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Samstag, 15. Juni 2024
„Jeder Lockdown-Tag befeuert Händlersterben“

HV Lockdown-Umfrage: „Die Ergebnisse sind besorgniserregend“

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 29.11.2021 | |  
Eine Umfrage des Handelsverband zeigt: „57% der österreichischen Händler haben Existenzängste. Jeder fünfte Betrieb kann Weihnachtsgeld nicht zeitgerecht überweisen.“ (Bild: Pixabay) Eine Umfrage des Handelsverband zeigt: „57% der österreichischen Händler haben Existenzängste. Jeder fünfte Betrieb kann Weihnachtsgeld nicht zeitgerecht überweisen.“ (Bild: Pixabay) Der Handelsverband hat in einer Blitzumfrage die Stimmung unter heimischen Händlern erhoben und kommt zu dem Schluss: „Die Ergebnisse sind besorgniserregend." Mehr als jeder zweite Befragte leidet unter Existenzängsten. Rund ein Viertel der stationären Handelsbetriebe kann eingehende Rechnungen nicht mehr vollständig bedienen.

Seit einer Woche befinden wir uns nun im vierten harten Lockdown. Wie es den heimischen Händlern – vom KMU bis zum filialisierten Konzern – derzeit geht, hat der Handelsverband in einer Blitzumfrage erhoben. De Verband kommt zu dem Schluss: „Die Ergebnisse sind besorgniserregend!“

  • 57% aller Befragten leiden unter Existenzängsten.
  • 25% der stationären Handelsbetriebe können eingehende Rechnungen nicht mehr vollständig bedienen.
  • Jede fünfte Firma (19%) kann keine doppelten Gehälter (Weihnachtsgeld) mehr zeitgerecht auszahlen.
  • 56% der EPU gehen als Unternehmer selbst leer aus (kein Unternehmerlohn).
  • 11% könnten binnen einem Monat von Zahlungsunfähigkeit betroffen sein, weitere 17% innerhalb von drei Monaten.
  • Ein Drittel der Handelsbetriebe (32%) sieht sich zu einer Reduzierung des eigenen Personals gezwungen.

„Jeder Lockdown-Tag befeuert Händlersterben“

„Die Ergebnisse der Befragung zeigen ganz deutlich, was es braucht: Rasche Hilfen und rasches Öffnen des Handels, der nie ein Corona-Hotspot war und durch den harten Lockdown in existenzielle Probleme gerät. Jeder weitere Tag, an dem wir im Weihnachtsgeschäft geschlossen halten müssen, befeuert das Händlersterben. 19% aller Betriebe können die Weihnachtsgelder nicht mehr zeitgerecht überweisen, 57% leiden unter Existenzängsten. Planungssicherheit ist gleich null, die Frustration über den Umgang mit der Branche hoch“, schlägt Handelsverband Geschäftsführer Rainer Will Alarm.

Treffsicherheit bei Hilfen entscheidend

Nur rund jedes siebte befragte Handelsunternehmen (14,5%) sei mit der Abwicklung der Corona-Staatshilfen zufrieden. „Dies liegt wohl daran, dass die Details der neuen Hilfen noch ausstehen und die Treffsicherheit und der zeitnahe Erhalt angezweifelt werden. Hinzu kommt für viele junge Unternehmen, die in den letzten zwei Jahren noch nichts oder nur wenig erwirtschaftet haben, das Gefühl auf der Strecke zu bleiben und in Bürokratie zu versinken“, so Will und: „Die kleinen Unternehmen befürchten lange Wartezeiten statt raschem Cashflow, die großen Unternehmen sehen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Verluste abgedeckt. So lautet die Bilanz der österreichischen Händler.“

4 Forderungen

Der Handelsverband GF stellt vier Forderungen in den Raum.

Forderung 1: Wachstum und Schließungen berücksichtigen, damit Steuergeld zielgerichtet fließt

„Zwei Filialen in 2021 machen vielleicht mehr Umsatz als eine Filiale in 2019, dennoch entsteht im Lockdown pro Filiale ein hoher Umsatzverlust. Für den Anspruch auf den Erhalt des Ausfallsbonus und den Verlustersatz ist bei der Berechnung des Umsatzausfalles daher zusätzlich ein Quadratmetervergleich der Gesamtgeschäftsfläche einzubeziehen. Das sollte auch branchenübergreifend der Fall sein, wenn etwa unter derselben GmbH seit 2019 eine zweite Gastwirtschaft oder ein Hotelbetrieb übernommen wurde. Die bestehenden Richtlinien decken das nicht ab. Unglaublich viele Unternehmen sind negativ betroffen. Firmen, die seit 2019 Flächen abgebaut oder reduziert haben, werden hingegen übergebührlich gefördert werden. Faire Hilfen sind gute Hilfen – um unternehmerische Existenzen zu sichern, im Sinne der Angestellten und auch im Sinne der Steuerzahler“, sagt der Verband.

Forderung 2: Geringere Verlusthöhe von 20-30%, um Anspruch auf Ausfallsbonus leichter zu erreichen

Viele Unternehmen seien fast zahlungsunfähig, denn die 21 Monate Pandemie hätten auch mittelfristige Spuren hinterlassen, wie der Handelsverband ausführt. „Auch Umsatzverluste von 20% bis 30% können das Existenz-Aus bedeuten – gerade aufgrund der Branchenspezifika im Weihnachtsgeschäft, wo der Handel normalerweise negative Vormonate in ein ausgeglichenes Jahresergebnis dreht. Daher muss eine leichtere Erreichbarkeit der Hilfen sichergestellt werden, die Zugangshürde darf nicht erst bei 40% Umsatzverlust angesetzt werden.“

Forderung 3: Höhere Deckel als 80.000 Euro beim Ausfallsbonus für beschäftigungsintensive Handelshäuser

Die Rahmen für den Verlustersatz seien vielfach (fast) ausgeschöpft, wodurch großen Handelsbetrieben mit Millionenverlusten die geringen Deckel beim Ausfallsbonus schwerstens zu schaffen machen. Daher setzt sich der Handelsverband für eine signifikante Erhöhung ein.

Forderung 4: Sonntagsöffnung am 19. Dezember – 70% der heimischen Händler sind dafür

Überdies erneuert der Handelsverband seine Forderung nach einer bundesweiten Sonntagsöffnung am vierten Adventsonntag für alle Handelsbetriebe auf freiwilliger Basis. „70% der heimischen Händler unterstützen unseren Vorschlag“, berichtet Rainer Will.

Der HV appelliert an die Gewerkschaft, die Arbeitsplatzsicherheit in den Vordergrund zu stellen und einen verkaufsoffenen vierten Adventsonntag für Klein- und Mittelunternehmen leistbar und damit machbar zu gestalten. Will meint: „Der 19. Dezember ist aufgrund der Nähe zum Weihnachtsfest für viele Geschäfte entscheidend. Ein Tag ist kein Ticket für eine generelle Liberalisierung. Jeder zusätzliche Tag sichert vor allem eines, was es besonders in der Krise braucht: Jobs.“

Prognose Weihnachtsgeschäft

Während die befragten Unternehmen im Vorkrisenjahr 2019 noch durchschnittlich 31% ihrer Jahresumsätze allein im November und Dezember erwirtschaften konnten, macht ihnen heuer die Covid-Pandemie und der erneute bundesweite Lockdown im Handel in der Vorweihnachtszeit erneut einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, sagt Rainer Will. „Unsere Händler abseits der lebensnotwendigen Güter rechnen heuer im Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatzeinbruch von 51%. Aber auch Nahversorger in den Tourismusregionen kämpfen. Die Berücksichtigung der Empfehlungen des Handelsverbandes bei den Staatshilfen hat daher hohe Priorität, um irreversible Schäden der Branche abzuwenden“, so Rainer Will.

 

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