Dienstag, 9. August 2022
Gedanken zum neuerlichen Lockdown

Das große Weihnachtswundern

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 28.11.2021 | Bilder | | 1  Meinung

Wolfgang Schalko
Mit dem heutigen ersten Adventsonntag sollte eigentlich die ruhige, besinnliche Zeit des Jahres beginnen. Angesichts des gerade herrschenden vierten Lockdowns – der noch dazu durchaus vermeidbar gewesen wäre – frage ich mich jedoch, warum es tatsächlich gerade so „leise” ist da draußen…

Wäre da nicht diese Müdigkeit, die sich in den rund 20 Monaten seit Ausbruch und ersten Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-Pandemie in weiten Teilen der Bevölkerung zunehmend breit gemacht hat, dann müssten die Menschen gerade herumhüpfen wie die Rumpelstilzchen – mit zornhochroten Köpfen und laut plärrend. Ich weiß ja nicht, wie’s Ihnen geht, aber wenn ich mir den aktuellen Lockdown und vor allem die Art und Weise, wie er zustande gekommen ist – Stichwort: Bananerepublik – auf der Hirnrinde zergehen lasse, dann geht mir – Achtung, Wortwitz – das G’impfte auf.

Aber keine Sorge, das wird jetzt kein plumpes Kanzler- und Minister-Bashing, denn die Herren und Damen der Regierung bekommen ohnehin tagtäglich ihr mediales Fett ab und also dürfte ihnen auch ziemlich egal sein, ob sie hier ein weiteres Mal mit ihrem Versäumnissen konfrontiert werden. Damit, dass sich die politisch Verantwortlichen vom Kanzler abwärts für ihr Versagen im Pandemie-Management öffentlich entschuldigt haben, kann es aus meiner Sicht jedenfalls nicht getan sein. Das unsägliche Dahinwurschteln geht ja ganz offensichtlich weiter – warum also werden nicht endlich Stimmen laut (gerade auch aus dem Handel), die mit gleichermaßen durchdachten wie umsetzbaren Maßnahmen und Ideen einen Schlusspunkt unter das Lockdown-Kapitel setzen?

Es sind im Grunde nur einige wenige Fragen, auf die es aus Sicht der Elektrobranche plausible Antworten zu finden gilt: Ist der Lockdown als Maßnahme zur Pandemiebekämpfung angebracht? Warum ist der Elektrohandel vom Lockdown nicht ausgenommen? Und die wohl wichtigste: Was wird unternommen, damit dieser Lockdown der letzte bleibt?

Also schön der Reihe nach: Was die erste der drei Fragen angeht, muss man wohl festhalten, dass sich in der Praxis das Impfen nicht als jener „Game Changer” erwiesen hat, mit der es noch zu Beginn des Jahres propagiert wurde. Allerdings liegt das nicht daran, dass die Impfstoffe nicht wirken würden (Denn das tun sie nachweislich), sondern zunächst an einem völlig falschen Bild, das der damalige Kanzler Kurz der Bevölkerung vermittelte: Erstes Jauckerl, zweites Jauckerl – Corona ade! Nur ganz so einfach war und ist es eben nicht mit einem sich ständig verändernden Virus… (Randnotiz: Mein Hausarzt hat mir beim Verabreichen der Booster-Impfung erzählt, dass es für ihn als Mediziner selbstverständlich gewesen sei, dass nach einer gewissen Zeit eine Auffrischung der Immunisierung notwendig werden würde – und das bis auf Weiteres auch so bleiben wird). Dieses nicht ganz unwichtige Detail ist – vermutlich, weil unpopulär – der Kurz’schen Message Control zum Opfer gefallen. Dieses falsche Signal der Sicherheit in Verbindung mit einem nach wie vor nicht funktionierendem Contact Tracing, einer permanent überforderten Test-Infrastruktur und einer sträflich vernachlässigten Aufklärungs- und Impfkampagne hat sich als fataler Mix erwiesen – vor dem Experten übrigens seit Wochen und Monaten warnen!! Der Lockdown ist somit nur die logische Konsequenz  des politischen Versagens (man könnte es auch Schuldeingeständnis nennen) auf Bundes- und Landesebene und zugleich die Ultima Ratio – mit einer Reihe unerwünschter Nebenwirkungen, die vom Gefühl der individuellen Ohnmacht über den grassierenden „Pfeif-drauf“ bis hin zum fortschreitenden Verlust der Gesprächsbasis der unterschiedlichen „Lager” reichen. Was die gewünschte Wirkung des Lockdowns betrifft – nämlich das Eindämmen der Covid-Fallzahlen – wäre diese vermutlich mit gelinderen Mitteln zu erreichen gewesen, hätte die Politik rechtzeitig die notwendigen Schritte gesetzt und würde es hierzulande nicht eine derart große Zahl von Menschen geben, die ein verqueres Verständnis des Freiheitsbegriffs innerhalb einer Demokratie und der damit verbundenen Verantwortung haben.

Die zweite der drei Fragen knüpft nahtlos an die erste an, denn wenn heute Beratungsgespräche für eine neue Küche im Geschäft möglich sind, diese dann aber erst zuhause gekauft werden darf, oder wenn ein Produkt in der Auslage zuerst mit dem Smartphone bestellt werden muss, damit man reingehen und es mitnehmen darf, dann fallen mir dafür viele Beschreibungen ein – allerdings ist keine davon schmeichelhaft. Dazu kommt der Aspekt, dass man den Elektrohandel bzw. weite Teile seines Sortiments durchaus als „kritische Infrastruktur” oder „Grundversorgung” einstufen könnte – neben Geräten der IT- und Telekommunikation vor allem Haushaltsgroß- und -kleingeräte, aber auch Zubehör aller Art (Batterien, Leuchtmittel, Kabel, Reiniger etc.) und Ersatzteile. Überdies werden Vertreter des Handels aller Couleur und Ebenen (auch des Elektrohandels) seit Monaten nicht müde darauf hinzuweisen, dass der stationäre Einzelhandel kein Treiber des Infektionsgeschehens ist – und haben dafür auch die entsprechenden Belege geliefert. Somit dürfen sich die Menschen heute zwar nach Lust und Laune in Seilbahnen quetschen oder Gottesdienste feiern, aber keinen neuen Mixer beim Elektrohändler erwerben. Und das ist der Punkt, an dem ich keine Resignation oder – wenn auch zähneknirschendes – Hinnehmen, sondern einen vehementen Aufschrei des Handels erwarten würde (zumindest jener Teile, die nicht – wie allen voran die Billas, Spars, und Hofers der Nation – Nutznießer der Situation sind).

Und wenn in der jetzigen Situation keiner auf den Tisch haut, dann hoffentlich nur deshalb, weil hinter den Kulissen an der Beantwortung der Frage drei gearbeitet wird. Natürlich ist das kein spezifisches Anliegen des Elektrohandels, auch keineswegs „nur” des Handels – wenn vom Meeting bis zur Messe plötzlich alles auf der Kippe steht, dann ist es ein gesamtgesellschaftliches Thema. Was der Elektrohandel daher mehr denn je braucht, ist eine laute und starke gemeinsame Stimme – auch und gerade in der Zeit der Ruhe und Einkehr.

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