Donnerstag, 2. Dezember 2021
Passiva von fast 25 Millionen Euro

PV-Modulhersteller Energetica ist insolvent

Photovoltaik | Wolfgang Schalko | 23.11.2021 | |  
Die Energetica Industries GmbH mit Sitz in Liebenfels ist infolge der Covid-Pandemie in die Insolvenz geschlittert und soll mit einem Sanierungskonzept fortgeführt werden. Die Energetica Industries GmbH mit Sitz in Liebenfels ist infolge der Covid-Pandemie in die Insolvenz geschlittert und soll mit einem Sanierungskonzept fortgeführt werden. (© Energetica) Gestern wurde über das Vermögen der Energetica Industries GmbH am Landesgericht Klagenfurt aufgrund eines Eigenantrages ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Den Aktiva von 2,9 Mio. Euro (Liquidationswert) stehen laut KSV1870 Passiva in Höhe von 24,9 Mio. Euro gegenüber. Das Unternehmen soll mithilfe eines Investors fortgeführt werden.

Die Energetica Industries GmbH mit Sitz in Liebenfels wurde im Jahr 2004 gegründet und ist in der Herstellung von High-end Photovoltaiklösungen (PV-Module und -Systemkomponenten) tätig. Die Fertigung der PV-Module erfolgt in einer 2019 in Betrieb genommenen, hochmodernen Produktionsanlage auf Industrie 4.0 Niveau. Von Energetica wurden u.a. innovative Produkte wie das All-in-one-Solarsystem „Smartflower” oder das Minikraftwerk zur Selbstmontage „Simon” entwickelt.

Laut Schuldnerangaben liegen die Insolvenzursachen in einem, durch die Corona-Krise bedingten Ausfall von Lieferketten, wodurch die Produktion wiederholt unterbrochen und entscheidend gestört wurde. Zudem hätten aufgrund der Reisebeschränkungen für die chinesischen Techniker die an den Maschinen notwendigen Einstellungsarbeiten und Optimierungsarbeiten nicht durchgeführt werden können. Noch im August 2021 wurde von den Gesellschaftern Kapital in Höhe von 1,5 Mio. Euro zugeführt, sodass Ende August das Eigenkapital noch positiv war. Im September sei es zu einem massiven Auftragsrückgang gekommen bzw. wurden kundenseitig keine Module abgerufen, sodass kaum Umsatz lukriert werden konnte. Ab diesem Zeitpunkt war die Liquiditätssituation mehr als angespannt, nach Absage eines konkreten Investors Ende September 2021 sei die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit eingetreten. Weitere Investorengespräche seien zunächst gescheitert.

Von der Insolvenz sind rund 230 Gläubiger sowie 112 Dienstnehmer betroffen. Die Aktiva betragen rund 2.896.000 Euro (zu Liquidationswerten) und stehen Passiva von ca. 24.875.000 Euro gegenüber. Eine Fortführung des Unternehmens ist beabsichtigt.

Laut KSV1870 soll das Sanierungsplanerfordernis (20% in 4 Raten zu je 5% binnen 3 Jahren) aus Zuschüssen seitens eines Investors im Zuge des Sanierungsverfahrens aufgebracht werden.

Die Geschäftsführung hat ein Fortführungskonzept zur Senkung und Optimierung der Produktionskosten erarbeitet, das u.a. die Umstellung vom Vierschichtbetrieb auf einen Dreischichtbetrieb zur Reduktion der Personalkosten sowie einer Anpassung der Overheadkosten an die Unternehmensgröße vorsieht. Darüber hinaus soll die bisherige Wachstumsstrategie auf 50 Mio. Euro Jahresumsatz kurzfristig nicht weiterverfolgt werden.

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