Samstag, 21. Mai 2022
Verkaufsoffener Sonntag

Fluch oder Segen?

Hintergrund | Julia Jamy | 28.11.2021 | Bilder | |  
Wieder erwischt es den Handel mitten im Weihnachtsgeschäft. Die Rufe nach einem verkaufsoffenen Adventsonntag werden deshalb immer lauter. Wieder erwischt es den Handel mitten im Weihnachtsgeschäft. Die Rufe nach einem verkaufsoffenen Adventsonntag werden deshalb immer lauter. (© Pixabay) Kaum ein Thema wird in Österreich so emotional und vor allem so oft geführt, wie jenes der Sonntagsöffnung. Dieses Mal geht es um den 19. Dezember, also den vierten Adventsonntag. Ob dadurch die Kaufkraft der Konsumenten gesteigert werden kann, ist aber zu bezweifeln.

Wieder erwischt es den Handel mitten im Weihnachtsgeschäft. Die Branche muss Umsatzverluste von rund 2,7 Milliarden Euro verkraften. Der Handelsverband begrüßt deshalb die aktuelle Diskussion um eine Sonntagsöffnung im Handel am 19. Dezember und erneuert seine Forderung nach einer bundesweiten Sonntagsöffnung am vierten Adventsonntag für alle Handelsbetriebe auf freiwilliger Basis. Doch bringt das wirklich was?

Kaum ein Thema wird in Österreich so emotional und vor allem so oft geführt, wie jenes der Sonntagsöffnung. Für viele Menschen gehört der Sonntag der Familie, der nicht dem Konsumterror geopfert wird, meinen Gewerkschaften und Kirche. Andere wiederrum finden das längst nicht mehr zeitgemäß. Einkaufen dient für viele heutzutage nicht mehr nur der Versorgung, sondern Bummeln und Shopping ist ein Freizeitevent – genauso wie der Besuch von Gaststätten oder Kultureinrichtungen. Eines steht aber für mich fest: Kein Händler soll sonntags aufsperren müssen oder von Einkaufszentren dazu gezwungen werden.

Doch wie wird das eigentlich in anderen Ländern gehandhabt? Deutschland lässt maximal vier offene Sonntage im Jahr zu, an denen jeweils fünf bis sechs Stunden verkauft werden darf. In Ungarn ist derzeit jeder Sonntag ein Einkaufstag. Polen reduzierte die Zahl der offenen Sonntage auf wenige Tage im Jahr. Sieben Tage die Woche darf in Tschechien, der Slowakei, Rumänien, Kroatien und Bulgarien konsumiert werden. Keinen gesetzlichen Ladenschluss haben Länder wie Italien, Spanien, Portugal und Schweden. Frankreich erlaubt sonntäglichen Handel teilweise.

Ob die Kaufkraft der Konsumenten durch eine Sonntagsöffnung gesteigert werden kann, ist zu bezweifeln. Die Freigabe des Sonntags für den Handel wird leider kaum Onlinekonzerne bremsen. Wer bei Amazon und Co. bestellt, wird dies auch tun, wenn die Geschäfte offen haben. Das hat die Pandemie gezeigt. Die Paketzusteller kommen nicht mehr nach, und ein Teil des traditionellen Geschäfts ist ins Internet abgewandert.

Ich glaube leider nicht, dass die Diskussion um die Sonntagsöffnung so schnell abreißen wird. Spätestens nächstes Weihnachten werden wir wieder vor dem Dilemma stehen. Bis dahin wünsche ich Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, eine schöne und vor allem besinnliche Vorweihnachtszeit.

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Wieder erwischt es den Handel mitten im Weihnachtsgeschäft. Die Rufe nach einem verkaufsoffenen Adventsonntag werden deshalb immer lauter.
Wieder erwischt es den Handel mitten im Weihnachtsgeschäft. Die Rufe nach einem verkaufsoffenen Adventsonntag werden deshalb immer lauter. (© Pixabay)
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