wirtschaft‘ müssen ab Tag 1 des Lockdowns fließen„, fordert der Handelsverband GF.

Ansturm auf Geschäfte vor Lockdown?

Viele heimische Händler, die ihre Lager vor dem Weihnachtsgeschäft aufgefüllt und dementsprechend Kapital in Ware gebunden haben, fürchten nun massive Liquiditätsengpässe, wie Will weiter ausführt: „Einige haben auf die Lockdown-Gerüchte der letzten Tage mit Rabattaktionen reagiert, um nicht wieder auf der gesamten Saisonware sitzenzubleiben. Heute und morgen dürfte es in vielen Geschäften und Einkaufsstraßen zu einem großen Ansturm und mancherorts auch zu Schlangenbildung kommen, das lässt sich kaum vermeiden. Auslöser dafür ist allerdings nicht der Handel, der sich logischerweise um jeden Kunden bemüht, um die Warenlager zu leeren, sondern die politischen Entscheidungsträger aufgrund der späten Ankündigung und der kurzen Vorlaufzeit bis zum In-Kraft treten des Lockdowns, dies sei deutlich angemerkt.“

Apell: Weihnachtsgeschenke möglichst in heimischen Webshops kaufen!

Wichtig ist jetzt umso mehr, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und die heimische Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen. Deshalb appelliert der HV an alle Österreicher, ihre Weihnachtsgeschenke während des ab Montag geltenden Lockdowns möglichst in heimischen Webshops und auf regionalen Online-Marktplätzen einzukaufen. Auch online lasse sich der österreichische Handel fördern und dazu könne jede und jeder einzelne einen Beitrag leisten. (Anmerkung des HV: Auf www.kaufsregional.at sind mehr als 5.000 heimische Webshops aufgelistet.)

Nie wieder „Pandemieversagen“ aus politischem Kalkül

Der Blick zurück sei wesentlich, um künftige Fehler dieser Form nicht zu wiederholen. Der österreichische Handel habe in der Pandemiebekämpfung stets als Partner der Bundesregierung agiert, mit dem betrieblichen Impfen die Krisenfestigkeit erhöht und seine Infrastruktur für PCR-Testungen zur Verfügung gestellt. „Während Teile der Bundesregierung die Corona-Pandemie im Sommer für beendet erklärt haben, initiierte der Handelsverband mit seinen Mitgliedern eine bundesweite Impf-Kampagne sowie mit einem österreichischen Medienhaus eine eigene Impf-Lotterie“, erinnert Rainer Will, laut dem eine Studie von Handelsverband und MindTake Research bereits im Juli 2021 das Potenzial von „Impf-Gutscheinen“ zur Steigerung der Durchimpfungsrate aufzeigte. „Leider blieben sämtliche Appelle der Branche an die politischen Entscheidungsträger ungehört, bzw. wurden sie aus politischem Kalkül (Wahlen) oder mit dem Verweis ‚zu teuer‘ in die Schublade gelegt. Stattdessen muss jetzt einmal mehr das teuerste Pandemiebekämpfungsinstrument überhaupt herhalten – ein harter Lockdown, der den Staat rund 2,5 Milliarden Euro pro Woche kostet“, betont Rainer Will.

Zwischen kostenfreiem Impfen und Impfzwang stehe der positive Anreiz, so der Handelsverband GF weiter. „Dieser Weg wurde bundesweit monatelang vom Tisch gewischt und damit leider auch ein Potential von 300.000 Erststichen. Der dritte Stich wird ebenso entscheidend sein, um Impfdurchbrüche zu vermeiden, daher appellieren wir einmal mehr an die sieben Bundesländer abseits von Burgenland und Oberösterreich, ebenfalls positive Anreize zu setzen und Heizgutscheine oder Lebensmittelgutscheine zu verlosen, um mehr Mensch für die Impfung zu gewinnen, bis der für Februar 2022 angekündigte Impfzwang gelten und wirken soll.“

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