Dienstag, 9. August 2022
Zum Nachdenken

Keine Frage der Schuld

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 28.11.2021 | Bilder | | 1  Meinung

Stefanie Bruckbauer
Nein, heute geht es bei mir einmal nicht um Corona, aber um ein nicht minder besch.... Thema, nämlich um die weltweite Klimakrise 🙂 Ich sah mir den Nachbericht zur vor kurzem abgehaltenen UN-Klimakonferenz an und war verstört – allerdings nicht in erster Linie wegen den dramatischen Bildern und Fakten über unsere zerstörte Umwelt, sondern wegen des Auftrittes einer jungen weltberühmten Aktivistin.

Anfang November fand die 26. UN-Klimakonferenz statt. Liest man sich den Nachbericht durch und betrachtet parallel dazu die vielen verstörenden Bilder und Videos von Überflutungen, Waldbränden, Sturmschäden, Hitzewellen, sterbenden Tieren, ausgedürrten Gegenden und unzähligen Hungernden, kommt einem das Heulen. Aber ich will jetzt und hier nicht auf die Probleme der Menschheit eingehen, die den Rahmen dieses Beitrages erstens sprengen würden und die ich zweitens hier und jetzt sowieso nicht lösen kann.

Mir geht es um etwas anderes. Denn genauso wie mich die Bilder von Überflutungen, Waldbränden, Sturmschäden und Hitzewellen verstörten, verstörte mich der Auftritt von Greta Thunberg, die mit hasserfüllten Augen pauschale Anschuldigen in die Menge plärrte – wieder einmal. Am schlimmsten fand ich Ihren Auftritt auf der UN-Klimakonferenz 2019, als sie meinte: „IHR habt meine Kindheit zerstört und meine Träume! … mit Euren leeren Worten. Wie könnt IHR nur?! Eure Ökosyteme kollabieren, wir sind am Beginn eines Massenaussterbens und alles worüber IHR reden könnt, ist Geld! IHR erzählt Märchen über unendliches ökonomisches Wachstum – wie könnt IHR nur?! IHR blast mit Euren Technologien Milliarden Tonnen Co2 in die Luft und WIR müssen mit den Konsequenzen leben.“ …

Vor allem der letzte Satz stößt mir auf. Insbesondere wenn ich an die Bilder der zahlreichen Fridays for Future-Demonstrationen denke, wo weltweit tausende Kids „für ein besseres Klima“ und „für eine gesunde Umwelt“ auf die Straße gehen, sich zu dieser Demo allerdings von der Mama mit dem dieselfressenden SUV chauffieren lassen, Cola aus Alu-Dosen trinken, Burger mit Patties aus Massentierhaltung essen, den dadurch entstandenen Müll (wenn man den zahlreichen Bildern in der Weltpresse glauben kann) einfach auf dem Boden liegen lassen, hippe Mode von (Umwelt- und Menschen-)Ausbeutern wie Primark und Zara tragen, das ganze Spektakel mit ihren neuesten, rohstofffressenden iPhones filmen, und das Ganze dann live ins Internet streamen, auf Plattformen wie Facebook oder Instagram, die den Energiebedarf einer amerikanischen Kleinstadt aufwenden müssen, um die vielen Mega-Server, die für einen lückenlosesn 24/7 Betrieb notwendig sind, betreiben und kühlen zu können.

So! In Kürze hab‘ ich eigentlich alles dazu gesagt. Ich möchte aber doch noch ein bisschen ins Detail gehen, denn das beschäftigt mich – und scheinbar nicht nur mich, denn wenn man sich in den sozialen Netzwerken ein bisschen umschaut, teilen viele meine Gedanken.

Sehr leicht gemacht

Also grundsätzlich gebührt Greta Thunberg (vor allem in Anbetracht ihres noch so jungen Alters) ja Anerkennung für die Kraft, die sie in ihre Mission investiert, und das Engagement, gegen eine vermeintlich alles zerstörende Klimakrise anzukämpfen. (Wobei ich ja nicht glaube, dass sie das alleine macht, denn betrachtet man ihre professionellen, nahezu inszeniert wirkenden Auftritte, liegt die Vermutung sehr nahe, dass hinter der Marke Greta Thunberg mittlerweile eine Armada an Beratern und Marketingfachleuten steht.)

Ich finde aber auch, dass es sich Thunberg und ihr Gefolge sehr leicht machen. Mit Tränen und Feindseligkeit in den Augen beschuldigt die kleine Aktivistin „uns“ pauschal, ihre Träume und ihre Kindheit gestohlen zu haben. Sie wird „uns“ das nicht durchgehen lassen und sie wird „uns“ im Auge behalten. Pfuhh! Große, giftige Worte, die allerdings einer grenzenlosen Ahnungslosigkeit und Ignoranz entspringen, denn: Ist es nicht gerade Thungbergs Generation, die diese Wegwerfgesellschaft und diesen Massenkonsum am Leben erhält? Thunberg und ihr Gefolge leben in einem nie dagewesenen, materiellen Überfluss, den sie wie selbstverständlich für sich beanspruchen.

Unvorstellbar?

Ich wuchs Anfang der 80-iger Jahre auf und wir lebten damals weit klimafreundlicher, als Greta und ihre Genossen sich das überhaupt vorstellen können. Wir trugen das Gewand unserer älteren Geschwister auf, Socken wurden gestopft, Hosen und Jacken geflickt. Kleidung wurde nicht weggeworfen – konnte man sie gar nicht mehr tragen, wurde sie als Lappen oder Putzfetzen weiterverwendet. Generell wurde repariert was repariert werden konnte. Dinge wegzuwerfen war immer nur der letzte Ausweg.

Mein Weg zur Schule dauerte eine halbe Stunde, für viele meiner Freunde bis zu einer Stunde und länger. Wir gingen zu Fuß, auch wenn es schneite. Wenn das Wetter zu schlecht war fuhren wir mit dem Bus. Niemand wurde täglich von den Eltern bis vors Schulgebäude chauffiert. Die Schulbücher wurden von einer Klasse an die nächste weitergegeben.

Mein erstes Fahrrad hatte nur einen Gang und ich war stolz darauf. Den Einkauf erledigten wir zu Fuß – ja genau, obwohl man manchmal viel tragen musste, im Einkaufskorb. Nicht jeder Haushalt hatte eine Waschmaschine oder gar ein Auto. Unversehrtes Geschenkpapier und schöne Geschenkbänder wurden wiederverwendet. Wir teilten uns eine Telefonleitung mit drei (!) Nachbarn. Wenn es blöd herging (und die Dame von nebenan viel zu erzählen hatte) konnte es vorkommen, dass man stundenlang nicht telefonieren konnte. Pro Haushalt gab es EIN Telefon. Es stand fix an seinem Ort. Wenn man nicht Zuhause war, war man einfach nicht erreichbar. Damals akzeptierten die Menschen das noch – es musste nicht jeder permanent greifbar und „online“ sein. Unsere Kinderzimmer waren nicht voll mit Plastik-Spielzeug und wir hatten auch keine elektronischen Spiele, geschweige denn ein Smartphone oder einen Computer. Ich verbrachte meine Kindheit auf Wiesen und im Wald, nicht auf WhatsApp oder Instagram. Wir mussten Nachhause wenn die Straßenbeleuchtung anging. Wir kamen vom Spielen schmutzig nach Hause, aber wir waren gesund und litten nicht an irgendwelchen Allergien, Fettsucht oder Depressionen.

Scheinheilig

Wenn ich es mir recht überlege, dann sind die Proteste der Fridays for Future-Kids scheinheilig. Diese Generation verursacht mehr CO2 als alle Jugendgenerationen vor ihr. Die coolen elektronischen Gadgets wie Smartphones und Tablets werden ausgetauscht, sobald eine neue Modellserie auf den Markt kommt, und landen dann regelmäßig als Schrott in armen Ländern wie Afrika, wo hungernde Kinder – im gleichen Alter wie Greta & Co – die weggeworfenen Elektrogeräte verbrennen, um an verwertbares Metall zu kommen, das sie verkaufen können, um einen Bissen Essen kaufen zu können.

Die Schränke der Wohlstands-Jugend von heute sind gestopft voll, mit Kleidung, die zum Teil unter katastrophalen Umständen produziert wird. Es gibt unzählige Beweise für Zwangsarbeit und Arbeitsausbeutung von Minderjährigen ua. bei Zara oder Primark – den bei der Jugend so beliebten Modehändlern. Das schlimme ist: Laut einer Studie werden 40% (!) der neu gekauften Kleindung nicht mal getragen, die liegt ungenutzt in den Kästen herum. Und dieser ganze Wahnsinn zieht auch unsere Umwelt, für die Greta & Co doch so kämpfen, in Mitleidenschaft. Für die Herstellung eines T-Shirts werden rund 2.500 Liter Wasser benötigt, für einen Pullover mehr als 4.400 Liter. (Nur zum Vergleich: Trinkt man die empfohlenen 2,5 Liter am Tag, sind das im Jahr rund 900 Liter.) Ob sich Greta und ihre Kinderfreunde dessen bewusst sind?

Alles, was Greta und ihre Anhänger im Überfluss haben und fordern, wird mit CO2-Ausstoß produziert und zumeist importiert. So gesehen sind sie alles andere als ein Vorbild für eine klimafreundliche Gesellschaft, und sollte sich Gretas Zorn doch eigentlich auch gegen ihre Anhänger richten.

Gelebt und vorgelebt

Es ist wirklich traurig, denn so nachhaltig wie meine Eltern und Großeltern damals gelebt und uns Kindern das vorgelebt haben, wird das heute wohl kaum mehr ein Kind erfahren. Auf der anderen Seite sind es ja die Eltern (also meine Generation), die ihre Kinder zu diesem Konsum erzogen haben. Schließlich sollen sie es ja „mal besser haben“ und aus diesem Grund wird möglich gemacht was geht.

Man kann Vorwürfe in alle Richtung streuen. An die Alten, die die Basis für diesen Wohlstand erst geschaffen haben. An die Jungen, die jetzt aus dem Vollen schöpfen. An die Automobilindustrie, die mit der Entwicklung umweltfreundlicher Technologien zu spät begonnen hat und an die Politik, die in vielen Bereichen versagt hat. Unterm Strich tragen wir alle zur Klimakrise bei. Jeder einzelne fröhnt dem Massenkonsum, trägt die Wegwerfmentalität in sich und zur Ressourcenvergeudung bei.

Es wird ganz bestimmt nicht zur Lösungsfindung beitragen, wenn wir uns mit dem Fingerzeig auf die Fehler der Anderen berufen. Ob Greta, die Babyboomer, die Bestager, die Atom- und die Kohle-Industrie oder die SUV-Fahrer: Statt Zeit für Vorwürfe aufzuwenden, könnte man auch ein paar Bäume pflanzen – oder sich einfach ein bisschen in Verzicht üben. Das täte uns allen gut.

 

 

 

 

 

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Kommentare (1)

  1. ..ich hätte es nicht besser in Worte fassen können. Danke für Ihren Beitrag. Gestern noch beim Spaziergang im Bergischen Land (ich wohne hier) ein Auto mit Kölner Kennzeichen auf einem Parkplatz gesehen, auf dem ein FFF-Aufkleber prangte…und aus dem Auto steigt ein Jugendlicher, der dann sein Mountainbike vom Gepäckträger nimmt, um damit dann im Bergischen zu radeln. Mir verschlug es die Sprache. An Scheinheiligkeit nicht zu toppen. Aber weiter schön die Städte als das Non-plus-Ultra der Klimaschützer ansehen…und dann mal schön ins Grüne zum Greenwashing. Auf meine Frage, warum er nicht in der Kölner Innenstadt Fahrrad fahren würde, bzw er doch lediglich wenige Km mit dem Rad aus Köln fahren müsse, um im „Grünen“ zu landen, wurde mir nicht geantwortet.

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